Die kleine

studentische

Fechtfibel




Zusammengestellt

von

G. Geilke


Stand: 04.12.2010





Adressen:


Alte Turnerschaft Slesvigia-Niedersachsen

Hamburg-Königs­berg im CC

Johnsallee 64

20146 Hamburg


Tel.: 040/44 82 66

oder 040/45 41 45


Homepage: http://www.Slesvigia-Niedersachsen.de



Autor:

Dipl.Ing. G.Geilke


Ergänzungswünsche, konstruktive Kritik oder gefundene Fehler nehme ich gerne unter folgender Email entgegen: geilke2@aol.com



Ausdruck empfohlen auf DIN A5



Titelbild: Mensur um 1910

Vorwort

Ich bin seit 1984 Mitglied der Al­ten Turnerschaft Slesvigia-Nieder­sachsen Hamburg-Königsberg im CC zu Hamburg. In meiner Akti­venzeit durfte ich dreimal als Fecht­chargierter meine Verbindung vertreten und habe auf die Farben meiner Verbindung 5 ziehende Partien (1 Hohe und 4 Tiefe Partien) gefoch­ten. Zwei dieser Partien habe ich ausgepaukt und dreimal hat die Gegenseite auf Treffer ab­geführt. Ich habe eine PP und eine Fecht­folge unter verschärften Bedingungen für meinen Bund erfolgreich fechten dürfen. In den letzten Jahren habe ich als Alter Herr die Aktivitas einmal in der Woche bei den Paukstunden unterstützt.


Zu dem Thema „studentisches Fechten“ gibt es zur Zeit in den Buchhandlungen keine umfassende Literatur und es ist schwierig in Antiquariaten ein Buch zu dem Thema „Studentenverbindungen“ oder „studentisches Fechten“ zu finden. Das Internet bietet mittler­weile eine Vielzahl von Informationen zum Thema „Mensur“ oder „Verbin­dungen“. Eine geschlossene Abhandlung zum Thema stu­dentisches Fechten konnte ich aber bisher nicht finden. Einer der Gründe hierfür ist, dass das spezielle Thema Mensur als sensibel von der korpo­rierten Welt eingestuft wird. Über die Mensur und das Fechten spre­chen Waffenstudenten gerne, aber nicht in der Öffent­lichkeit.


Mein Ziel bei dieser Zusammenstellung war es, den Aktiven meines Bundes in einer kompakten Form die nötigen Informationen zum studentischen Fechten bereit­zustellen. Diese Arbeit soll den Aktiven neben der Praxis weitere Anreize geben, sich mit dem Thema „Fechten“ zu beschäftigen. Die wesentlichen Gesichtspunkte der Fechtausbildung sollen genannt und ein grundsätzliches Verständ­nis für die Mensur geför­dert werden. Im Besonderen wendet sich diese Zusammenstellung an die Fechtchargierten und deren Arbeit für den Bund. Dieses Buch sollte aber auch von Nichtkorporierten mit Inter­resse gelesen werden können, aber ein echtes Verständnis für die gelebte Be­stimmungsmensur kann ohne die entsprechenden Erfah­rungen in der Praxis lei­der nicht vermittelt werden.


Es handelt sich hier ausdrücklich nicht um eine wissenschaftliche Arbeit. Ich habe die aus meiner Sicht relevanten Beiträge aus unter­schiedlichen Literaturquellen zusammengetragen, neukomponiert und ggf. ergänzt und ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit der zusammengetragenen Aussagen.




Gert-A. Geilke




Inhaltsverzeichnis:

1 Die Geschichte der Mensur 12

1.1 Das 16. Jahrhundert 15

1.2 Das 17. Jahrhundert 21

1.3 Das 18. Jahrhundert 23

1.4 Das Stoßduell im 19. Jahrhundert 27

1.5 Die Rückkehr zum Hiebfechten im 19. Jahrhundert 31

1.6 Zur Geschichte der rechtlichen Beurteilung der Mensur 44

2 Schlagende und nicht schlagende Verbindungen 52

3 Die Bestimmungsmensur 60

3.1 Allgemeine Grundsätze 60

3.1.1 Zweck der Mensur 60

3.1.2 Zweck der Komments 61

3.1.3 Die Gleichwertigkeit der Gegner 61

3.1.4 Der Ort der Mensur 62

3.1.5 Der Beginn der Mensur 62

3.1.6 Die außerordentlichen Mensurtage 63

3.1.7 Das Warten auf die Gegenseite 63

3.1.8 Die Absage der Mensur 63

3.1.9 Die Korona 64

3.1.9.1 Allgemeines 64

3.1.9.2 Das Silentium 64

3.1.9.3 Kleiderordnung 64

3.1.9.4 Der Fechtchargierte 65

3.1.9.5 Die Waffenstudenten 65

3.1.9.6 Die Gäste 66

3.1.9.7 Fotografieren, Filmen, Handys, Rauchen, Trinken, Essen 66

3.1.9.8 Damen und Kinder 67

3.1.9.9 Hunde 67

3.2 Das Mensurteam 68

3.2.1 Die beteiligten Personen 68

3.2.2 Der Unparteiische 69

3.2.2.1 Anforderungen an den Unparteiischen 69

3.2.2.2 Allgemeine Rechte und Pflichten des Unparteiischen 69

3.2.2.3 Anfragen an den Unparteiischen 70

3.2.2.4 Anordnung von Pausen 71

3.2.2.5 Ende der Mensur 72

3.2.3 Die Paukanten 73

3.2.3.1 Anforderungen an den Paukanten 73

3.2.3.2 Die Rechte und Pflichten des Paukanten 73

3.2.3.3 Anfragen des Paukanten während der Mensur 73

3.2.4 Die Sekundanten 75

3.2.4.1 Anforderungen an den Sekundanten 75

3.2.4.2 Die Rechte und Pflichten der Sekundanten 75

3.2.5 Die Testanten 76

3.2.5.1 Anforderungen an den Testanten 76

3.2.5.2 Die Rechte und Pflichten der Testanten 76

3.2.6 Die Schlepper 77

3.2.6.1 Anforderungen an den Schlepper 77

3.2.6.2 Die Rechte und Pflichten der Schlepper 77

3.2.7 Der Paukarzt 78

3.2.7.1 Anforderungen an den Paukarzt 78

3.2.7.2 Die Rechte und Pflichten des Paukarztes 78

3.2.7.3 Anfragen an den Paukarzt 79

3.2.8 Der Schreiber 80

3.3 Die Schutzausrüstung des Mensurteams 81

3.3.1 Die Schutzausrüstungen der Paukanten 81

3.3.2 Die Schutzausrüstungen der Sekundanten 84

3.3.3 Die Schutzausrüstungen der Testanten 85

3.3.4 Die Schutzausrüstungen der Schlepper 86

3.4 Die Waffe 87

3.4.1 Ausschluss als tödliche Waffe 87

3.4.2 Die kommentgemäße Waffe 87

3.4.3 Anforderungen an den Korb 88

3.4.4 Anforderungen an die Klinge 89

3.5 Das kommentgemäße Hiebfechten 92

3.5.1 Die Hiebe 92

3.5.2 Das Tempo 93

3.5.3 Die A-Tempo-Hiebe 93

3.5.4 Die tiefen Hiebe 94

3.5.5 Die abgedrehten Hiebe 94

3.5.6 Die Lufthiebe 95

3.5.7 Die Schleifen 95

3.5.8 Die Sekonde 95

3.5.9 Die Rückschneidenterz 95

3.5.10 Sonstige Anmerkungen 95

3.5.11 Die blutigen Trefferhiebe 95

3.6 Die Stellung der Paukanten 98

3.6.1 Das Abstecken der Mensur 98

3.6.2 Platzvorteil 98

3.6.3 Die Körberhaltung der Paukanten 98

3.6.4 Der Höhenausgleich 99

3.7 Der Verlauf der Mensur 99

3.7.1 Das Annoncieren der Partie 99

3.7.2 Das Auslegen und der Anhieb 100

3.7.3 Die Dauer der Mensur 101

3.7.4 Die Pausen 103

3.7.5 Das Kommando 104

3.7.6 Das Ende des Ganges 105

3.7.7 Das Ende der Mensur 106

3.7.8 Die Suspension der Mensur 108

3.8 Das inkommentgemäße Verhalten 110

3.8.1 Die Kreide und das Monitum 110

3.8.2 Die Inkommentmäßigkeiten der Paukanten 111

3.8.3 Die Inkommentmäßigkeiten der Sekundanten 113

3.9 Die Beurteilung der Mensur 115

3.9.1 Der Mensurconvent 115

3.9.2 Die Reinigungsmensur 117

3.10 Die Strafen 118

4 Die PP-Suite 120

4.1 Die Kontrahage 123

4.2 Allgemeines zur PP- und Viritimsuite 125

4.3 Die PC- und PP-Richtlinien 126

4.4 Die Bruch-PP 129

5 Der Paukboden 131

5.1 Der Fechtchargierte 132

5.2 Die kommentgemäße Waffe 138

5.2.1 Der Korb 141

5.2.2 Die Paukklinge 143

5.2.3 Der Griff des Korbschlägers 143

5.2.4 Die Lederschlaufe des Korbschlägers 144

5.3 Das Paukzeug 145

5.4 Der sichere Stand 146

5.5 Das Phantom 147

5.6 Das Kontrapauken 147

5.7 Die Auslagen 148

5.7.1 Die steile Auslage 148

5.7.2 Die steil-vorge­setzte Auslage 149

5.7.3 Die verhängte Auslage 149

5.7.4 Die steil-abgedrehte Position 150

5.8 Die Bewegung der Klingenspitze 151

5.9 Die Hiebe 152

5.9.1 Die hohe Terz 156

5.9.2 Die abgedrehte Terz 157

5.9.3 Die hohe Quart 158

5.9.4 Die abgedrehte Quart 159

5.9.5 Der Zieher 160

5.9.6 Die horizontale Quart 161

5.9.7 Die Sonderhiebe 162

5.10 Der Anhieb 163

5.11 Das Parieren und die Finte 164

5.12 Das Tempo 165

5.12.1 Das Wechseltempo 165

5.12.2 Das A-Tempo 165

5.13 Ein Zeitplan für die Fechtausbildung 166

5.13.1 Die Fechtausbildung nach Semestern 166

5.13.2 Die Fechtausbildung nach Hieben 166

5.13.3 Ein Semesterprogramm für Doppelhiebe und Hiebkombinatio­nen 167

5.14 Die häufigsten Fehler beim Fechten 168

5.14.1 Die Deckungsfehler 168

5.14.2 Die Hiebfehler 168

5.14.3 Die Haltungsfehler 169

5.15 Die Bewertung des Paukanten 170

5.15.1 Die Bewertung der Hiebe, Variation und Technik 172

5.15.2 Die Kontrolle der Haltung 173

5.16 Die Grundübungen beim Fechten 174

5.17 Das Krafttraining 176

5.18 Das mentale Training 178

5.19 Das Verletzungsrisiko auf dem Paukboden 179

5.20 Das Verletzungsrisiko der Mensur 181

5.21 Tipps und Tricks für die Mensur 185

6 Die Atmosphäre der Mensur 190

7 Der Offizieller Paukkomment von 1907 194

7.1 Die Einleitung 194

7.2 Die Schlägermensur 197

7.2.1 Von den zu einer Mensur gehörigen Personen. 198

7.2.1.1 Von den Paukanten. 198

7.2.1.2 Vom Unparteiischen 202

7.2.1.3 Von den Sekundanten 204

7.2.1.4 Von den Testanten 208

7.2.2 Ort und Zeit der Mensur 209

7.2.3 Von den Verwundungen 210

7.2.4 Von den Waffen 211

7.2.5 Von den Schutzvorrichtungen 213

7.2.5.1 Der Paukanten 213

7.2.5.2 Sekundanten 214

7.2.5.3 Der Testanten 215

7.2.6 Die PP- und Viritimsuite 216

7.3 Die schwere Mensur 218

7.3.1 Allgemeines 218

7.3.2 Von der Säbelmensur 221

7.3.3 Von der Pistolenmensur 225

7.3.3.1 Pistolenmensuren auf Distanz 225

7.3.3.2 Pistolenmensuren auf Barriere 226

7.4 Von den inkommentgemäßen Mensuren 229

8 Schlussworte 231

9 Die verwendeten Fremdworte und Fachausdrücke 236

10 Die Literaturquellen 244

10.1 Die verwendeten Bücher und Zeitschriften 244

10.2 Wichtige Internetseiten 245

10.3 Das Zeichnungsverzeichnis 246

11 Das Stichwortverzeichnis 253







Abbildung 1: Die Sekundanten














Die

Geschichte der

Mensur

1 Die Geschichte der Mensur

Der Umgang mit dem Schwert war jeher tief verankert bei den Völ­kern Mitteleuro­pas. Ohne das „Gladius“ (das römische Kurzschwert) wäre ein Legionär nicht zu denken gewesen, nicht der griechische Hoplit oder der Germane mit seinem „Sax“. Das Schwert war als Waffe zur Verteidigung stets Begleiter auf weiten Reisen.


Abbildung 2: Entwicklung der Fechtwaffen (Dolch)



Sieht man von den römischen Gladiatoren ab, so kamen Fecht­kämpfe erst wieder in der Ritterzeit auf, vornehmlich dann, wenn die Kontrahen­ten ihre Lanzen zersplittert hatten oder vom Pferd fielen und dann zu Fuß aufeinander eindrangen. Dabei konnte man sich als Schutz ge­gen die Hiebe noch halbwegs auf die Rüstung verlas­sen. Durch­aus üblich war es bei Turnieren, dem Gegner das Schwert zu ent­reißen und ihn dann im Ringkampf zu Boden zu wer­fen. Das Fuß­volk stand ohne Rüstung schutzlos da und musste da­her in der Handhabung der Waffen schon weitaus geschickter sein.


Als die ersten deutschen Hochschulen im 14. Jahrhundert gegründet wurden, stand das Rittertum mit seinem Bekenntnis zur Wehrhaftig­keit und seinen Kampfspielen äußerlich noch in Blüte. Der Zwei­kampf war nicht nur als Kampfspiel zu Pferde an der Tagesordnung. Seine Ursprünge reichen bis in die germanische Zeit zurück. Der oft tödliche Zweikampf (nur Freie konnten ihn bestreiten) wurde in sei­nem Ausgang als Gottesurteil angesehen. Im Jahr 501 wird der Zweikampf als Gerichtsurteil in dem Gesetz des Burgunderkönigs Gundobald festgelegt. Später finden dann Zweikämpfe nur noch bei todeswürdigen Verbrechen statt. Gerichtliche Zweikämpfe wurden teilweise bis ins 13. Jahrhundert als Gottesurteile angeordnet. Gleichzeitig entstanden auch die Fechtwettkämpfe.


Abbildung 3: Entwicklung der Fechtwaffen (Schwert)



Ein weiterer Anstoß zur Entwicklung der Fechtkunst kam aus Italien. Dort war das Fechten zur Selbstverteidigung not­wendig, da man seines Lebens nie sicher war, andererseits durch das Klima aber das Tragen eines Harnisches unerträglich wurde. Das erste Schau­fechten wurde beim Reichs­tag in Frank­furt/Main 1397 durchgeführt. Die Zentren der neuen Fechtkunst waren die Städte, ab 1487 insbesondere Nürn­berg und später dann Frank­furt/Main.

Die Städte waren an der Wehrhaftigkeit ihrer Bürger besonders interessiert und räumten da­her den Fechter­gesellschaften auch Privilegien ein. Unter den Fechtschülern werden nach den Handwerkern und Bürgern sehr bald auch die Studenten genannt, selbst wenn es ihnen verboten war, wie in Heidelberg schon 1386 bei der Universitätsgründung.

Bei den Wettkämpfen fungierte der Fechtmeister als Unparteiischer und Schiedsrichter, der den Kampf jederzeit durch das dazwischen hal­ten einer Stange unter­brechen konnte. Weil damit natürlich auch einer der Fechter begünstigt werden konnte, entstand das Sprich­wort „Jemandem die Stange halten“.


Von Anfang an ist die Geschichte des studentischen Fechtens Teil der allgemeinen studentischen Geschichte. Im frühen Mittelalter, als im deutschsprachigen Raum noch keine Universitäten existierten, zogen die Scholaren nach Paris, Bologna, Padua oder Salerno, um sich einem 5-7 jährigen Studium zu widmen. In der Fremde an den damals internationalen Universitäten schlossen sich die Studenten den „Nationes“ an, denen ein gewählter Student als Rektor vor­stand. Sie gewährten den Studenten eine Reihe wichtiger Privilegien (Steuerfreiheit gegenüber der Kommune, Schutz vor Polizei und an­deren Mächten, Befreiung vom Waffendienst, eigene Gerichtsbar­keit). Dazu gehörte auch, besonders bei der Germanischen und Teu­tonischen Nation, der Skandinavier, Balten, Niederländer, Schweizer und Deutsche angehörten, das Recht, eine Waffe zu tragen.

Mit der Gründung der ersten deutschen Universitäten (Prag 1348, Wien 1365, Heidelberg 1386, Erfurt 1392) wurden diese studenti­schen Privilegien teilweise übernommen. Die Fecht-, Reit- und Tanzmeister gehörten zu den Lehrenden dieser Universitäten.


Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen im 15. Jahrhundert trat eine differenzierte Entwicklung ein: Die Bürger hatten Interesse daran, den Feind möglichst weit von den Mauern ihrer Stadt fernzu­halten, und setzten daher Feuerwaffen ein. Anstelle der Fechtergesellschaf­ten traten Schützenkompa­nien. Die Fechtkunst wird nun von Adeli­gen, Solda­ten, Studenten und fahrenden Handwerksgesellen betrie­ben. Vor allem letztere mussten sich oft genug gegen Wegelagerer zur Wehr setzen. Auf ihren Reisen führten sie ihre Fechtkunst dann auch gele­gentlich wie auf einem Jahrmarkt vor, wovon noch heute die Ausdrücke „fechten“, „Fechter“ und „Fechtbruder“ für Betteln zeugen.


1.1 Das 16. Jahrhundert

Es entstanden im 16.Jahrhundert die ersten Fechtschulen (z. B. Augsburg 1509, Regensburg 1530), zunftartige Fechtergesellschaf­ten.

Die erste deutsche Fechtgilde, die Brüderschaft der Jungfrau Ma­rien und des Himmelsfürsten St. Marxen (St. Markus Brüder, Mari­brüder) genossen höchstes Ansehen. Friedrich III. (1440-1495) ver­lieh ihnen am 10.08.1487 den 1. Privilegienbrief, der bis zum 26.10.1609 neunmal erneuert wurde. Karl V. (1519-1536) erteilte ih­nen am 13.05.1541 ein adeliges Wappen.

Daneben entstanden die Freifechter von der Feder zum Greifen­fels (Federfechter), deren Wappen offiziell am 07.03.1607 von Rudolf III. (1552-1612) bestätigt wurde.


Abbildung 4: Rapier und Umhang




Gegen Ende des 16. Jahrhunderts besaßen alle Universitäten privi­legierte Fechtmeister und der Besuch des Fechtbodens gehörte schließlich genauso zur studentischen Ausbildung wie der Besuch der Vorlesungen. Teils soll sogar der Ruf der Fechtschule für die Universitätswahl ausschlaggebend gewesen sein. Akade­mische Fechtmeister wurden erstmals in Jena 1558 und in Rostock 1560 angestellt. Die Fechtmeister waren meist Marxbrüder, woraus her­vorgeht, dass zwischen dem studentischen Fechten jener Zeit und dem Fechten der Gilden kein Unterschied bestand.


Das Recht eine Waffe zu tragen, stand von jeher dem Adel zu, der anfangs auch die Masse der Studenten stellte. Allerdings war es damals nicht allzu schwer, den Adel zu erlangen, und der persönli­che Adel war dem Gelehrten mit der Promotion häufig gewiss. So war es verständlich, dass auch die bürgerlichen Studenten, im Vor­griff auf spätere Aussichten und in Angleichung an die Fechtergilden das Recht beanspruchten, den Degen tragen zu dürfen.


Abbildung 5: Entwicklung der Fechtwaffen (Degen)



Im Jahre 1514 mussten die Wiener Studenten ihre Waffen ablegen und hatten zum Schaden auch noch den Spott der Bürger. Darauf­hin zogen 800 von ihnen nach Wels zu Kaiser Maximilian L. der schließ­lich ihrem Protest nachgab und das Waffentragen wieder gestattete. So kehrten sie erfolgreich und mit einem Viaticum be­schenkt aus dem „Lateinischen Krieg“, wie er spöttisch genannt wurde, wieder zurück. Nach langen und vielfachen Streitigkeiten wurde 1514 in Wien von Kaiser Maximilian (1459-1519) dieses Recht verbrieft, Waffen zu tragen und im Jahr 1546 fand der erste urkundlich belegte Zweikampf zwischen Studenten statt. Von nun an trugen Adel, Wür­denträger und alle Studenten den Degen. Dieses Recht des Studen­ten, die Waffe zu tragen, mag als Standesabzei­chen gewertet wer­den. Der Umgang mit der Waffe, das Fechten, gehörte aber zugleich zu den uralten deutschen Volksbräuchen. Bauern, Bürger und Ritter, Zünfte, Gilden und Landsknechte erlern­ten den Umgang mit den je­weils üblichen Waffen. Denn nicht nur bei kriegerischen Auseinanderset­zungen, auch auf Reisen auf den teils sehr unsiche­ren Handelswe­gen musste sich jeder seiner Haut zu wehren wissen.

Gefochten wurde in dieser Zeit auch mit den her­kömmlichen deutschen Waffen, dem lan­gen Schwert, dem kurzen Messer oder dem „Dusacken“, einer Art kurzem Holzsäbel. Die damals verwendeten Fechtausdrücke waren noch alle deutsch. Man sprach vom „Versetzen“ (parieren), bei den Hieben vom „Oberhau“, „Unterhau“, „Mittelbau“, bezeichnete die „Läger“ als „Tag“, „Ochs“.


Abbildung 6: Fechten mit dem Dusacken



Das Tragen der Waffe, verbunden mit einem ausgeprägten Stan­desbewusstsein und die unverhohlene Freude an der tatkräftigen Auseinandersetzung führten verständlicherweise zu ständigen Rau­fereien, vornehmlich unter den Studenten. Nachweise für Studen­tenduelle finden sich schon 1546 für Königsberg und 1579 für Frei­burg.

Die Duellwut der Studenten nahm allerdings rasch solche Ausmaße an, dass schon 1570 in Wittenberg (Duelledikt von Wittenberg) da­gegen ein Edikt erlassen wurde, „... damit die Universitäten nicht Lärmen- und Balgeplätze oder Metzelhäuser seien“. Ähnliche Ver­bote folgten sehr bald für Sachsen (1572), Frankfurt (1578) und Straßburg (1583).

Die Universitätsbehörden versuchten teils durch Verbote (Erfurter Statut, 14. Jahrhundert „Waffen werden konfisziert“; Heidelberger Rektoratsbeschluss, 1386 „neben dem Würfelspiel ist der Besuch der Fechtschulen untersagt“; Duellmandat von Jena, 1684) das Fechtwesen in erträgliche Bahnen zu lenken.


Im 16. Jahrhundert (Karl V., 1519-1556) war der Degen (Raufdegen, lange Parier­stange, Stichblatt, gerade Klinge), aus Italien kommend, in ver­schiedenen Spielarten die allgemein zu Hieb und Stich geeig­nete Waffe. Zum Schutz gegen diese Waffe trug der Student damals dick gepolsterte Kleidungsstücke, denn gefochten wurde in Form des wilden ungeregelten Duells (Renkontre) ohne Vorbereitung, ohne be­sondere Regeln und ohne Sicherheitsmaßnahmen. Banda­gen kannte man nicht, ebenso keine lange Vorbereitungszeit. Wo man sich be­gegnete, auf der Straße, im Freien, bei Tag und Nacht, wie sich ein Anlass fand, wozu einige Schimpfworte genügten, wurde vom Leder gezogen.


Abbildung 7: Duell im 16.Jahrhundert



Die Passanten bildeten einen Kreis um die Kämp­fenden. Sekun­danten gab es nicht. Die Beleidigung konnte in Ver­balinjurien bestehen, deren Ärgste der „dumme Junge“ war oder in Tätlichkei­ten, wie z.B. eine Ohrfeige, schlagen mit dem Zie­genhainer (einem Stock) oder der Hetzpeitsche oder Begießen mit dem Nacht­topf.


Daneben kam es auch zu tätlichen Auseinandersetzungen mit Poli­zei und Stadtsoldaten. Ein Beleg dafür ist die Schrift des Hofrats Meier aus Göttingen „Über Bewaffnung und Taktik akademischer Polizei­wachen zu bevorstehenden Gefechten mit Studenten“.


Die „Freifechter von der Feder zu Greifenfels“ führten als neue Waffe das romani­sche Rapier, die sogenannte Feder ein, mit dem damals in Italien gefochten wurde auch in Deutschland ein. Das Rapier, der Stoß­degen, diente hauptsächlich zu Stich und Stoß.


Gleichzeitig werden in Deutschland auch die jetzt üblichen fremd­sprachigen Fechtbezeichnungen ein: z.B.: Terz, Quart, Sekonde, Parade, Satisfaktion und Avantage eingeführt. Bei gleichem Kampf­aufwand war der Stoß mit dem Ra­pier schneller, genauer und wir­kungsvoller als der im Bogen ge­schlagene Hieb. Die Schlacht von Benevent ging verloren, da die Franzosen durch Anwendung der schnellen Stoßtechnik die deut­sche Übermacht besiegen konn­ten.


Abbildung 8: Das Rapier





Im Laufe des 16. Jahrhunderts beginnen sich aber daneben, aus Ita­lien und Frankreich kommend, langsam Duellregeln durchzusetzen, etwa die Gleichwertigkeit der Waffen und die Stellung des Sekun­danten (erstmals erwähnt 1578) betreffend.


Ende des 16. Jahrhunderts hatte das Stoß­fechten mit dem Rapier das alte deutsche Hiebfechten fast völlig verdrängt.




1.2 Das 17. Jahrhundert

Der Fechtlehrer Wilhelm Kreußler (Erster der Fechtlehrerdynastie Kreußler) ist der erste Akademische Fechtlehrer an deutschen Hochschulen und führt in Jena im Jahr 1620 das Stoßfechten ein. Die Fechtlehrerdynastie Kreußler brachte nicht nur ein System in das Fechten, sondern lehrte unter italienischem Einfluss anstelle des bisherigen Hiebfechtens das Stoßfechten. Während man beim Stoß sein Ziel in gerader Linie erreicht, war das beim Hieb nur im Bogen möglich. Dadurch war bei gleichem Kraftaufwand der Stoß schneller und gezielter als der Hieb. Durch die Dynastie der neuen Fechtmeis­ter Kreußler (1597-1819) in Jena, Leipzig, Witten­berg und Gießen erlebte das Stoßfechten in Deutschland eine hohe Blüte.

Das Wirken der Fechtmeister führte zu einer besseren Fechtausbil­dung der Studenten. Die Raufhändel wurden dadurch zwar nicht weniger, aber doch wesentlich unblutiger, denn man lernte zu parie­ren, den Stößen auszuweichen und zeigte seine Kunst im Battieren und Legieren, in geschickter Ausnutzung der gegnerischen Blößen und in feinen Finten.


Man focht an Ort und Stelle, auf offener Straße oder in der nächsten Umgebung der Universitätsstadt. Den Anlass gab eine Verbalinjurie: „Pereat!“ mit der Antwort: „Pereat kontra; kontra, steh Hundsfott!“. Um die Kontrahenten schloss sich schnell ein Kreis. Die Mensur d. h. das Abmessen des Kampf­platzes wurde genommen. Dabei treten die Sekundanten einander gegenüber und strecken den Arm mit der Waffe aus, bis die Klingenspitze das gegnerische Stichblatt be­rührte. Der linke Fuß wurde nun so weit als möglich nach hinten gestreckt, dort ein Zeichen auf dem Boden gemacht und dann mit dem Abstand der beiden Zeichen als Durchmes­ser ein Kreis gezo­gen, den keiner der beiden bei der Strafe des „Verschisses“ auch nur mit einem Fuß überschreiten durfte. Die Kontrahenten lüfteten den Hut und gingen sofort in die Auslage. Jeder Sekundant hatte einen Ziegenhainer (einen besonders kräftigen Stock), mit dem er seinen Paukanten schützte oder die feindliche Klinge durch einen Schlag nach oben aushob.


Die Regeln, nach denen gefochten wurde, waren einfach und lauteten:



Der „Übeltäter“ hatte fast immer Gelegenheit, zu entkommen, selbst wenn er seinen Gegner erstochen hatte, und kaum ein Erlass konnte die Entwicklung des studentischen Duells nennenswert be­einflussen.

Die härtesten Strafen wurden nun fürs Duellieren an­gedroht, vielfach die Todesstrafe (z.B.: Allgemeines Landrecht 1794), aber die Praxis blieb milde. Langsam machten sich jedoch Änderungen bemerkbar. Im Jenen­ser Mandat von 1684 ist von ei­nem Duell in der neueren Form die Rede, bei dem erstmals von Beschickleuten (Kartellträ­gern) und Beistän­den (Sekundanten) die Rede ist. Die Sekundanten waren nur mit einem Ziegenhainer (kräftiger Spazierstock) ausge­stattet und stan­den auf der Seite des Gegenpaukanten. Sie schütz­ten durch Vorhal­ten und konnten die gegnerische Klinge nach oben he­rausschlagen.

Die Verpflichtung zur unbedingten Verteidigung der Ehre mit der Waffe ist im 17. Jahrhundert noch nicht allgemein anerkannter Grundsatz. Es gibt zunächst nur eine Gruppenehre, aber keine Standes- oder Farbenehre.



1.3 Das 18. Jahrhundert

Die Größe der Waffe wird immer größer und wuchtiger. Im 18. Jahr­hundert erreicht die Klinge die Größe eines Bratspießes und das Stichblatt die eines Präsentiertellers (Renommistenhieber). Daher muss der Abstand zwischen den Kämpfenden, die sogenannte Men­sur, weiter ge­nommen werden. Die normale Verletzung ist daher der „Armfuchser“; bei der geringsten Verletzung tritt der Verwundete ab. Diese Gepflogenheit scheint sich infolge der gänzlich fehlenden an­tiseptischen Be­handlung der Klingen während des Kampfes einge­bürgert zu haben. Das einfache Straßenrenkontre war trotz Verbots von den Hochschulbehörden ein von der öffentlichen Meinung aner­kanntes Brauchtum geworden.


Die eigentliche blutige Zeit des Rekonters beginnt mit der Einfüh­rung eines leichteren, wendigeren Stoßrapiers mit kleinem Stichblatt, dem sogenannten „Pa­riser“ und mit dreikantiger stitzer Klinge. Diese Blankwaffe wurde Mitte des 18. Jahrhunderts in Frankreich entwickelt und verursachte gefährliche Lungenverletzungen (Lungenfuchser) durch tiefe Stiche. Die Folge waren zahl­reiche Todesfälle.


Abbildung 9: Stoßrapier mit großem Stichblatt und „Pariser“ mit kleinem Stichblatt . Waffen mit dreieckigen Klingen



Neben dem „Pariser“ behauptete sich der alte Raufdegen durchaus als „Hieber“. Er wird in leichterer Form im 19. Jahrhundert zum Glo­ckenschläger und mit gebogenem Stichblatt zum Korbschläger und stellt so eine historische Waffe des Studenten dar. Das Hiebfechten wurde seit 1760 offenbar stark von Göttingen aus verbreitet.


Abbildung 10: Mensur am Riesenstein um 1850



Im 18. Jahrhundert waren die studentischen Orden groß gewor­den. Ihre Mitglieder unterlagen dem Duellzwang und waren gehal­ten, auf jeden Tusch (Beschimpfung) mit einem stärkeren Tusch zu antwor­ten oder zu fordern. Die Zahl der Duelle nahm damit stark zu. Sie verlie­fen jedoch unblutiger und geregelter, da man nicht mehr in blinder Wut aufeinander drang, sondern sich in der wahren Kunst des Fech­tens mit Stoß und Gegenstoß versuchte. Die Orden wur­den von den Landsmannschaften alter Art, den späteren Corps, abgelöst, sie übernahmen die Führungsrolle in der gesamten Stu­dentenschaft und führten einen allgemein verbindlichen Komment (auch Pauk-Kom­ment) ein, dem sich jeder Student zu unterwerfen hatte. Realinjurien jeder Art (Ohrfeigen, Schläge mit dem Ziegen­hainer, der Hetzpeit­sche oder Begießen mit dem Nachttopf) wurden verpönt. Als Belei­digung galt das Wort „dumm“ oder „dummer Junge“ (est ma­xima et atrocissima iniuria), später auch „Hundsfott“. War die Belei­digung gefallen, dann durfte kein Wort mehr von beiden Seiten ge­wechselt werden (nachtuschiert, der Tusch war die Beleidigung, von frz. toucher). War dieser Tusch gefallen, durfte nicht mehr überstürzt werden, binnen 24 Stunden musste die Forderung überbracht wer­den. War die Mensur ausgefochten, so galt die Beleidigung als aus der Welt geschafft. Deshalb heißt es in dem alten Studentenlied auch: „Hat der Schmiss gesessen, ist der Tusch vergessen!“


Abbildung 11: Bonner Studentenleben: 1846



Die stark verwilderten und rohen Sitten verschwanden damit mehr und mehr, und ein erträglicher Ton kehrte auf die Universitäten zu­rück. Die Forderungen gingen im allgemeinen über 6, 12, oder 24 Gänge, wobei ein Gang beendet war, wenn ein Stoß saß. Aber auch die Art der Duelle wurde abgesprochen, mit Hut, ohne Hut, mit gro­ßer oder kleiner Mütze, mit gewöhnlichen oder mit kleinen Binden, ohne Binden und Bandagen, auf eine bestimmte Anzahl Blutiger, auf einen Gang bis zur Abfuhr mit abgetretenen Sekundanten und Hal­trufen der Paukanten. Bei der Forderung auf einen Gang wurden teils bis zu 70 Hiebe gefochten. Später wurde dieses Gefecht auf 25 Zeitminuten festgesetzt. Beim Stoßfechten gab es das Duell „Grave“ ohne Sekundanten, mit der Absicht nach der Brust zu Stoßen (Kol­lettstoßen, Lungenfuchser) und die Forderung „Honoris gra­tis“ bei geringfügigen Beleidigungen unter Freunden. Eine solche Men­sur bestand meist nur aus Stoß und Nachstoß. Meist galt die mittlere Mensur, wobei sich ganze Schwäche und Stärke der Klingen berühr­ten und nur nach dem Arm gestoßen wurde.


Nach dem 7jährigen Krieg (1756-1763) wurden auf den deutschen Hochschulen immer weniger Waffen getragen. Friedrich II. (1712-1786) hatte es für die preußischen Universitäten ganz untersagt, dennoch nahm die Zahl der Duelle nicht ab, wenn sie auch nicht mehr an Ort und Stelle und in aller Öffentlichkeit ausgetragen wur­den.


Auch Goethe war in ein studentisches Duell verwickelt. Er war 1768 in Leipzig schon Student im sechsten Semester. Als ihm ein junger Student am Weg ins Theater behinderte, rief Goethe: „Hier stinkt’s nach Füchsen!“ Der Studiosus aus Riga ließ das nicht auf sich sit­zen. Bei dem folgenden Duell wurde Goethe am Arm verletzt.

In Jena, einer der Hochburgen des Fechtens, trat eine studentische Kommission zusammen (1791/92), der auch Goethe angehört ha­ben soll, um über die Abschaffung des studentischen Duells zu be­raten. Der Versuch scheiterte.

Noch viel später, am 9. August 1827, sagte er darüber: „Was kommt es auf ein Menschenleben an ? Eine einzige Schlacht rafft Tau­sende hinweg. Es ist wichtiger, dass das Prinzip des Ehrenpunktes, eine gewisse Garantie gegen rohe Tätlichkeiten, leidlich erhalten wird.“ Dieser Vorfall zeigt deutlich, dass es damals auch für den nicht kor­porierten Studenten (wie Goethe) selbstverständlich war, sich dem studentischen Komment zu unterwerfen.



1.4 Das Stoßduell im 19. Jahrhundert

Es ist erst den Orden zu verdanken, die, obwohl sie nicht lange exis­tierten, geregelte Duelle einführten. Sie waren auch die ersten, die die unbedingte Satisfaktion für ihre Mitglieder einführten. Man führte die sonst eher selten verwendeten Sekundanten ein und re­gelte die Art der Forderungen. Schriftlich festgehalten haben die Regeln aber erst die Corps, bzw. deren Vorgänger, die sich mit dem Untergang der Orden heraus bildeten. In den ersten um 1800 ge­schaffenen Paukkomments, gleichviel ob sie auf Hieb oder Stoß gehen, sucht man vergeblich nach Bestimmungen über Bandagen. Für diese Zeit gilt allgemein das, was der Jenenser Komment (noch um 1812) in folgende Worte fasst:


"Die Kleidung der Duellanten ist willkürlich. Man kann alle Kleider außer dem Rock anbehalten. Übertrieben dicke, stich­feste Kleider, z.b. lederne Hosen mit hohen Borden verziert sind verboten."


Es gilt also als selbstverständlich, dass man wie bisher in Alltags­kleidern ein­schließlich der gewöhnlichen Kopfbedeckung auf Mensur tritt. Gewöhnlich zieht man aber noch einen einfachen Lederhand­schuh an. Erst nach 1810 schützt man den Unterleib zusätzlich durch einen kurzen Schurz bis zum Nabel, mitunter schon in Corps­farben, und die Hälfte des Unterarmes durch eine stulpartige Ver­längerung des Handschuhs.


Abbildung 12: Stoßduell 19.Jahrhundert




Die Mensur wird sehr weit abgemessen, gewöhnlich so, dass sich die Stichblätter bei weitem Ausfall gerade noch berühren. Ihre Gren­zen werden hinter dem linken Fuß auf dem Boden markiert. Die Paukanten dürfen des Ganges aufrücken und bis zur Mensurgrenze zurückgehen. Auch die Mensur wurde jetzt etwas anders gemessen. So galt als „geschasst“ (chasser = fort­jagen), wer fünf Schritte hinter die Men­surlinie gedrängt worden war, oder nach einer anderen Version, wenn der Gegner den Paukanten so weit verdrängt hatte, dass er auf dessen Platz zu stehen kam.


Das etwas theatrali­sche Erheben der linken Hand fiel sehr bald weg. Sie wurde nun auf den Rücken gelegt. Angriffsobjekte sind nament­lich Rumpf, Oberarm und Oberschenkel, nicht der Kopf. Jeder An­schiss, d.h. jede Wunde in diesen Körperpartien, bei der sich die Drei­ecksform der Klinge abzeichnet, beendet die Partie, ohne Rück­sicht auf die Schwere der Verletzung. Fällt kein Anschiss, geht der Kampf auf 12 Gänge. Außer bei Unregelmäßigkeiten ist ein Gang beendet, wenn ein Stich mindestens die Kleidung des Geg­ners ge­troffen hat.



Abbildung 13: Mensur auf Stoß, Jena 1890




Unentschuldigtes Nichterscheinen beim Zwei­kampf hatte eine Rüge durch den gegnerischen Sekundanten zur Folge; kam es zum drit­ten mal vor, so verlor der Säumige das Recht auf Genugtuung, Zur Paukerei konnte jeder Kämpfer nach dem Jenaer Komment von 1812 zwei Zuschauer mitbrin­gen, außerdem war von jeder Lands­mannschaft ein Zeuge als Unparteiischer zugegen, der für kom­mentgemäßen Verlauf zu sorgen hatte. Anstelle dieser vielen Zeu­gen trat in Heidelberg seit 1821 ein einziger „Unparteiischer“ mit gleichen Be­fugnissen. Beim Zweikampf mussten Wind, Licht und Schat­ten ge­nau verteilt sein, ebenso hatten die Sekundan­ten für gleiche Waf­fen zu sorgen. In Heidelberg gab es auch schon vor 1820 einen ei­genen erfahrenen Paukarzt. Die beiden Sekundanten mussten Verbin­dungsstudenten sein.


A
bbildung 14: Abgefasst vom Universitätspedell - Jena 1890



Als Ort des Zweikampfes dienten Stuben von Studenten oder Kneipzimmer in und außerhalb der Stadt, auch im Freien oder in Burgruinen paukte man vielfach, selbst bei kaltem Wetter und Schnee. Zu Heidelberg war der Saal in der Hirschgasse als Men­surplatz berühmt, und die reisenden Engländer erzählten Schauer­märchen vom dortigen Treiben. Um der Aufmerksamkeit der Pedelle zu entgehen, richtete man einen regelrechten Sicherheitswachdienst ein, bei dem der „rote Schiffer“ eine Hauptrolle spielte.


Tödliche Verwundungen waren im Vergleich zu den zahllosen Zwei­kämpfen selten, gefährliche Verletzungen ka­men aber schon beim gewöhnlichen Stoßduell vor. In Breslau wird das Stoßfechten 1819 untersagt, in Jena 1840, nachdem dort zwischen Oktober und Weih­nachten 1839 acht „Lungenfuchser“ („Lungenweihe“) und zwei Tote bekannt geworden waren. Den letzten Toten bei einem Stoßduell gab es 1847 in München. Im Jahre 1845 wurde in Jena das letzte Stoßduell ausgefochten. Erlangen verlor die Stoßwaffe erst nach 1850 und in Würzburg fiel 1861 die letzte Stoßmensur vor.



Abbildung 15: Tübinger Mensur um 1831.

Partie auf Korbschläger zwischen dem Corps Franconia Tübingen (links mit den Farben moosgrün-rosa) und dem Corps Suevia Tübingen (rechts mit den Farben schwarz-weiß-rot).



1.5 Die Rückkehr zum Hiebfechten im 19. Jahrhundert

Das Erlernen des Stoßfechtens erforderte Zeit und Übung und an den verschiedenen Universitäten bildeten sich unterschiedliche Bräuche (Komment) aus. Der junge Student war dadurch oft im Nachteil. So ist es zu erklären, dass man als kommentgemäße Waffe zum Hieber zurückkehrte, der schon ab 1767 in Göttingen das Ra­pier und den Pariser verdrängt hatte und dort die einzig kom­mentgemäße Waffe war. Mit dem Hiebfechten, das Rapier und Pa­riser langsam verdrängte, entwickeln sich die verschiedenen Hieb­fechtwaffen, Schläger, Glo­ckenschläger und Säbel, und das studen­tische Fechten begann endgültig seine Sonderform anzunehmen. Der Korbschläger ent­stand aus dem Korbdegen, die Glocke aus dem Jenaer Stoßdegen. Warum an einigen Universitäten der Korb-, an anderen der Glo­ckenschläger heimisch wurde, ist noch ungeklärt. Als Faustregel gilt, dass östlich der Elbe Glocke gefochten wurde (Aus­nahmen: Rostock und Kiel) und westlich der Elbe Schläger ge­fochten wurde (Aus­nahmen: Halle und Leipzig). In Halle und an an­deren Universitäten herrschte der Glockenschläger, in Göttingen. Heidel­berg und an­derwärts der seit 1790 nachweisbare Korbschlä­ger. In Jena, Erlan­gen und Würzburg hielt man am längsten an der Stoß­waffe fest.



Abbildung 16: Schlägermensur im 19.Jahrhundert



Das Hiebfechten wurde durch den Göttinger Fechtmeister Christian Kastrop entwickelt. Er lehrte den Hieb so zu schlagen, dass man damit gleichzeitig den Hieb des Gegners parieren konnte. F. A. W. L. Roux führte diese Hiebschule zu höchster Blüte. Die Auslage, „Glacé“, wobei die Waffe im Gang mit waagrecht vorgehaltenem Arm geführt wurde (vgl. Säbelfechten), erinnert noch an den Über­gang vom Stoß- zum Hiebfechten. Die ursprünglich geschaffene Spitze konnte noch zum Stoß verwandt werden. Da es dabei jedoch zu töd­lichen Verletzungen kam, wurde um 1830 die Spitze allgemein ab­gerundet, wodurch der Hieber zur ausschließlichen Schlagwaffe, dem heutigen Schläger, wurde.



Abbildung 17: Hiebmensur in Würzburg um 1830



Typisch für die Bandage dieser Zeit der Leipziger SC-Komment von 1808:


"Die Duellanten sollen sich in runden Hüten, dickem Halstuch sowie in Unterhosen und dicken Beinkleidern schlagen. Auch ist ihnen gestattet, ein vier Finger breites Tuch um die plica cubiti (Ellenbogenfalte) zu binden. Das Hemd wird bis zur Hälfte des Oberarms aufgestreift. Der Handschuh soll ungefüt­tert sein."


Die Trefferfläche war anfangs noch Brust, Oberschenkel und Ober­arm des Gegners, aber nicht der Kopf. Dieser war durch den Pauk­hut (mit Drahteinlage oder aus Leder bzw. Napoleonshut, lederne Helme mit und ohne Schirm - wie bis in die letzte Zeit bei den deutsch-bal­tischen, estnischen, litauischen und polnischen Korpora­tionen - so­wie hohe Filz- und Zylinderhüte, ab 1825 auch große wattierte Schildmützen) geschützt. Als Hut wird anderwärts zumeist Stürmer getragen. In der Zeit von 1825 bis 1840 verdrängt die Mode, hier eher, dort später, den unförmi­gen Paukhut. An seine Stelle tritt zu­nächst die große Biedermeiermütze, und als diese im täglichen Le­ben ebenfalls unmodern geworden ist, die kleine ge­wöhnliche Corpsmütze.


Die Schutzbandagen wurden im Laufe der Zeit vermehrt und ver­bessert, die Leib- oder Paukbinde wurde durch die wattierte Pauk­hose (später abge­löst durch einen ledernen Pauk­schurz) ersetzt, der Beine und Leib bis zur Herzgrube deckte. Der Hals wurde durch ein Halstuches oder nasse Tücher, später durch eine steife Krawatte oder seidene Halsbinde geschützt. Der Arm wurde durch Seiden­binden oder durch einen Lederstulp geschützt, darüber kam schließ­lich ein lan­ger lederner Fechthandschuh. Aufrücken und Zurückge­hen ist gestattet.


Abbildung 18: Fechtschürze, Armstulpen und Filzmaske



Anschiss ist beim Hiebduell jede Wunde, die klafft. Oft wird noch eine bestimmte Länge gefordert. Die Forderung lautet auf eine be­stimmte Anzahl Gänge, mindestens sechs, in Heidelberg höchstens 12, in Jena dagegen bis zu 24, aber nicht mehr als 12 an einem Tage. Ein Gang ist - von besonderen Umständen abgesehen - be­endet, wenn der Gegner ir­gendwie, ob blutig oder nicht, getroffen wird.


Um 1840 wandelte sich abermals das Bild. Partien mit Mütze als Kopfschutz gelten nicht mehr als "schneidig", wiederum eine Folge der ständigen Vervollkommnung der Bandage. Zunächst wird im Wege der Einzelvereinbarungen auf eine Mütze verzichtet, dann fällt sie bei allen CB-Partien und schließlich auch bei allen Fuchsenpar­tien weg. Damit bietet sich zum ersten Mal der ganze Kopf dem Gegner an.



Abbildung 19: Mensur im Freien, Litographie um 1850



Nachdem kurz hintereinander zwei gefährliche Augenverletzungen vorgekommen waren, führte der Heidelberger Paukarzt Dr.Immisch, Corps Guestphaliae Jena (1857) die Pauk­brille ein. Die Mütze und der Hut, die ehemals die Augen schützen sollten, verschwanden damit mehr und mehr.


Abbildung 20: Paukbrillen aus dem Katalog einer "Studenten-Utensiien-Fabrik"



Mit der Entblößung des Kopfes sahen aber die Behörden wieder eine erhöhte Gefährdung durch die Mensur und gingen schärfer als bisher gegen das studentische Duell vor. In Jena wurde daraufhin 1877/78 zum Schein ein dünnes Seidenmützchen eingeführt, das mühelos durchschlagen werden konnte. Später wurde die Mensur mit einem Scheingang (Ehrengang) eröffnet, bei dem die Paukan­ten ihre nor­malen Mützen aufbehielten, die sie vor dem ersten scharfen Gang ablegten. Diese Sitte ist bis heute im Ehrengang er­halten ge­blieben.


Mit der Vermehrung der Bandagen war der Kopf schließlich zur al­leinigen Trefffläche geworden. Um ihn zu schützen, änderte sich die Fechtweise, die Hand mit dem Fechtarm ging nach oben, die Klin­genspitze nach unten, so dass mit Korb, Klinge und Arm pariert werden konnte. Die verhängte Auslage entstand, der Ausfall zum Treffhieb wurde unnötig, der Kampfabstand, die Mensur, wurde en­ger gezogen und auch der Rückzug vor einem Hieb des Gegners konnte entfallen. Der Mensurabstand muss im Hiebduell eine Klei­nigkeit kürzer als im Stoß­duell abgemessen werden, denn man muss ja den Gegner mit der Schneide der Waffe und nicht nur mit der Spitze treffen. Es wurde üblich, die Hiebe regulär zu erwidern. Die feste Stellung war geboren, der Oberkörper hatte seine Beweglich­keit verloren. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Bild der uns gewohnten Mensur.



Auch das Sekundantenwesen hatte sich verändert. Der Sekundant stand nun auf der Seite seines Paukanten und trug neben der Se­kundantenmütze anstelle eines Ziegenhainers ebenfalls einen Schläger. Häufig wurde aber noch barhäuptig sekundiert. Der Se­kundant konnte damit nur mit seinem Schläger Schutz geben, wo­durch sich das Sekundieren zu einer hohen Kunst entwickelte. Als Treffer („Anschiss“) galt eine Kommentmäßig entstandene, klaf­fende Wunde von mindestens 1 Zoll Länge.


Abbildung 21: Gang ohne Mütze 1910



Früher (Stoßfechten) zählte ein Gang bis zum ersten Treffer. Da nun die Verletzungen abnahmen, ließ man in der Zeit von 1840-1860 die Gänge fallen und zählte nach Mi­nuten (Forderung auf 15 oder 25 Minuten oder bis zur Abfuhr). Pausen über 30 Sekunden, gleichviel aus welchem Anlass, werden abgezogen. Auf allen Bildern dieser Zeit sieht man den Unpar­teiischen immer mit einer Uhr in der Hand. Um 1860 verschwindet jedoch diese Berechnungsart wieder. Später wurde vereinbart, dass eine Minute einer bestimmten Anzahl von Gängen entspricht. Daraus entstand die bis 1960 noch weitver­breitete Annoncierung einer Partie: „Silentium! Ich annonciere eine einfache Schlägerpartie mit Mützen und Sekundanten über 15 Minu­ten gleich 30 Gängen einschließlich 2 Ehrengängen.“


Die Wundversorgung, die bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts ent­sprechend den medizinischen Kenntnissen äußerst primitiv war und zum Eitern zahlreicher Wunden führte, erklärt, weshalb eine Partie beendet war, wenn ein Anschiss (eine 1 Zoll lange Wunde) saß. Genäht wurde nur ausnahmsweise, um den Sekretabfluss nicht zu behindern. Viele verletzte Paukanten litten an Wundfieber, hervor­gerufen durch das gefürchtete Erysipel (Wundrose, Rotlauf) und mussten zu Hause („im Korbe“) liegen, bewacht von den Bundes­brüdern.

Die Anti- und Asepsis, die Einführung der Sulfonamide und der Anti­biotika bannte auch diese mit dem Fechten verbundene Gefahr. Das Schlägerfechten ist heute ungefährlicher als die meisten anderen Sportarten.

Bei dem der Mensur zur Last gelegten Todesfall handelte es sich um eine nachträgliche Wundinfektion durch Auslaufen der schwar­zen Farbe der Wickelkopfhaube in starkem Regen, also um eine nach­trägliche Auswirkung der Mensur, die hätte vermieden werden kön­nen und heute bei der modernen Wundbehandlung auch ver­mieden wird.

Als ein für die äußere Erscheinung nötiges Merk­mal des Waffenstu­denten gal­ten in vielen Kreisen die sichtbaren „Schmisse“, die Na­rben der Mensur­wunden. Die Sehnsucht nach einem „Renommier­schmiss“ trieb im Jahr 1894 einen Jüngling dazu, einen Arzt in Zittau zu bitten, ihm einen solchen in der Narkose beizubrin­gen, da er trotz mehrfacher Men­suren kei­nen erhal­ten habe und doch gern einen besäße.


Die Zahl der Zweikämpfe war, da „klingenscheues Wesen“ als Schmach galt, meist sehr groß. Besonders blühte die Duellunsitte bei den Lands­mannschaften vor 1815. Eine 16 Mann starke Ver­bindung trug damals in vier Wochen allein über 200 Duelle aus, und im Sommer 1815 gab es an derselben Universität bei etwa 400 Studen­ten in einer Woche 147 Duelle. Um 1840 Jahre hatten in Heidelberg die älteren Burschen des Corps Suevia min­destens zehn, einige so­gar 40 bis 60 Mensuren hinter sich, und der damals dort wirkende Pauk­arzt zählte während seines vierundzwanzigjähri­gen Dienstes im ganzen 20.000 Mensuren.


Durch vermehrte und verbesserte Schutzmaßnahmen war die Schlägermensur immer ungefährlicher geworden, gleichzeitig stieg die Zahl der Partien stark an. Dennoch bestand keine Pflicht, sich ohne Anlass zu schlagen. So konnte es in den ersten Jahrzehnten der Corps durchaus vorkommen, dass Corpsstudenten von der Uni­versität abgingen, ohne scharf gefochten zu haben. Erst um 1840 wurde verlangt, dass der ins engere Corps zu Rezipierende womög­lich schon einmal auf Mensur gestanden habe. Nach gültigem Komment durfte jedoch nur nach erfolgtem Tusch (Beleidigung) ge­fochten werden, ein allzu häufiges Touchieren auf offener Straße oder im Lokal sollte aber auch vermieden werden. Um dennoch zu den gewünschten Partien zu kommen, wurden sogenannte Kontra­hierkneipen eingeführt oder es wurde im Anschluss an die SC-Kommerse kontrahiert. Der Fechtwillige suchte sich seinen Gegen­paukanten und touchierte ihn mit einer formalen Beleidigung. Diese Art des Fechtens hatte den Duellcharakter, das Nehmen und Geben von Genugtuung einerseits und die absichtliche ernsthafte bis tödli­che Verletzung des Gegners andererseits völlig verloren. Gefochten wurde nun weniger aus persönlichen Motiven, als vielmehr für die Sache des eigenen Corps. Man fand es wohl auch eines Corpsstu­denten unwürdig, einen anderen Menschen ohne Grund nur zu dem Zwecke zu beleidigen, um eine Schlägerpartie fechten zu können. So kam um 1855 in Fortentwicklung der Kontrahierkneipen der Be­stimmzettel auf, woraus sich unsere heutige Bestimmungsmensur entwickelte. Die beiden Parteien, später die Fechtchargierten, be­stimmten, wer gegen wen fechten sollte, ohne dass irgendeine Be­leidigung, sei sie auch nur formaler Art, vorausgegangen war.


Die Bestimmungsmensur (1858) wurde nun zu einem wesentli­chen Erziehungsmittel der schlagenden Verbindungen. Während man frü­her auf schneidiges Fechten Wert legte und möglichst viele Abfuh­ren „heraus beißen“ wollte, begann man jetzt darauf zu ach­ten, dass die Mensur technisch und moralisch einwandfrei durch­gepaukt wurde. Das Kopf wegnehmen und später auch das Reagie­ren auf einen Hieb wurde bestraft, und es kam nicht mehr so sehr darauf an, den Gegenpaukanten abzuführen, als elegantes und technisch hochste­hendes Fechten zu zeigen, und vor allem sich keine morali­sche Schwäche vor den Hieben des Gegners anmerken zu lassen. In die­sem Bestreben schoss man zunächst weit übers Ziel hinaus. Es bil­dete sich nach 1870 allmählich die Unsitte heraus, auf dem Mensur­tag kritische Anfragen über die technische und moralische Fecht­weise beliebiger Paukanten zu stellen. Darüber kam es natur­gemäß häufig zu Streitigkeiten, die bald untragbare Formen an­nahmen, so dass auf dem Kösener Kongress 1889 auf einen Vor­stoß von 33 corpsstudentischen Mitgliedern des preußischen Ab­geordnetenhauses hin diese Anfragen bei Strafe der Deprekation abgeschafft wur­den. Bis heute ist diese direkte Einmischung in die Mensurkritik eines anderen Bundes verpönt, wenn gleich bei lascher Mensurbeurteilung das Ansehen des betroffenen Bundes stark lei­det.



Abbildung 22: Entwicklung der Fechtwaffen (Säbel)


Mit der Einführung der Bestimmungsmensur hatte der Schläger sei­nen Charakter als Duellwaffe verloren. Anlässe und Gründe für Du­elle, Ehrbeleidigungen, blieben jedoch bestehen, sie wurden nun mit dem gebogenen Säbel, einer Waffe, die um 1830 aufkam, ausge­tragen. Das Duell galt damals überhaupt als das wichtig­ste Mittel, um den guten Ton unter den Musensöh­nen zu erhalten, und wurde deshalb eingehend im Komment behandelt.


Die Säbelpartie wurde in Glacé-Auslage mit waagerecht vorge­strecktem Arm ausgefochten. Während des Ganges konnte aufge­rückt werden, der Oberkörper behielt seine Beweglichkeit. Auch hier waren umfangreiche Schutzmaßnahmen getroffen worden, so dass ernstere oder gar tödliche Verletzungen ausgeschlossen waren. Hier blieben viele Charakteristika der frühen beweglichen Schlägermen­sur erhalten. Im Gegensatz zur Bestimmungsmensur bedurfte das Duell, die Säbelpartie, einer Genehmigung durch ein Ehrengericht. Wenn vor und nach der Jahrhundertwende das Säbelfechten in ein schlechtes Licht kam, so lag dies weniger an der Fechtart und den Paukanten, sondern an der mangelnden Verantwortung der amtie­renden Ehrengerichte.


Um 1870 setzt sich die von Dr.Immisch erdachte Paukbrille durch. Die Auslage wird weiter er­höht. Dies führt zur Notwendigkeit, die große Achselhöhlenschlagader des fechten­den Armes durch einen seidenen Axillarisknoten zu sichern. Die Mensur wird abermals en­ger und beträgt gemeinhin nur noch zwei Körbe (Glocken) plus einer Klingenlänge. Die Kreismensur ist verschwunden. Aufrücken ist nicht mehr gestat­tet. Es kam statt der Paukhose der Lederschurz auf, und einige Leder schützten besonders wichtige Teile, wie das Herz. Ein durch Verkettung unglücklicher Umstände vor­gekommener Stich in den Herzraum führt zur allgemeinen Ein­führung des Herzleders und später zu der Be­stimmung, dass die Klinge oben eine bestimmte Mindestbreite haben muss. Dagegen fiel die Kopfbedeckung weg, und nur in dem sinnlos gewordenen Ausdruck „Forderung auf oder ohne Mützen" hielt sich die Erinnerung an die alte Sitte.


Etwa seit 1870 entspricht die Schlägermensur in Stellung, Haltung und Handhabung der heute üblichen Mensur. Für das studentische Fechten drang als Kommentwaffe allgemein der Korb oder der Glockenschläger durch, das Säbelfechten ward vernachlässigt, und das Pistolenschießen erhielt nur ganz selten, z.B. in freistudentischen Abteilungen und einigen Turnvereinen, regelrechte Pflege. Bei der Mensur wurde der letzte Rest von Beweglichkeit in der Stellung beseitigt. Seit den vierziger Jahren begannen, zuerst in Norddeutschland, Regeln für Stellung, für Auslage und für Erwidern von Hieben üblich zu werden, und diese Entwicklung erreichte bei den Korps in den Siebziger und achtziger Jahren ihren Höhepunkt, und von 1870 bis 1890 übte sogar der Seniorenkonvent über die einzelnen Korps ein Aufsichtsrecht bezüglich ihres Verhaltens auf Mensur und konnte auf Anfrage hin Mensuren für ungenügend erklären. Noch bis etwa 1870 hatte man an der Ansicht festgehalten, dass es bei der Mensur vor allem darauf ankomme, die Hiebe des Gegners zu parieren und diesen durch feines, kunstgerechtes Fechten zu verwunden, womöglich „abzuführen“. Darum ermahnte man die Füxe auf dem Fechtboden, nicht bloß hauen, sondern auch parieren zu lernen: denn „geholzt“ sei nicht gefochten. Man schärfte ihnen ein, dass die Aufgabe eines guten Schlägers die sei, den Gegner zu zeichnen, und dass es eine Schmach wäre, wenn das Paukbuch der Korporation am Ende des Semesters eine Unterbilanz an ausgeteilten „Blutigen“ oder ein Plus an erlittenen „Abfuhren“ aufwies. Diesem Zweck entsprach denn auch die ganze Stellung des Paukanten und seine Fechtart. Der Korb lag wenig über Gesichtshöhe des Paukanten, die Spitze war stark nach unten geneigt, die linke Schulter wurde weit zurückgehalten. Man hielt den Gegner und jede seiner Bewegungen Scharf im Auge und suchte einerseits durch geschicktes Parieren und gedecktes Schlagen die Hiebe des andern abzufangen, andererseits suchte man dem Gegenpaukanten auf jede Weise eine Blöße abzugewinnen, um ihm einen Schmiss beizubringen. Man zog Hiebe an, man schlug Finten, man trat oder Sprang zur Seite und nach vorn. Alle Listen und Künste galten.

Seit den siebziger Jahren änderte sich die Fechtweise derart, dass es lediglich darauf ankam, ohne Rücksicht auf das Parieren und etwaige Blößen, die man sich dabei gab, möglichst rasch hintereinander und kräftig drauf loszuschlagen. Wurde ein Hieb nicht erwidert, so fragte der Gegensekundant an, und wiederholten sich solche Anfragen, so galt die Mensur als „ungenügend", und der betreffende Paukant wurde solange dimittiert, bis er sich durch eine Reinigungsmensur herausschlug. Die Folge war, dass die beiden Gegner auf „Los" in der Regel beide zugleich anschlugen, und dass oft der ganze Gang nur aus a tempo-Hieben bestand. Hinzu kam, dass der Paukant, wie fest gewurzelt an feinem Platze stand, kein Glied außer dem Handgelenk rührte und ohne mit der Wimper zu zucken, den Kopf oder das Gesicht der Klinge seines Gegners aussetzte.


Zusammenfassend hat sich vieles in der geschilderten Zeitspanne ereignet, die Schlägermensur ist orga­nisch gewachsen. Das studen­tische Fechten hat sich vom allgemeinen Fechtwesen gelöst und gesondert weiterentwickelt.

Die Mensur war ursprünglich noch recht unterschiedlich, eine rück­wärtige Linie oder eine Kreisli­nie durfte allerdings nie überschritten werden. Die Paukanten durf­ten innerhalb der Mensur vor- und zu­rückgehen bzw. im Kreise ro­tieren. Anfangs war der Abstand so groß, dass zum Treffhieb ein Ausfall­schritt nötig war. Es war nicht erforderlich, jeden Hieb zu er­widern, im Gegenteil gute Fechter pa­rierten mehrmals, bis sie die Blöße des Gegners erkannten und oft mit einem einzigen gezielten Hieb die Partie zu ihren Gunsten ent­schieden. Vom Degen (Hieb und Stich) über das Rapier (nur Stoß) zum Korb- bzw. Glocken­schläger wurde eine eigene studentische Waffe entwickelt. Durch die Kombination von Hieb und gleichzeitiger Parade verlor das Hiebfechten auch die letzte Gemeinsamkeit mit dem Stoßfechten. Der Komment regelt alle Anforderungen und löste das wilde Duell (Renkontre) ab. Real­injurien wurden durch Verbalin­jurien, diese durch Formalinjurien und diese schließlich durch Be­stimmzettel er­setzt.

Die Schutzausrüstung und die Wundversorgung wurden laufend und in hervorragendem Maße verbessert und vervollkommnet. Fecht­meister leiteten die Studenten an und überwachten das allgemeine Fechtniveau. Vom fechterischen Standpunkt betrachtet, mussten die Studenten, die Paukanten, aber auch Negativa in Kauf nehmen:



Wesentlichster Punkt der Wandlung ist der langsame Übergang vom ursprünglichen Duell zum ritterlichen Kampfspiel, losgelöst von Be­leidigung, Ehrenfrage und vom Zwang zu siegen. Hier, bei der stu­dentischen Mensur, gibt es keine Sieger und keine Besiegten, hier verliert nur derjenige, der von den fairen Regeln abweicht. Insbe­sondere die Corps hatten schon früh aufgehört, den Schläger als eine zur Austragung von Ehrenhändeln und zur Sühne wirklicher Be­leidigungen geeignete Waffe anzusehen. Die Schlägermensur wurde zum Selbstzweck und ist wesentliches Mittel zur Erziehung der Bun­desmitglieder geworden. Sie ist heute so gestaltet, dass je­der, ob groß, ob klein, ob sportlich oder unsportlich, ob schnell oder lang­sam, ob Linkser oder Rechtser das Schlägerfechten erlernen kann. Trotz aller schützender Bandagen gehört Mut dazu, auf Schlä­gerlänge dem Gleichgesinnten „Auge in Auge“ gegenüberzutreten und mit ihm die blanke Waffe zu kreuzen. Es gehört Fairness dazu, sich im Rahmen der vorgegebenen Regeln zu bewegen, und viel in­nere Ruhe und Konzentration will aufgebracht werden, um dem dro­henden Hieb des Gegners nicht auszuweichen. Dies soll auch so sein und gehört genauso zur Erziehung wie die beurteilende Kritik, die jeder Bursch über den Paukanten des eigenen Bundes abgeben muss. Das Eigenerlebnis der Mensur wird bei jedem Paukanten in­dividuell verschieden sein, aber es sind immer die Stadien, in denen die bundesbrüderlichen Bindungen wachsen und am innigsten emp­funden werden.


Abbildung 23: Mensur im Jahre 1968



1.6 Zur Geschichte der rechtlichen Beurteilung der Mensur

In der Frühzeit des studentischen Fechtens wechselte die Beurtei­lung der Universitätsbehörden, die in jener Zeit die richterliche Ge­walt über die Studenten ausübten, entsprechend den lokalen Gege­benheiten zwischen Verboten (Duelledikt in Wittenberg 1570, Je­nenser Duellmandat 1684) und Lenkung durch Anstellung privile­gierter Fechtmeister (Jena 1550, Rostock 1560). Bei ernster Gefahr für Leib und Leben nach Einführung des Stoßfechtens wurden erstmals Kriminalstrafen verhängt.


Mit der Einführung des Hiebschlägers (um 1800 beginnend) und dem Aufkommen des Bestimmzettels um 1860, mit dem bewussten Ver­zicht auf jede auch nur formale Beleidigung, war die Bestim­mungsmensur zu einem reinen Waffenspiel geworden. Trotzdem blieb, vor allem für Außenstehende, das Odium des Duells bis in die Mitte un­seres Jahrhunderts erhalten. Die Gründe dafür sind einsich­tig. Das Duell mit scharfen Waffen (Zweikampf mit tödlichen Waf­fen) stand schon immer unter Strafe. Die Entwicklung des studenti­schen Fech­tens vom Duell bis zur Bestimmungsmensur vollzog sich lang­sam und im Verborgenen, im Schosse der Korporationen selbst. Zudem vollzog sich diese Entwicklung an den verschiedenen Uni­versitätsorten sehr unterschiedlich.


Das deutsche Reichsgerichtsurteil von 1883 hatte ausdrücklich die Strafbarkeit der Mensur festge­stellt. Dieses Urteil bildete für 70 Jahre (ausgenom­men 1933—1945) die Grundlage für die rechtliche Bewertung der Mensur. Da die Entscheidung jedoch sehr umstritten ist und in der juristischen Fachliteratur nicht gebilligt wird, kommt es zu keiner entscheidenden Verfolgung der Fechtenden. Im Deut­schen Reich und in Österreich-Ungarn (bis 1916) galt es als Stan­despflicht der Offiziere, Ehrenangelegenheiten auch im Duell zu re­geln, und entsprechende Hand­bücher waren allgemein erhältlich.

Das Reichsgericht sah die Bestimmungsmensur als einen Zwei­kampf mit tödlicher Waffe an. Das Reichsgericht (RGSt. 8, 87; 60, 257) hat den geschaffenen Schläger „an sich, d. h. sofern auf die Waffe selbst gesehen wird“, als eine „tödliche Waffe“ angesehen. Es hat deshalb die Schlägermensur in den wenigen Fällen, die bis zu ihm gelangt sind, im Widerspruch zu der einheitlichen Auffassung der Rechtswissenschaft und der fast einheitlichen Praxis der Straf­verfolgungsbehörden und der unteren Gerichte als Zweikampf mit tödlicher Waffe bestraft.


In den gesetzlichen Bestimmungen über den Zweikampf (Reichs­strafgesetzbuch §§201-210) von ca. 1907 heißt es:


Die Herausforderung zum Zweikampf mit tödlichen Waffen, sowie die Annahme einer solchen Herausforderung wird mit Festungshaft bis zu sechs Monaten bestraft. Festungshaft von zwei Monaten bis zu zwei Jahren tritt ein, wenn bei der Herausforderung die Absicht, dass einer von beiden Teilen das Leben verlieren soll, entweder ausgesprochen ist oder ans der gewählten Art des Zweikampfs er­hellt. Diejenigen, welche den Auftrag zu einer Herausforderung übernehmen und ausrichten (Kartellträger), werden mit Festungshaft bis zu sechs Monaten bestraft. Die Strafe der Herausforderung und der Annahme derselben, sowie die Strafe der Kartellträger fällt weg, wenn die Parteien den Zweikampf vor dessen Beginn freiwillig auf­gegeben haben. Der Zweikampf wird mit Festungshaft von drei Mo­naten bis zu fünf Jahren bestraft. Wer seinen Gegner im Zweikampf tötet, wird mit Festungshaft nicht unter zwei Jahren, und wenn der Zweikampf ein solcher war, welcher den Tod des einen von Beiden herbeiführen sollte, mit Festungshaft nicht unter drei Jahren bestraft. Ist eine Tötung oder Körperverletzung mittels vorsätzlicher Übertre­tung der vereinbarten oder hergebrachten Regeln des Zweikampfes bewirkt worden, so ist der Übertreter, sofern nicht nach den vorher­gehenden Bestimmungen eine härtere Strafe verwirkt ist, nach den allgemeinen Vorschriften über das Verbrechen der Tötung oder der Körperverletzung zu bestrafen. Hat der Zweikampf ohne Sekundan­ten stattgefunden, so kann die verwirkte Strafe bis um die Hälfte, je­doch nicht über fünfzehn Jahre erhöht werden. Kartellträger, welche ernstlich bemüht gewesen sind, den Zweikampf zu verhindern, Se­kundanten, sowie zum Zweikampf zugezogene Zeugen, Ärzte und Wundärzte sind straflos. Wer einen Anderen zum Zweikampf mit ei­nem Dritten absichtlich, insbesondere durch Bezeigung oder Andro­hung von Verachtung anreizt, wird, falls der Zweikampf stattgefun­den hat, mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft.“


In der Studentenschaft bestand der scharfe Gegensatz zwischen schlagenden und nicht schla­genden Verbindungen. Auch hier brachte der Erste Weltkrieg einen Wandel. Die schlagenden Studen­ten mussten erkennen, dass die Duellverweigerer deswegen nicht feig waren, und die nicht schlagen­den mussten erfahren, dass auch schlagende ausge­zeichnete Kameraden sein konnten. Erst dieser Generation der Kriegsteilnehmer gelang es, einen Ausgleich anzu­streben. Im Jahr 1921 kamen das Erlanger Verbände-Abkom­men und das Erlanger Ehren-Ab­kommen zustande (beide Abkom­men galten auch für Österreich). Darin erklärten 21 Korporationsver­bände, welche die unbedingte Satisfaktion forderten, gegenüber 9 Verbänden, welche die Austragungen von Ehrenangelegenheiten mit der Waffe ablehnten, dass es nicht unehrenhaft ist, ein Duell zu verweigern (an dessen Stelle ein ehrengerichtliches Verfahren trat). Sie gaben damit den Anspruch auf Allgemeingültig­keit ihres Satis­faktionsstandpunktes auf.


Häufig war das Mensurfechten oder auch schon das Pauken verbo­ten und wurde von der Obrigkeit verfolgt. 1925/1926 wurde im Deut­schen Reichstag der Entwurf zu einem neuen Strafgesetz­buch bera­ten. Welcher für die Bestimmungsmensuren drakonische Stra­fen vorsah. So standen drei Studenten der TH Stuttgart und der Hoch­schule Hohenheim wegen Zweikampfes vor Gericht. Sie wur­den zur gesetzlichen Mindeststrafe von drei Monaten Festungshaft verurteilt, weil sie als Mitglieder einer schlagenden Studentenver­bindung Mensuren gefochten hatten. Staatsanwalt und Richter, die selbst Mitglieder schlagender Verbindungen waren, bedauerten ausdrück­lich der Rechtssprechung des Reichsgesetzes folgen zu müssen.


Im STGB - Entwurf von 1927 wird die Mensur für straffrei erklärt, wenn lebensgefährliche Verletzungen ausgeschlossen sind.


Im Jahr 1933 wurde das Verbändeabkommen zwar aufge­hoben, das Ehrenabkommen galt aber weiter. Der STGB - Entwurf von 1927 wurde im Jahr 1933 rechtskräftig und das Mensurverbot aufge­hoben und 1935 sogar ein eigener § 210a in das deutsche Strafgesetzbuch eingefügt, dass Schläger­mensuren straflos seien. Durch das Kon­trollratsgesetz Nr. 11 wurde aber dieser § 210a aufgehoben.

Im Jahr 1935 kam es in Leipzig zu einem offiziellen Duell, als ein Universitätsprofessor einen SA-Führer we­gen dessen „politisch mo­tivierter Angriffe“ auf einen Klinikchef auf schweren Säbel forderte — und nach 3 ½ Minuten „abstach“.

Noch nach Auflösung der Korporationen wurde im April 1937 an Stelle der Säbelmensur zur Regelung von Ehren­angelegenheiten die Sprungmensur eingeführt, über deren Zulässigkeit ein Ehrenrat unter Vorsitz eines Richters zu entscheiden hatte. Das Prinzip der unbe­dingten Genugtuung mit der Waffe wurde für alle Studenten obliga­torisch erklärt und der leichte italienische Säbel eingeführt, was eine freie Fechtweise nötig machte. Dabei ging man aber nicht so weit wie in Österreich, wo die Säbelduelle ohne örtliche und zeit­liche Be­schränkung und unter Verwendung geringster Schutzmittel ausge­tragen wurden. Ob es tatsächlich zu einer derartigen Mensur kam, ist nicht bekannt, da schon im August 1937 vom Reichsstu­dentenführer Bestimmungsmensuren untersagt wurden. Im Jahr 1938 wurde der Zwei­kampf auch am Reichsparteitag offiziell abge­lehnt.


Nach dem zweiten Weltkrieg ist die unbedingte Satisfaktion mit der Waffe in Österreich nicht ganz aufgegeben worden. Nach 1945 ver­boten die Besatzungsbehörden jedes studentische Verbindungswe­sen. Mit der Zeit entstanden aber wieder die Studen­tenverbindungen - trotz heftigen Widerstandes der Hochschulrektoren und der links gerichteten Parteien.


Zwei Beschlüsse der Frankfurter Universität vom Jahre 1951 und 1953 nach denen das Mensurschlagen verboten worden war, wur­den vom dortigen Verwaltungsgericht für rechtswidrig erklärt.

Ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 29. Januar 1953 bestätigt, dass die studentische Schlägermensur kein Zweikampf mit tödlicher Waffe und somit nicht rechtswidrig ist. Der Bundesgerichtshof hat unter klarer Erkennung der geschichtlichen Gegebenheiten der Schlägermensur in unserem Rechtsstaate die Stellung gegeben, die ihr zusteht. Der V. Strafsenat des Bundesgerichtshofes hat 1953 in der Strafsache gegen den Corpsstudenten von Studnitz Corps Bre­mensiae einen Freispruch (BGH ST 4/24) gefällt. Er hat dabei in der Begründung u. a. ausgeführt: „Mit Recht ist das Landgericht der Auf­fassung, eine Bestimmungs- oder Verabredungsmensur, bei der le­bensgefährliche Verletzungen durch Kampfregeln und - diesen Kampfregeln entsprechend - durch besondere Schutzmaßnahmen mit Sicherheit ausgeschlossen werden, sei kein Zweikampf mit töd­lichen Waffen im Sinne der §§ 201 bis 210 StGB. Auf die Frage, ob man eine solche Mensur überhaupt als Zweikampf bezeichnen kann, braucht hier nicht eingegangen zu werden, denn das Strafge­setzbuch kennt nicht den Begriff des Zweikampfes schlechthin, son­dern nur den Zweikampf mit tödlichen Waffen“.

Der Senat hat auch einen Sittenverstoß im Sinne des § 266a StGB verneint: „Als Verstoß gegen die guten Sitten kann deshalb in die­sem strafrechtlichen Sinne nur das angesehen werden, was nach dem Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden zweifellos krimi­nell strafwürdiges Unrecht ist. Das ist bei der Bestimmungs­mensur nicht der Fall. Auch unter ihren Gegnern be­finden sich an­gesehene Persönlichkeiten, die sie aus den verschie­densten Grün­den nicht mit krimineller Strafe bedroht sehen wollen. Es kann nicht die Rede da­von sein, dass alle billig und gerecht Denkenden über die Sittenwid­rigkeit der Bestimmungsmensur ei­nig seien. Demge­mäss kann der Angeklagte auch nicht wegen Körperverletzung bestraft werden“.


Im Jahr 1953 gaben die Vertreter waffenstuden­tischer Verbände gegenüber dem deutschen Bundes­präsidenten die feierliche Erklä­rung ab, dass der Grundsatz der unbedingten Satisfaktion nicht mehr die Austragung eines Zweikampfes mit der Waffe erfordere, sondern „dass jeder Korporationsange­hörige, der für sein Tun und Unterlas­sen verant­wortlich gemacht wird, sich einem Schiedsrichter unter­werfen muss und bei unehrenhaftem Verhalten mit Bestrafung und Ausschluss zu rechnen hat“. Zur Unterstreichung dieser Wand­lung kam die Bezeich­nung „Sportmensur“ auf, obwohl keine Höchst­leistungen angestrebt werden.


Entsprechend der gewandelten Mensurauffas­sung kamen die men­surschlagenden Verbände 1956 überein, dass Pro-Patria-Suiten zur Austragung von Ehrenstreitigkeiten zwischen Korporationen unzu­lässig sind, und der KSCV stellte 1957 ausdrücklich fest, dass die Vorschriften über die Satisfaktion mit der Waffe nach dem Krieg nicht wieder in Kraft getreten sind und kein Ehrengericht auf die Austra­gung einer Ehrenstreitigkeit mit der Waffe erkennen dürfe.


Das klare Urteil des höchsten bundesdeutschen Gerichtshofes nahmen die Senate mancher deutscher Hochschulen zunächst nicht zur Kenntnis. So verlangte die Freie Universität Berlin trotzdem von ihren Studenten die unterschriftliche Bestätigung eines Reverses, dass es „mit der Zugehörigkeit zur Freien Universität nicht vereinbar sei, einer Vereinigung anzugehören, die ... oder Mensuren schlägt“. Ein Weinheimer Corpsstudent strich die Worte „oder Mensuren schlägt“ und unterzeichnete den Revers mit dem Zusatz: „Hiermit erkläre ich, dass mit der Kenntnisnahme des entsprechenden Se­natsbeschlusses nicht seine Rechtmäßigkeit anerkannt wird“.

Von der Universität, die in ihrem Namen den Zusatz „Freie“ führt, wurde daraufhin die Immatrikulation des Studenten abgelehnt. Die von dem Studenten gegen diesen Bescheid erhobene Verwaltungs­klage hat vor dem Verwaltungsgericht Berlin, dem Oberverwal­tungsgericht Berlin und in letzter Instanz vor dem Bundesverwal­tungsgericht (Urteil vom 24. Oktober 1985) Erfolg gehabt. In dem Urteil (BVerwG 7, 125 und 7, 287) heißt es u. a.: „Mit Recht habe aber bereits das Oberverwaltungsgericht verneint, dass das Mensu­renschlagen strafbar oder sittenwidrig sei. Auch das Bundesverwal­tungsgericht sehe keine Veranlassung, von der Auffassung des Bundesgerichtshofes abzuweichen und auf dem Gebiete des Ver­waltungsrechts einen Tatbestand als strafbare oder sittenwidrige Handlung zu werten, dessen Strafbarkeit das hierfür zuständige Bundesgericht wegen Fehlens der Sittenwidrigkeit mit überzeugen­den Gründen verneine“.


Die weiteren Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichtes zu der Frage, ob das Mensurenschlagen als Verletzung der akademischen Disziplin der Studenten zu betrachten sei, sind von außerordentli­cher Wichtigkeit für die Erhaltung der akademischen Freiheit auf unseren Hochschulen: „Auch wenn die private Lebenssphäre eines Studenten in den Bereich des besonderen Gewaltverhältnisses, dem der Stu­dent unterworfen werde, einzubeziehen sei, so könne dies nicht dazu führen, dem Studenten innerhalb seines persönlichen Lebensberei­ches die Ausübung seiner vom Grundgesetz garantier­ten Rechte zu schmälern, solange sie sich innerhalb der allgemei­nen Rechts- und Sittenordnung halte. Die Universität sei daher nicht berufen, Ord­nungen aufzurichten, die sich nicht in den Rahmen ihrer Aufgabe und der damit verbundenen grundgesetzlichen Bindungen einfügen lie­ßen“.

Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes (BVerwG 103.65) im Zu­sammenhang mit der offiziellen Zulassung mensurenschlagender Korporationen erging im Streit der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt/Main gegen die Alte Prager Landsmann­schaft Hercynia im CC und führte zum gleichen positiven Ergebnis. Ebenso konnte eine Beanstandung der Bundeswehrhochschule Hamburg „Mensuren fechtende Soldaten würden Selbstverstümme­lung bege­hen“ zurückgewiesen und zurechtgerückt werden.



Abbildung 24: "Mensur auf Schläger" Leibziger Schlägermensur Han­sea Leibzig gegen Grimensia, 1909/10



Mit diesen klaren Urteilen unserer höchsten bundesdeutschen Ge­richte dürfte der rechtliche Streit über die Strafbarkeit und die diszip­linäre Ahndung unserer Schlägermensur ein für alle Mal been­det sein.


Kirchenrechtlich galt aus katholischer Sicht die Bestimmungsmensur ebenfalls als Duell und zog die Exkommunikation nach sich. Nachdem 1918 das neue Gesetzbuch der katholi­schen Kirche, der Codex Juris Canonici, in Kraft getreten war, wurde 1925 neuerlich an die Konzils­kongregation eine Anfrage betreffend die Strafbar­keit von Mensuren gerichtet. In der Antwort wurde jedoch das kirchliche Ver­bot von 1890 bekräftigt. Nach der neuesten Fassung des codex juris canonici (1983) steht die Bestimmungsmensur auch offiziell nicht mehr unter kirchlicher Strafandrohung, da sie nicht mehr als Vorbe­reitung zum Duell anzusehen ist, und wenn keine Gefahr schwerer Verletzungen besteht. Sie wird aber nach wie vor kirchli­cherseits als sittlich verwerflich angesehen.













Die

Dachverbände


2 Schlagende und nicht schlagende Verbindungen

In der Regel gehören die studentischen Verbindungen einem Dach­verband an. Der Dachverband soll gleichartige Verbindungen mit denselben Inte­ressen vereinen. Allerdings sind auch innerhalb eini­ger Dach­verbände die Unterschiede zwischen den Verbindungen recht groß.

Wichtig sind oft auch die Unterschiede zwischen den Hochschulor­ten. An geisteswissenschaftlich orientierten und alten Universitäten sind die Verbindungen oft traditioneller orientiert als an technischen und jungen Hochschulen. Bei den studentischen Verbindungen ist ein Unterscheidungsmerkmal, ob eine Verbindung Bestimmungs­mensuren schlägt oder nicht. Bei schlagenden Verbindungen kom­men noch die Unterschiede von Ort zu Ort im Fechtkomment hinzu. Die ge­nauen Entstehungsgründe des Status fakultativ schlagend oder nichtschlagend können dabei bei den einzelnen Verbänden sehr un­terschiedlich sein.


Pflichtschlagend bedeutet, dass der Bund von jedem Mitglied das Schlagen einer bestimmten Mindestzahl von Mensuren verlangt. Die Verbindungen in den folgenden Verbänden sind farbentragende und pflichtschlagend:


  • CC

Coburger Convent Akademischer Landsmann­schaften und Turnerschaften

  • CDC

Conservativer Delegierten Convent der fachstudentischen Burschenschaften in Östereich

  • ÖLTC

Österreichischer Landsmannschafter- und Turnerschafter-Convent

  • DBÖ

Verband der Akademischen Burschenschaften in Österreich

  • KSCV

Kösener Senioren-Convents-Verband

  • SAT

Schweizerische Akademische Turnerschaft

  • SWR

Schweizerischer Waffenring

  • WSC

Weinheimer Senioren-Convent



Fakultativ schlagend (oder auch freischlagend) heißt, dass es die Verbindung ihren Mitglieder freistellt zu fechten bzw. dass der Ver­band seinen Mitgliedsbünden das Fechten freistellt. In der Praxis kann dies von "praktisch pflichtschlagend" über "ab und zu fechten" bis "praktisch nichtschlagend" gehen. Früher war noch die Frage "satisfaktionsfähig" von Bedeutung, d.h. eine Verbindung lehnte die Bestimmungsmensur ab, war aber bereit, Ehrenstreitigkeiten auf dem Wege der Mensur zu bereinigen. Die folgenden Verbände sind fakultativ schlagend d.h. Mensurfreistellende und farbentragende Verbände:


  • BDIC

Bund Deutscher Ingenieur-Corporationen-Kor­porationsverband an deutschen Hochschulen

  • BdST

Bund deutscher Studenten

  • BPhV

Baltischer Philisterverband

  • DB

Deutsche Burschenschaft (seit 1971 fakultativ)

  • DS

Deutsche Sängerschaft (Weimarer CC)

  • H

Schweizerische Studentenverbindung Helvetia

  • KAJC

Kongress Akademischer Jagdkorporationen

  • MK

Marburger Konvent studentischer Verbindun­gen

  • MSC

Mittweidaer Senioren Cartell zu Bingen

  • NCTC

Nürnberger Convent Technischer Corporatio­nen

  • NeueDB

Neue Deutsche Burschenschaft (Pflichtpauken bis zur Mensurreife) seit 1996

  • PSC

Passauer Seniorenconvent

  • WJSC

Wernigeroder Jagdkorporationen-Senioren-Convent

  • W.S.C.

Wiener Senioren-Convent



Nichtschlagend sind Bünde, die dem Mensurfechten ablehnend ge­genüberstehen, teilweise aus religiösen Gründen (katholische Ver­bände) oder aus anderen Gründen. Die folgenden Verbände sind nichtschlagend und farbentragend:


  • AGÖ

Akademische Gildenschaft in Österreich

  • ASB

Abstinente Schweizerische Burschen­schaft

  • BK

Bremgartenkartell

  • CNK

Convent Nautischer Kameradschaften

  • CV

Cartellverband der Katholischen Deut­schen Studentenverbindungen

  • ÖCV

Cartellverband der Katholischen Österrei­chischen Studentenverbindungen

  • DCEC

Delegierten-Convent Europäischer Corpora­tionen

  • DG

Deutsche Gildenschaft

  • DWV

Deutscher Wissenschafter-Verband

  • FB

Falkensteinerbund

  • KÖL

Akademischer Bund Katholisch-Österrei­chischer Landsmannschaften

  • K.html

Kyburgia-Kartell

  • RKDB

Ring Katholischer Deutscher Bur­schenschaften

  • RKAB

Ring Katholischer Akademischer Burschen­schaften

  • RVC

Rotenberger Vertreter-Convent

  • SB

Schwarzburgbund

  • SBL

Société Belles-Lettres

  • SKI

Schweizer Kartell Industria

  • SSt

Société Stella Helvetica

  • StV

Schweizerischer Studentenverein

  • TCV

Technischer Cartell-Verband

  • VCS

Vereinigung christlicher farbentragender Stu­dentinnen in Österreich

  • VSV

Verband süddeutscher Verbindungen

  • WB

Wingolfsbund

  • WK

Wartburg-Kartell

  • Z

Schweizerischer Zofingerverein (Zofin­gia)


Die folgenden Verbände (schwarze Verbände) sind nichtschlagend und Farben freistellend:


  • ARB

Akademischer Ruderbund

  • ATB

Akademischer Turnbund

  • ATBÖ

Akademischer Turnbund in Österreich

  • FGT

Federazione Goliardica Ticinese (Tessiner Goliarden-Bund)

  • IDAFLIEG

Interessensgemeinschaft Deutscher Akademi­scher Fliegergruppen

  • KV

Kartellverband der Katholischen Deut­schen Studentenvereine

  • ÖKV

Kartellverband der Katholischen Österrei­chischen Studentenvereine

  • MR

Miltenberger Ring

  • MWR

Miltenberg-Wernigeroder Ring

  • PC

Präsidialconvent

  • SV

Sondershäuser Verband Akademisch-Musika­lischer Verbindungen

  • UV

Unitas-Verband der wissenschaftlichen katho­lischen Studentenvereine

  • UVÖ

Unitas in Österreich

  • VASV

Verband der Akademischen Segler-Vereine

  • VVDST

Verband der Vereine Deutscher Stu­denten (Kyffhäuserverband)


Bei den Verbänden der Schülerverbindungen wird gleichfalls zwi­schen schlagenden (in der Regel Pennälersäbel) und nichtschla­genden Verbänden unterschieden:


Die folgenden Verbände von Schülerverbindungen sind schlagend:

  • APR

Allgemeiner Pennälerring

  • LDC

Landesdelegierten-Convent Kärnten

  • ÖPR

Österreichischer Pennälerring

  • PSC

Passauer Seniorenconvent

  • RSC

Rudelsburger Senioren-Convent


Die folgenden Verbände von Schülerverbindungen sind nicht schla­gend:


  • BK

Bremgartenkartell

  • FAC

Fränkischer Absolventen-Convent

  • MKV

Mittelschüler-Kartell-Verband

  • PKB

Pennäler Kartell Baden

  • SKI

Schweizer Kartell Industria

  • StV

Schweizerischer Studentenverein

  • VfM

Verband farbentragender Mädchen

  • Z

Schweizerischer Zofingerverein (Zofin­gia)


Die Dachorganisationen sind zum Teil erneut in Verbänden organi­siert:

  • EKV

Europäischer Kartellverband christlicher Stu­dentenverbände

  • CDA/CDK

Convent Deutscher Akademikerver­bände/Kor­porationsverbände

  • AaV

Arbeitsgemeinschaft akademischer Ver­bände (CDA, CDK und CV, KV, UV)

  • AGV

Arbeitsgemeinschaft katholischer Ver­bände (CV, KV, RKDB, TCV und UV, sowie HAG, ND und OSCO)

  • AGA

Arbeitsgemeinschaft Andernach mensurbeflis­sener Verbände (CC, DB, DS, KSCV und WSC)



Die folgende tabellarische Übersicht der Daten zu den Dachverbän­den entstammt dem Heft 1 der Schriftenreihe des CDK/CDA: Vielfalt und Einheit der deutschen Korporationsverbände ISBN 3-9803220-0-9, Stand 1992


Dach-verband

aktive Ver­bindungen

Aktive und In­aktive

Alte Herren

Schlagen von Men­suren

Tragen von Farben

Aufnahme von Da­men

ATB

44

725

4258

Nein

Nein

Teilw.

BDIC

41

516

4268

Teilw.

Ja

Nein

BdSt

7

70

650

Teilw.

Ja

Nein

CV

122

5613

26472

Nein

Ja

Nein

CC

104

1951

12128

Ja

Ja

Nein

DB

128

2280

18960

Teilw.

Ja

Nein

DG

8

65

530

Nein

Ja

Ja

DHB

8

84

433

Teilw.

Ja

Nein

DS

28

600

3500

Teilw.

Ja

Nein

DWV

3

40

770

Nein

Ja

Ja

KV

85

2215

18100

Nein

Nein

Nein

KSCV

100

2682

14600

Ja

Ja

Nein

MK

13

340

2400

Teilw.

Ja

Nein

MWR

16

250

2400

Nein

Nein

Ja

NCTC

5

67

784

Teilw.

Ja

Nein

RKDB

9

150

1400

Nein

Ja

Nein

SB

24

378

2827

Nein

Teilw.

Ja

SV

29

660

4000

Nein

Nein

Teilw.

TCV

16

300

1700

Nein

Ja

Nein

UV

51

1000

8000

Nein

Nein

Nein

VVDSt

36

600

4000

Nein

Nein

Nein

WB

32

671

3922

Nein

Ja

Nein

WK

1

17

220

Nein

Ja

Nein

WSC

64

1800

7539

Ja

Ja

Nein

WJSC

14

200

400

Teilw.

Ja

Nein

Summe

988

23274

144261




1985

885

23304

155333




1975

920

38149

155532




1965

1024

54638

165948




1955

818

29918

140161




1929

1138

55552

146915




1914

891

30000

100000





Mehrfachmitglieder wurden in der Statistik berücksichtigt.

Abbildung 25: Verbreitung studentischer Korporationen













Die

Bestimmungsmensur

3 Die Bestimmungsmensur

Die verschiedenen Komments (Bräuche) der Hochschulorte sollen hier in einer zusammengefassten Form dargestellt werden. Auf mög­liche Abweichungen in den Komments soll hingewiesen werden. Diese Zusammenstellung ersetzt nicht die jeweiligen Komments sondern soll nur das Verständnis für die jeweiligen Variationsmög­lichkeiten der Fechtregeln an den einzelnen Hochschulorten fördern.


Durch die Wiedervereinigung wurden an vielen Hochschulorten in den neuen Bundesländern der Mensurbetrieb wieder eröffnet. Die Vielfalt der Komments hat sich dadurch weiter erhöht. Weitere Va­riationen werden in Österreich und der Schweiz gefochten. Die neuen Komment’s im In- und Ausland wurden nicht gewürdigt.


Die Komments sind in ihrem Umfang sehr unterschiedlich. Nicht jede Selbstverständlichkeit („der gelebte Komment“) wird festge­schrieben.


Aufgrund der zum Teil erheblichen Unterschiede in den Komments ist rechtzeitig vor einer Partie ein fremder Komment gründlich zu studieren.


3.1 Allgemeine Grundsätze

3.1.1 Zweck der Mensur

Die Mensur dient ausschließlich dem Zweck, den Zusammenhalt der Mitglieder einer Verbindung untereinander zu fördern, die Mitglieder in Ritterlichkeit und Selbstbeherrschung zu schulen und ihre Selbst­achtung und die Achtung vor dem Gegenpaukanten zu fördern, so­wie die Paukanten durch Aufsichnahme der mit der Mensur ver­bundenen Belastung für die Gemeinschaft der Verbindungsmitglie­der auf die Übernahme von Verantwortung für die Gesellschaft ins­gesamt vor­zubereiten.


Die Mensuren dürfen nicht zur Austragung von Ehrenhändeln mit ernsthaften Hintergrund gefochten werden. Ernsthafte Gründe dür­fen nicht zu einer Mensur, einer PC oder einer PP-Suite führen. Zur Klä­rung von Ehrenangelegenheiten stehen andere Wege offen (Schiedsge­richt oder Ehrengericht oder Hausverbote oder Kündi­gung eines Verhältnisses oder ein zivilgerichtliches Verfahren). Nach einer kom­mentmäßig abgeschlossenen Mensur sind alle Gründe, die zur Mensur (PP-Suite oder PC) geführt haben bereinigt. Zum Zeichen, dass dies der Fall ist, sollten sich die Kontrahenten z.B. nach der Mensur die Hand reichen und gemeinsam ein Bier trinken bzw. sollten die Bünde eine gemeinsame Kneipe schlagen.


Abbildung 26: Mensur Ex



3.1.2 Zweck der Komments

Die Komments enthalten diejenigen Bestimmungen, welche für die Angehörigen der deutschen Universitäten und Hochschulen bei leichten Mensuren (Bestimmungsmensuren) maßgebend sind.


Zweck der Komments ist es, den Meinungs- und Gedankenaus­tausch der Mitglieder eines Waffenringes an einem Hochschulort zu fördern, Streitigkeiten zwischen ihnen beizulegen und Regeln für die Durchführung von Mensuren festzulegen.


Die Komments verfolgen und definieren Schutzziele, um unnötige Risiken für Leib und Leben der Paukanten und des Mensurteams bis auf das Restrisiko zu verhindern. Tödliche Verletzungen oder dauer­hafte Schädigungen der Beteiligten sind unbedingt auszuschließen. Ein kommentwidriges Verhalten wird daher zur Sicherung dieser Schutzziele verfolgt und geahndet.


Heutzutage gelten die Komments nicht für schwere Mensuren (Du­elle) mit dem Säbel oder der Pistole.


3.1.3 Die Gleichwertigkeit der Gegner

Grundsätzlich ist der Fechtchargierte dafür verantwortlich, dass gleichwertige Gegner (Größe, Gewicht, Schnelligkeit, Können) bei der Bestimmungsmensur gegeneinander antreten.


In einigen Hochschulorten (z.B.: Aachen) müssen Füxe und Bur­schen auf der Fechtwartsitzung vorpauken.


3.1.4 Der Ort der Mensur

Der Ort der Mensur ist durch Vereinbarung der Parteien zu bestim­men und ist unbedingt einzuhalten, sofern nicht zwingende Gründe dieses verbieten.


Der Mensurplatz ist ein geschlossener Raum oder ein Platz im Freien von mindestens 25 Schritt im Durchmesser.

3.1.5 Der Beginn der Mensur

Die Zeit der Mensur ist durch Vereinbarung der Parteien zu bestim­men und ist unbedingt einzuhalten, sofern nicht zwingende Gründe dieses verbieten.


Der einzelne Paukant erscheint „eingepellt“ zusammen mit seinem Mensurteam nicht früher als 15 min und nicht später als 10 min vor der Zeit auf dem Mensurboden. Die Paukbrille wird erst direkt vor der Mensur gesetzt.


Abbildung 27: Das Mensurteam, Postkarte der Landsmannschaft Hercynia Jenensis et Hallensis



3.1.6 Die außerordentlichen Mensurtage

Außerordentliche Mensurtage sind solche, die nicht schon vor Se­mesterbeginn feststanden.


In Bonn und zum Beispiel auch in Ham­burg haben Vertreter des präsidierenden Bundes des Waffenringes teilzunehmen.


3.1.7 Das Warten auf die Gegenseite

Keine Partei braucht auf die Gegenseite länger als eine halbe Stunde (in Freiburg 1 Stunde) zu warten. Ist nach dieser Zeit die an­dere Korporation nicht erschienen, so gilt dies als Antrittsverweige­rung.


3.1.8 Die Absage der Mensur

Mensuren können nur aus zwingenden Gründen abgesagt werden; die Absage ist nur bis 24 Stunden vor dem Mensurtag zulässig, falls nicht unvorhergesehene Hindernisse eintreten, andernfalls muss ein Ersatzpaukant gestellt werden.


Die Paukanten müssen vor ihrer Erstmensur auf ihre Mensurtaug­lichkeit von einem Arzt untersucht werden. Mit venerischen Krank­heiten behaftete Paukanten dürfen nicht zugelassen werden d.h. die Mensur muss vom Paukarzt abgesagt werden.


In Gießen kann eine Bestimmungsmensur abgesagt werden, wenn PP- oder PC-Mensuren nachträglich zustande kamen. Die PP- und PC-Mensuren haben Vorrang.


3.1.9 Die Korona

3.1.9.1 Allgemeines

Die Aufsicht am Mensurplatz führen die jeweiligen Fechtchargierten oder der Waffenringpräside. Wer den Aufforderungen der Aufsichts­führenden zuwiderhandelt, kann vom Mensurplatz verwiesen wer­den. Während der Mensur ist den Anordnungen des Unparteiischen Folge zu leisten.


Auf dem Mensurplatz herrscht Burgfrieden. Beleidigungen auf dem Mensurplatz müssen sofort mit dem Ausdruck des Bedauerns zu­rückgenommen werden.


Die Korona hat sich etwa eine halbe Stunde vor Beginn der ersten Mensur zu versammeln. In Freiburg ist festgelegt, dass sich die Ko­rona so aufzustellen hat, dass die Mensur nicht behindert wird.


3.1.9.2 Das Silentium

Während des Silentiums herrscht strikte Ruhe. Die Korona hat sich jeglicher merklicher Regung zu enthalten. Reden darf nur derjenige Bundesbruder zwischen den Gängen, der meint, einen MBC einbe­rufen zu müssen. Der MBC muss auf Antrag einberufen werden. Dies kann im Silentium durch Heben der Mütze (d.h. mindestens 3 Mützen der BbrBbr) dem Mensurteam signalisiert werden.


Während der Mensur, d.h. auch während der Pausen, hat sich zum Schutz des Paukanten außer dem Mensurteam und dem Fechtchar­gierten niemand dem Paukanten zu nähern oder gar mit ihm zu re­den.


3.1.9.3 Kleiderordnung

Die auf Mensurtagen anwesenden Herren sollen eine dem Anlass adäquate Kleidung tragen, die zumindest aus Jackett und Krawatte besteht. Begründete Ausnahmen können von der Präsidierenden zugelassen werden.


Die Mensurtage haben in der Regel für jeden waffenstudentischen Bund offiziellen Charakter (z.B.: dunkler Anzug, Vollcouleur). In Er­langen ist dies aber nicht Pflicht.

3.1.9.4 Der Fechtchargierte

Der Fechtchargierte (XX, Consenior, Fechtwart) hat zu überwachen, dass der Paukistenwart für ordnungsgemäßen Antransport aller er­forderlichen Utensilien sorgt. Bei der Absprache der Partien hat der Fechtchargierte darauf zu achten, dass zeitliche Notwendigkeiten einiger Paukanten berücksichtigt und die Partien in geeigneter zeitli­cher Reihenfolge gelegt werden.


Der Fechtchargierte hat für das Erscheinen eines approbierten Arz­tes als Paukarzt und eines erfahrenen Bundesbruders als Sekun­danten Sorge zu tragen. Er stellt in Abstimmung mit dem Paukanten auch das sonstige Mensurteam (Testant, Schleppfux, 3 Burschen zur Beurteilung der Mensur) zusammen.


Vor dem Mensurtage ist festzulegen, wer den Paukanten beim An­pellen hilft, wer ihm nach der Mensur beim Appellen hilft und wer anschließend ggf. das Mensurzeug reinigt.


Des weiteren ist rechtzeitig vor der Mensur festzulegen, wer das Schreiben der Mensurkarte übernimmt. Auf der Mensurkarte wird u.a. die Mensur bestätigt und die Gänge gezählt.


3.1.9.5 Die Waffenstudenten

Die Mitglieder eines Bundes begeben sich vor Beginn der Partie ge­schlossen (bis auf das Mensurteam) in das Pauklokal bzw. zum Ort der Mensur.


Zu beachten ist, dass eine Verbindung nicht nur nach dem Auftreten ihrer Paukanten (wenn auch in diesem Punkte sehr stark) sondern aller Mitglieder auf dem Mensurboden beurteilt wird. Es hat sich deshalb jeder Bundesbruder besonders zusammenzunehmen und den Anordnungen des Fechtchargierten, der für den Bund den Men­surtag und auch den MBC leitet, Folge zu leisten. Ein geschlosse­nes Auftreten auf dem Mensurboden gehört als selbstverständlich zu ei­nem guten Bund. Es ist von jedem Mitglied eines Bundes (BbrBbr) darauf zu achten, das der Bund haltungsmäßig einen guten Eindruck macht.


3.1.9.6 Die Gäste

Schwarze Gäste müssen dem Unparteiischem bei ihrem Eintreffen gemeldet werden. Über die Anwesenheit von Gästen muss unter den Fechtchargierten Einstimmigkeit herrschen. Jede Korporation trägt die Verantwortung für ihre Gäste. Der Bund ist für die eventuell ent­stehenden Folgen verantwortlich. Für schwarze Gäste muss auf An­trag einer an der Mensur beteiligten Korporation für die Dauer der Mensur von der Präsidierenden ein Anwesenheitsverbot ausgespro­chen werden.


3.1.9.7 Fotografieren, Filmen, Handys, Rauchen, Trinken, Essen

Auf dem Mensurboden besteht striktes Rauch- und Essverbot.


Die Handys sind auszustellen.


Das Musizieren und Kartenspielen (z.B.: Hannover) ist zu untersa­gen.


Das Trinken auf dem Mensurboden ist zum Teil ausdrücklich unter­sagt. Auf der Mensur darf niemand betrunken fungieren (z.B.: In Freiburg).


Während der Mensur herrscht absolutes Film- und Photographier­verbot, auch in den Pausen. Ansonsten ist dies nur mit Zustimmung der Beteiligten erlaubt.

In Clausthal ist das Fotografieren nur während der scharfen Gänge nicht zulässig. In Frankfurt ist das Fotografieren während der Partie gestattet, solange die Paukanten nicht behindert werden. In Gießen muss Blitzlicht beim Unparteiischen annonciert werden und mit dem Fotografieren müssen beide Parteien einverstanden sein.


Die Konzentration der Paukanten soll durch diese Maßnahmen ge­schützt werden.

3.1.9.8 Damen und Kinder

An einigen Hochschulorten (z.B.: in Bayreuth, Erlangen) finden Mensuren immer öffentlich statt, aber Damen bzw. weibliche Perso­nen haben grundsätzlich keinen Zutritt.


Gemäß den Vorgaben in einigen Komments dürfen Kinder bzw. Pennäler (z.B.: Kiel) nicht in das Mensurlokal gebracht werden.


3.1.9.9 Hunde

Gemäß den Vorgaben in einigen Komments dürfen Hunde (z.B.: Bochum, Kiel) nicht in das Mensurlokal ge­bracht werden.



Abbildung 28: Mensur der Burschenschaften in Heidelberg




3.2 Das Mensurteam

3.2.1 Die beteiligten Personen

Zur Mensur gehören: ein Unparteiischer, zwei Paukanten, zwei Se­kundanten, zwei Testanten, zwei Schleppfüxe, zwei Schreiber, min­destens ein approbierter Paukarzt (z.B.: Bayreuth) oder zwei Pau­kärzte (z.B.: Hamburg) und mindestens je drei Burschen des zu­ständigen Bundes (z.B.: Bayreuth), die mindestens eine genügende Partie gefochten haben (s. Kap. 3.2.7 „Der Paukarzt“).


Einige Komments sehen ausdrücklich die Beteiligung von zwei Pau­kärzten vor. In Aachen muss einer der beiden Paukärzte ein appro­bierter Arzt sein, der andere kann ein Mediziner im klinischen Se­mester sein.


In Würzburg gibt es auch noch Stuhlfüxe die zur Mensurmannschaft gehören.


In Mainz darf bei einer Mensur niemand ohne Band fungieren.



Abbildung 29: Paukant mit Kettenhemd




3.2.2 Der Unparteiische

3.2.2.1 Anforderungen an den Unparteiischen

Auf die Person des Unparteiischen einigen sich die Sekundanten vor der Partie. Der Unparteiische muss ein Bursche oder ein Alter Herr sein, der mindestens zwei genügende Mensuren gefochten hat und mindestens im vierten Burschensemester steht. Er muss mit dem re­levanten Paukkomment vertraut sein.


In einigen Komments (z.B.: Bayreuth, Darmstadt) darf als Unpar­teiischer der Bursch (aktiv, inaktiv, Alter Herr) fungieren, der „min­destens im vierten Farbensemester steht und mindestens zwei ge­nügende Mensuren gefochten hat“. In anderen Komments sind für den Unparteiischen nur 3 Partien (z.B.: Berlin), 2 Semester und 3 Partien (z.B.: Hannover), 3 Semester und 3 Partien (z.B.: Bochum), 6 Semester und 4 Partien (z.B.: Gießen) vorgeschrieben. In Claus­thal darf der Unparteiische nicht auf Reinigung stehen. In Tübingen darf der Unparteiische keinem der an der Partie beteiligten Bünde ange­hören.


3.2.2.2 Allgemeine Rechte und Pflichten des Unparteiischen

Der Unparteiische ist auf Ehrenwort verpflichtet, nach bestem Wis­sen und Gewissen zu urteilen. Der Unparteiische entscheidet end­gültig in allen Fällen des Komments. Seinen Entscheidungen und Anordnungen hat sich jeder zu fügen. Er ist während der Mensur un­verletzlich.


Er hat gemäß Komment über die Mensur und die Beteiligten zu wa­chen. Er hat insbesondere vor und während der Partie unaufgefor­dert zu prüfen, ob Waffen, Bandagen und Leder, die Weite der Mensur und die Körpergröße der Paukanten kommentmäßig sind. Er hat auf Ansuchen einer Partei die Klingen, Körbe (Glocken) und Schutzvor­richtungen zu untersuchen.


Er hat darauf zu achten, dass sich die Paukanten in der richtigen Entfernung gerade gegenüberstehen. In Erlangen weist der Unpar­teiische die Korona darauf hin, dass für abspringende Klingen nicht gehaftet wird.


Er hat für Ruhe und Ordnung zu sorgen und kann deshalb nach dreimaligem Silentium oder infolge beschränkten Raumes die nicht zur Mensur gehörenden Personen, mit Ausnahme der Fechtchar­gierten und der Angehörigen der an der Mensur beteiligten Bünde, ab­treten lassen. Der Unparteiische hat während der Mensur das Haus­recht. Er kann Störenfriede verweisen. Er kann der Korona das Rauchen, Fotografieren, Filmen etc. verbieten.


Der Unparteiische eröffnet die Mensur. Zum Beispiel mit den Worten Silentium, für einen Partie Schläger auf den ... (Hochschulort, Waf­fenring) Komment“. Er vermerkt die Zahl der Gänge und der Ankrei­dungen. Er kann keinen Gang für ungültig erklären, wenn ein Treffer erzielt wurde.


Er darf selbst „Halt“ rufen, sobald er eine Kommentwidrigkeit be­merkt, ohne um einen Grund befragt werden zu können.


Verstößt der Unparteiische während der Mensur in offenkundiger Weise gegen den Komment, so kann er von einem Sekundanten oder Testanten darauf aufmerksam gemacht werden.


Die Funktion des Unparteiischen erlischt mit der Beendigung der Mensur, ausgenommen wenn sich eine Partei Nachuntersuchung vorbehalten hat.


Er hat auf Verlangen den Anwesenden Stillschweigen über Vor­gänge während der Mensur aufzuerlegen.


In Stuttgart werden von dem Unparteiischen drei Mensurzeugen be­stimmt, die keiner der beiden beteiligten Parteien angehören dürfen. Mensurzeugen können nur Burschen die mindestens im vierten Cou­leursemester stehen und eine Partie geschlagen haben.


3.2.2.3 Anfragen an den Unparteiischen

Bei Anfrage eines Sekundanten über Inkommentmäßigkeiten hat der Unparteiische die Anfrage nur mit „Ja, das war der Fall“ oder „Nein, das war nicht der Fall“, gegebenenfalls mit „Ich habe nicht darauf geachtet“ oder „Das vermag ich nicht zu entscheiden“ zu antworten.


Anfragen auf Komprimierung darf der Unparteiische auch nach Be­fragung des Paukarztes beantworten.


Wird die Anfrage eines Sekundanten über Inkommentmäßigkeiten mit „Ja“ beantwortet, hat der Unparteiische die betreffenden Perso­nen (Paukant oder Sekundant) zu kreiden und nach dem dritten Mo­nitum abtreten zu lassen.


Wenn in Braunschweig der Unparteiische zu einer Anfrage eines Sekundanten keine Stellung nehmen kann, darf er die Anfrage an einzelne unparteiische Personen in der Korona weiterleiten, sofern dies von dem Sekundanten gefordert wird. Nach den ersten beiden übereinstimmenden Antworten gilt die Anfrage als entsprechend be­antwortet.


3.2.2.4 Anordnung von Pausen

Der Unparteiische kann zur Hälfte der Mensur eine Pause bis zu fünf Minuten Dauer einlegen. Der letzte Gang vor der großen Pause ist z.B. mit den Worten Silentium für den letzten Gang vor der Pause“ zu annoncieren.

Wird um eine Pause (Bandagenpause) gebeten, so hat er dieselbe anzukündigen. Länger als drei Minuten darf keine Pause dauern, außer der bereits erwähnten Pause zur Hälfte der Partie und außer Bandagenpausen dauern. Die Gesamtzeiten aller Pausen darf 15 Minuten nicht überschreiten (s. Kap. 3.7.4 „Die Pausen“).



3.2.2.5 Ende der Mensur

Wird ein Mensur ausgepaukt, so hat der Unparteiische den letzten scharfen Gang der Partie mit den Worten „letzten Gang vor dem Schluss der Partie“ zu annoncieren.

Wird die Mensur suspendiert oder durch Abfuhr eines Paukanten vor der Zeit beendet, so hat er dies mit Angabe der geschlagenen Gänge zu annoncieren.

Er hat die Mensur mit Angabe des Resultats, der Blutigen und der Monita zu schließen.



3.2.3 Die Paukanten

3.2.3.1 Anforderungen an den Paukanten

Es dürfen nur entsprechend eingepaukte Leute antreten. Die Pau­kanten dürfen mit keiner ansteckenden Blutkrankheit behaftet sein. In Stuttgart muss jeder Paukant seinem Fechtchargierten eine gül­tige Impfbescheinigung über eine Tetanusimpfung vorlegen.


In Hannover darf jeder Paukant nur eine Pflichtmensur gegen den­selben Paukanten schlagen.


In Hannover muss eine Mensur mit dem Arm zu Ende gefochten werden, mit dem zu Schlagen begonnen wurde. In Bayreuth kann eine Partie von Links auf Rechts umbandagiert werden, sofern dies wenigstens vierzehn Tage vorher auf der Fechtwartsitzung annon­ciert wurde.


Für jeden Linkshänder sind dem Gegenpaukanten - sofern dieser nicht selbst Linkshänder ist - mindestens zwei Wochen zum Einpau­ken zu gewähren.


3.2.3.2 Die Rechte und Pflichten des Paukanten

Während der Mensur haben sich die Paukanten genau an das Kommando der Sekundanten zu halten. Jede Inkommentmäßigkeit ist zu vermeiden.


Paukanten, welche sich ohne genügende Entschuldigung auf dem Paukplatze nicht einfinden, oder sich dort ohne triftigen Grund wei­gern, loszugehen, verfallen in den Waffenverruf.


Erhält ein Paukant drei Monita, so muss er abgeführt werden.


3.2.3.3 Anfragen des Paukanten während der Mensur

Anfragen während der Partie von der Seite des Paukanten sind nicht möglich. Die Interessen des Paukanten wahren Sekundant und Tes­tant. Der Paukant darf sich nur durch seinen Sekundanten äußern. Die Paukanten haben sich während der Mensur aller Einmischungen in Anfragen und Feststellungen zu enthalten. Der Paukant darf „Halt“ rufen, wenn die Paukbrille einen sicheren Schutz nicht mehr ge­währt.


Die Komments legen in der Regel fest, ob oder wie sich der Paukant während der Mensur äußern darf. Zahlreiche Komments haben fest­gelegt, dass sich der Paukant nur über seinen Sekundanten äußern darf (Aachen, Bayreuth); an einigen Hochschulorten ist jedoch ein „Halt“ durch den Paukanten gestattet. So darf in Heidelberg „der Paukant in begründeten Fällen Halt rufen“, in Saarbrücken wie­derum „wenn triftige Gründe (z. B. Verlust der Brille) dazu nötigen“; in Hamburg hingegen ist dem Paukanten dieser Ruf zum Unterbre­chen der Partie nur gestattet, wenn „die Paukbrille einen sicheren Schutz nicht mehr gewährt“; in Clausthal-Zellerfeld darf der Fechter sich nur dann mit dem „Halt“-Ruf zu Worte melden, wenn „er seine Waffe ver­liert“.


Abbildung 30: Der Paukant



3.2.4 Die Sekundanten

3.2.4.1 Anforderungen an den Sekundanten

Die Sekundanten sollen nur Burschen oder Alte Herren sein, die mindestens eine (mindestens zwei ist empfehlenswert z.B. eine hohe und eine tiefe genügende Partie) genügende Mensuren ge­schlagen haben. Sie müssen mit dem Mensur-Komment vertraut sein. Sekun­danten dürfen nicht auf Reinigung hängen.


Es ist nicht unbedingt notwendig, dass der Sekundant dem Bund des Paukanten angehört. Er darf jedoch nur einem Bunde angehö­ren, der von beiden Parteien anerkannt wird.


3.2.4.2 Die Rechte und Pflichten der Sekundanten

Die Sekundanten sind verpflichtet, die Mensur abzustecken und hierbei insbesondere darauf zu sehen, dass keiner der Paukanten in Nachteil kommt. Lässt sich dies nicht vermeiden, so wechseln die Paukanten nach vorheriger Vereinbarung die Plätze (nach verein­barter Zeit oder nach bestimmter Anzahl der Gänge).


Die Sekundanten stehen während des Ganges neben ihren Paukan­ten zur Seite des unbewehrten Armes. Bei einer Links-Rechts Partie ist die Stellung der Sekundanten beliebig. Sobald die Paukanten auf der Mensur einander gegenüber stehen, treten die Sekundanten zur Linken derselben, bzw. bei einem Linkser zur Rechten desselben.


Die Sekundanten haben stets verhängt zu sekundieren und zwar so, dass die Spitze ihrer Klinge während des Ganges den Boden be­rührt.


Den Gegenpaukanten darf der Sekundant weder berühren, noch an­reden. Er hat mit demselben nur durch den Sekundanten desselben zu verkehren.


Der Sekundant, der das Ankommando hat annonciert die Partie. Danach sind zunächst die Leder und gegebenenfalls der Vorbehalt der Suspension mit entsprechender Begründung anzugeben.

In Freiburg können die Farben des Sekundanten nicht für Schwarz erklärt werden.

3.2.5 Die Testanten

3.2.5.1 Anforderungen an den Testanten

Auch die Testanten sollen mit diesem Komment vertraut sein.


In Stuttgart können die Testanten nur Burschen sein, die mindestens eine Partie geschlagen haben.

3.2.5.2 Die Rechte und Pflichten der Testanten

Der Testant ist verpflichtet:



Die Bestimmungen für den Sekundanten gelten für ihn entspre­chend.


Der Testant steht auf der rechten Seite des Paukanten, bzw. bei Linksern auf der linken.


Der Testant hat dieselben Rechte und Pflichten wie der Sekundant.


Der Testant darf „Halt“ rufen, wenn ihm zur Ausübung seiner Funk­tion (Desinfektion; Klinge gerade biegen) keine Gelegenheit gege­ben wurde. Nach zweimaligem grundlosen „Halt“-Rufen muss der Tes­tant abtreten. Daraus entstehende Kreiden werden dem Sekun­danten angelastet.



3.2.6 Die Schlepper

3.2.6.1 Anforderungen an den Schlepper

Der Schlepper (Schleppfux) sollte mit diesem Komment vertraut sein. Als Schlepp-„Fux“ sollte ein erfahrener Bursch eingesetzt werden, der dem Paukanten Ratschläge geben kann. Der Schlepper sollte eine gewisse Ruhe verbreiten, damit der Paukant sich auf die Men­sur konzentrieren kann.

In einigen Komments ist es zulässig die Funktion des Schleppers und des Testanten in einer Person zu vereinen.


3.2.6.2 Die Rechte und Pflichten der Schlepper

Der Schleppfux (Schlepper) ist verpflichtet:



Die Bestimmungen für den Sekundanten gelten für ihn entspre­chend. Der Schlepper steht auf der rechten Seite des Paukanten, bzw. bei Linksern auf der linken. Er führt keinen Schläger.

Der Schlepper hat mit darauf zu achten, dass der Speer nicht den Boden berührt und dafür zu sorgen, dass die Klinge stets gerade und desinfiziert ist.


Abbildung 31: Auf Mensur



3.2.7 Der Paukarzt

3.2.7.1 Anforderungen an den Paukarzt

Einige Komments sehen ausdrücklich die Beteiligung von zwei Pau­kärzten vor. In anderen Komments (z.B.: in Hamburg) kann einer der beiden Paukärzte ein approbierter Arzt, der andere kann Medi­ziner, mindestens im klinischen Semester, sein. An anderen Hochschul­orten ist nur ein Paukarzt erforderlich. Insbesondere bei der Austra­gung einer PP-Suite oder PC sollten grundsätzlich mindes­tens zwei Paukarzte insgesamt zugegen sein.

Der Paukarzt sollte den Komment kennen. An einigen Hochschulor­ten (z.B.: in Erlangen) ist dies fest vorgeschrieben.


3.2.7.2 Die Rechte und Pflichten des Paukarztes

In Bonn muss der Paukarzt mindestens 24 Stunden vor Beginn des Mensurtages benannt sein und bei Beginn des Mensurtages anwe­send sein.


Der Paukarzt darf während der Partie keine andere Funktion haben. Der Paukarzt muss während der Partie stets zur Verfügung stehen, um gegebenenfalls sofort Hilfe leisten zu können.


Der Paukarzt muss sich vor Beginn der Partie überzeugen, ob die Paukanten sicher bandagiert sind und an besonders gefährdeten Stellen Leder setzten. In Braunschweig ist zum Beispiel der Paukant auf offene Fontanelle durch den Paukarzt zu untersuchen. Der Pau­karzt ist moralisch verpflichtet, jeden Paukanten auf Ehrenwort zu fragen, ob er mit einer durch Blut übertragbaren Krankheit behaftet ist. Im Bejahungsfalle ist bei der Mensur die größte Sorgfalt anzu­wenden, die Klingen aber sind nach der Mensur zu vernichten.


Eine Wunde kann mit desinfizierenden, nicht blutstillenden Flüssig­keiten während der Partie gereinigt werden. Wird einem Paukanten eine Arterie durchgeschlagen, so stehen Sekundant, Testant und Paukarzt mit ihrem Ehrenwort dafür, dass dieselbe während der Mensur nicht abgedreht resp. mit anderen blutstillenden Mitteln ge­stillt wird. Es darf nicht komprimiert (Arterie abdrücken) werden. In Hannover ist während der Mensur jede ärztliche Hilfe untersagt. In Würzburg ist während der Pause das Auflegen von Mull auf die Wunde gestattet, nicht jedoch das komprimieren.


Sobald der Paukarzt erklärt, dass ein legaler Blutiger für das Weiter­fechten zu gefährlich ist, muss der betreffende Sekundant seinen Paukanten abführen. Der Paukant muss sich fügen und sich abfüh­ren lassen.


In Würzburg darf sich der Paukarzt mehrere Assistenten nehmen.


In Passau darf während der Mensur niemand, außer dem Paukarzt, frische Wunden mit der Hand berühren.



Abbildung 32: Der Paukarzt



3.2.7.3 Anfragen an den Paukarzt

Die Paukärzte haben über die Beschaffenheit einer Wunde nach bestem Wissen und Gewissen den Unparteiischen und den Fecht­chargierten Auskunft zu geben.


3.2.8 Der Schreiber

Der Schreiber nimmt die Namen der Paukanten, Sekundanten, Tes­tanten und des Unparteiischen auf. Er notiert die Zahl der Gänge, ferner Ankreidungen und Monita für Paukanten, Sekundanten und Testanten auf beiden Seiten.


Abbildung 33: Beispiel für eine Mensurkarte



3.3 Die Schutzausrüstung des Mensurteams

3.3.1 Die Schutzausrüstungen der Paukanten

Geschützt werden müssen: Augen, Nase, Hals, Gehörgänge, beide Schultern, Arm und Hand des Fechtarmes, Brust und Unterleib.


Die Paukanten tragen folgende Bandagen:




Abbildung 34: Die Mensurbrille




  1. bei großen Hautdefekten,

  2. offenkundiger Schädeldefekte (Fontanelle),

  3. bei Knochen- und Knorpeldefekten sowie Zahner­satz,

  4. bei Entstellungen,

  5. bei vorhandener Lähmung eines oder mehrerer Nervenäste,

  6. bei frischen oder gelappten Schmissen,

  7. auf Knochensplitter,

  8. auf durchschlagener Wange,

  9. auf Lappen, deren Blutversorgung durch einen erneuten Schmiss gefährdet ist,

  10. bei Substanzverlust,


Die Lebensleder dürfen getragen werden, wenn eine Verletzung eine Lebensgefahr oder eine dauernde Schädigung mit sich bringen würden. Die Leder (Blech oder Polster) dürfen mit einer Blecheinlage versehen und Hohlleder sein. Sie dürfen einen Schmiss bzw. die gefährdete Stelle nach keiner Seite mehr als 1 cm über­ragen. Zwei ge­fährdete Stellen dürfen durch ein Leder geschützt werden, wenn sie nicht mehr als 2 cm vonei­nander entfernt sind. Ein solches Leder zählt für zwei. Die Leder werden durch zwei Bänder, die nicht auf dem Kopf gebunden werden dürfen, befestigt. Insgesamt dür­fen nur 3 Leder gebunden werden. Der Gegenpau­kant ist berechtigt, Kompensationsleder zu tragen. Le­derne Befestigungsschnüre sollen nicht über 0,3 cm breit sein. In einigen Komments dürfen die Ohren durch Leder ge­schützt werden, die nicht mit der Halsbinde verbunden sein dürfen.


In Bonn, Göttingen, Mainz, Stuttgart etc. werden gemäß Komment Ohrenleder gefordert. In Aachen, Stuttgart, Göttingen etc. sind Ba­ckenleder erlaubt. Diese Bandage bieten einerseits mehr Schutz vor Trefferwirkung, aber reduzieren andererseits die Treffermöglichkeit, also die Erfolgsmöglichkeit für den Fechter deutlich.

In Göttingen wird zusätzlich das Parottisleder gesetzt.


In Erlangen dürfen Leder nur mit Gummischnüren befestigt werden. Bei lebensgefährlichen Verletzungen sind Lederriemen zulässig. Mehr als drei Leder dürfen nicht getragen werden, wobei Lebensle­der nicht mitzählen. Außer in Reinigungspartien dürfen auf frische Schmisse keine Leder getragen werden.


In Heidelberg darf ein Zahnschutz getragen werden. Utensilien zum festen Sitz der Paukbrille am Hinterkopf dürfen nicht weiter als 3 cm über den Riemen hinausragen. Ein Backenleder darf in Heidelberg nicht getragen werden.


In Würzburg ist es dem Paukanten erlaubt, auf nicht vernarbten Wunden ein Pflaster zu tragen.


In München trägt der Paukant unter dem Paukzeug Trikotwäsche, darüber eine weiße Mensurhose und rutschfestes Schuhwerk.


3.3.2 Die Schutzausrüstungen der Sekundanten

Die Sekundanten tragen folgende Bandagen:



Der Sekundantenspeer (Schutzwaffe), welcher wie der Schurz die Farben der Korporation trägt, ist ein gewöhnlicher Korbschläger mit ungeschliffener Rappierklinge (gewöhnliche Fechtbodenklinge), de­ren Länge 74,4 cm an einigen Hochschulorten nicht übersteigen darf.

In München trägt der Sekundant unter dem Paukzeug Trikotwäsche, darüber eine weiße Mensurhose und rutschfestes Schuhwerk.



3.3.3 Die Schutzausrüstungen der Testanten

Damit der Testant die Klinge ungefährdet biegen kann, trägt er an der rechten Hand einen Leder- oder Kettenhandschuh (Testierhand­schuh). An einigen Hochschulorten (z.B.: in Würzburg) muss der Testant an beiden Händen Handschuhe tragen. Der weitverbreitete Testierhandschuh ist nicht in jedem Komment (z.B.: Hamburg) nie­dergeschrieben. Der Münchner-Komment sieht ihn ausdrücklich vor.


An anderen Hochschulorten (z.B.: in Hannover) übt der Testant seine Tätigkeit zusätzlich mit Helm und Halsbinde aus.

3.3.4 Die Schutzausrüstungen der Schlepper

In einigen Komments (z.B.: Hamburg) werden keine Anforderungen an die Schutzausrüstung der Schlepper gestellt.


Der Schleppfux fungiert an einigen Hochschulorten (z.B.: in Hanno­ver) ausdrücklich mit Helm (!!!), Halsbinde und Handschuh. In Würzburg und München muss der Schlepper sogar an beiden Hän­den Handschuhe tragen.



Abbildung 35: Studentische Mensur um 1900





3.4 Die Waffe

3.4.1 Ausschluss als tödliche Waffe

Die Beschaffenheit des Schlägers und die Bekleidung der Paukan­ten und Sekundanten müssen nach den Vorschriften einiger Kom­ments genauestens geprüft werden, damit unbedingt gewährleistet ist, dass der Schläger/Glocke nicht als tödliche Waffe (s.a. Klingen­spitze !!!) wirken kann. Andere Komments setzen dies stillschwei­gend voraus.


In Würzburg ist der Säbel- und Pistolenkomment ausdrücklich sus­pendiert.


3.4.2 Die kommentgemäße Waffe

Als kommentgemäße Waffe wird der Glockenschläger und der Korb­schläger eingesetzt.


Der Korbschläger besteht aus Korb (mit Farben), gerader Klinge und muss mit Terz- und Quartbügel versehen sein. Der Terzbügel ist nicht in jedem Komment vorgeschrieben. In Würzburg ist der Terz­bügel erlaubt.


Die kommentgemäße Waffe war um 1907:



Heute ist der Glockenschläger die kommentgemäße Waffe in Berlin, Greifswald, Leipzig, Halle und Frankfurt/Oder. Darüber hinaus soll in Dresden, Tharandt und Freiburg mit der Glocke gefochten werden. An allen anderen deutschen Standorten wird mit dem Korbschläger gefochten: Aachen, Bayreuth, Bielefeld, Bochum, Bonn, Braun­schweig, Clausthal, Darmstadt, Erlangen, Frankfurt a.M., Gießen, Göttingen, Halle, Hamburg, Hanno­ver, Heidelberg, Jena, Kaiserslautern, Karlsruhe, Kiel, Köln, Leipzig, Mainz, Mannheim, Marburg, München, Münster, Oldenburg, Osna­brück, Regensburg, Rostock, Saarbrücken, Stuttgart, Tübingen, Ulm, Würzburg. An weiteren Hochschulorten in Österreich und der Schweiz wird gleichfalls mit dem Korbschläger gefochten.



Abbildung 36: Studentische Hieb- und Paradewaffen, aus einem Couleurartikelkatalog von 1930



3.4.3 Anforderungen an den Korb

Der Korb soll nicht höher als 180 mm und nicht breiter als 250 mm sein. Er soll mit drei oder vier Querbügeln und einem Terzbügel ver­sehen sein. In einigen Komments wird der Terzbügel des Korb­schlägers ausdrücklich erwähnt.


Der Glockendurchmesser in Berlin beträgt 150 mm bei einer Glo­ckentiefe von 50 mm.


3.4.4 Anforderungen an die Klinge

An einigen Hochschulorten (z.B.: Erlangen) dürfen die Klingen nur mit Wasser und Stein abgezogen sein. Das Nachschleifen mit Stahl und Feile während der Mensur ist in Freiburg und Hamburg aus­drücklich untersagt. In Hamburg dürfen Mensurklingen weder über einen Hohlschliff, noch über einen sogenannten Laserschliff verfü­gen. Die durch ihr Profil gegebene Steifheit muss erhalten bleiben.


Abbildung 37: Vorschlag für die Einführung eines neuartigen Schlägers von W.Hammon um 1952



Die Klingen müssen gemäß dem allgemeinen Mensur-Komment der Arbeitsgemeinschaft Andernach zwischen 850 und 880 mm lang sein. Die Forderungen der verschiedenen Komments an den Hoch­schulorten zur Länge der Klinge differiert von mind. 820 mm (Han­nover) über 850 mm (Freiburg) bis 865 mm (Bonn, Passau); ande­renorts legt man sich nicht exakt fest und gibt nur Grenzwerte wie 840 bis 880 mm (Hamburg), 850 bis 870 mm (Würzburg), 850 bis 880 (Bayreuth) oder 880 mm (Aachen) an.

In Berlin hat die Glockenklinge eine Länge von 860 mm.


Die Klingen müssen an der Spitze mindestens 9 mm (z.B.: Aachen) breit sein. In Passau darf die Klinge zwischen 10 mm und 15 mm breit sein. Gemäß dem allgemeinen Mensur-Komment der Arbeits­gemeinschaft Andernach muss die Klinge an der Spitze mindestens 10 mm breit sein.


Die Klinge ist 300 bis 350 g schwer. In Bonn darf die Klinge 250 bis 350 Gramm wiegen.


Die Klinge ist in Hamburg, Aachen, Bayreuth auf der Vorderseite 420 mm (1/2), auf der Rückseite 210 mm (1/4) lang geschliffen. Die Klinge des Schlägers ist gemäß dem allgemeinen Mensur-Komment der Arbeitsgemeinschaft Andernach vorn 2/3 und auf der Rückseite 1/3 scharf angeschliffen.

Die Glockenklinge in Berlin, die eine Blutrinne enthält, ist auf der Vorderseite bis zur Hälfte und auf der Rückseite 200 mm (1/4) ge­schliffen.


Am Ende der Klinge (Spitze) werden die Ecken rund geschliffen (Halbkreises), das äußerste Klingenende darf hierbei weder spitz noch scharf zugeschliffen sein. Nicht an jedem Hochschulort ist die Klingenspitze rund und geschliffen. Die Klingenspitze kann auch eckig und stumpf sein (z.B.: Passau) oder abgestumpft, aber scharf­kantig (z.B.: in Würzburg). Das Klingenende ist in Berlin stumpf.


In Bayreuth sind federnde Klingen (Toledoklingen) nicht zulässig.


Vor der Mensur muss die Klinge von Rost frei sein. Die Klingen dür­fen, soweit sie geschliffen sind, nicht schartig oder abgeschliffen sein, ebenso wenig auffallend im Quart oder in der Schneide gebo­gen. Die Klingen müssen bei Beginn der Mensur völlig rein und des­infiziert sein.



Abbildung 38: Mensurszene




3.5 Das kommentgemäße Hiebfechten

3.5.1 Die Hiebe

Die folgenden Hiebe sind möglich:



Solange in den jeweiligen Komments keine expliziten Vorgaben enthalten sind, sind auch andere Hiebe (z.B.: Hallenser Terz, Bonner Schleife) möglich.


In Hamburg ist ausdrücklich bei Rechts-Links-Partien die Tief­quart und der Zieher verboten und bei Rechts-Rechts-Partien der Spi­cker untersagt. Ansonsten gilt in Hamburg: Was nicht ausdrück­lich verboten ist, ist erlaubt.


Die verbotenen Hiebe sind in der Regel:



Gemäß dem allgemeinen Mensur-Komment der Arbeitsgemein­schaft Andernach sind Hiebvereinbarungen unzulässig.


In Würzburg und in Hamburg ist die Auslage bei Rechts-Links-Par­tien verhängt. Der erste Hieb darf in Hamburg eine Quart oder in Würzburg auch ein Spicker sein.


3.5.2 Das Tempo

Beim Wechseltempo bleibt die Speerspitze des Paukanten im Nachhieb so lange in Ruhe, bis der Anhieb gelandet ist. An einigen Hochschulorten (z.B.: in Clausthal und Darmstadt) werden Fuxen­partien (Erstpartie) im Wechseltempo gefochten, wobei alle Hiebe abgedreht werden müssen. Verfallen Paukanten in das A-Tempo, so ist das ein Einfallsgrund.


Beim A-Tempo kann gleichzeitig aufgezogen werden.


3.5.3 Die A-Tempo-Hiebe

Zu den A-Tempo-Hieben gehören die Doppelhiebe und die über­stürzt gefochtenen Hiebkombinationen.


Bestimmte Doppelhiebe wie die Doppelterz sind in einigen Kom­ments verboten. Beispielsweise sind



3.5.4 Die tiefen Hiebe

Die tiefen Hiebe sind Hiebe unterhalb 0° Linie d.h. unterhalb der Ho­rizontalen: Hierzu gehören der Spicker, der Zieher und die Tief-Quart. Hohe Hiebe sind (in Tübingen) Hiebe, die von oben nach un­ten oder horizontal angezogen werden und bei Treffer oberhalb der Paukbrille bzw. deren Riemen oder Ohrleder sitzen.


Tiefe Hiebe sind in einigen Komments (z.B.: Hannover, Tübingen) grundsätzlich untersagt. In anderen Komments sind tiefe Hiebe nur in den sogenannten hohen Partien (Erst- oder Fuxenpartien) unter­sagt.


In Clausthal und Darmstadt sind bei Erstpartien zusätzlich keine ho­rizontalen Hiebe erlaubt.


3.5.5 Die abgedrehten Hiebe

In einigen Komments ist das Abdrehen der Hiebe vorgeschrieben. Beispielsweise beginnt in Braunschweig ein Hieb in der verhängten Auslage, geht durch den Aufzug zum Schlage über und durch Ab­drehen wieder in die Auslage zurück.



3.5.6 Die Lufthiebe

Beispielsweise sind:


3.5.7 Die Schleifen

In Freiburg ist die Bonner Schleife verboten.


3.5.8 Die Sekonde

Die spitze Paraden, ebenso die Sekonde (spitzer Spicker) sind in Tübingen ausdrücklich verboten.


3.5.9 Die Rückschneidenterz

In Würzburg sind sämtliche Hiebe, die auf der Terzseite mit der Rückschneide der Klinge treffen verboten.


3.5.10 Sonstige Anmerkungen

Verboten sind Streicher und Stecher, da dies vom Grundsatz des Hiebfechtens abweicht.


3.5.11 Die blutigen Trefferhiebe

Als Blutiger wird eine Verwundung im allgemeinen nur erklärt, wenn Blut über die Ränder der Wunde tritt.


In Clausthal zieht als Blutiger jede Wunde.


In Passau sitzt ein Blutiger, wenn nach Abtupfen durch den Paukarzt mindestens drei Tropfen Blut austreten.


Man kann zwischen kommentgemäßen und inkommentgemäßen Blu­tigen unterscheiden.


In Stuttgart gilt ein durch einen inkommentgemäßen Hieb zustande gekommener Schmiss nicht als Blutiger.


In Saarbrücken sind Verwundungen kommentmäßig, wenn sie auf einen kommentmäßig unbedeckten Körperteil sitzen und von kom­mentgemäßen Hieben herrühren. Inkommentgemäße Verwun­dungen können zusätzlich Verwundungen sein, die der Sekundant verur­sacht hat oder sich der Paukant selbst beibringt.


Ein inkommentgemäßer Blutiger kann in Passau auch von einer ab­gesprungenen Klinge herrühren. Aufgrund eines inkommentge­mäßen Blutigen darf nach dem Gang, in dem der Blu­tige gefallen ist, die Mensur abgebrochen werden. Abgebrochene Mensuren gelten in Passau als ausgepaukt.



Abbildung 39: Mensurszene





3.6 Die Stellung der Paukanten

3.6.1 Das Abstecken der Mensur

Der Mensurabstand variiert in den verschiedenen Komments z.B.:



Zur Abmessung der Mensur wird häufig der Sekundantenschläger verwendet. Auf Verlangen eines Sekundanten oder des Unpar­teiischen muss die Absteckung der Mensur wiederholt werden.


3.6.2 Platzvorteil

Der Stand der Paukanten muss hinsichtlich Licht und Boden gleich sein. Ist dies wegen des Ortes nicht möglich, so können die Plätze von Zeit zu Zeit gewechselt werden, wobei die Partei, welche zuerst darauf aufmerksam macht, die Wahl hat.


3.6.3 Die Körberhaltung der Paukanten

Die Stellung des Paukanten kann sein:



Die Schultern des Paukanten dürfen während der Gänge nicht nen­nenswert von der Fersenlinie abweichen (Schulterzwang). Eine Seitwärts- oder Rückwärtsverlagerung ist nicht gestattet. Die Fersen sollten zur Wahrung des sicheren Standes stets den Boden berühren, auch wenn dies nicht in jedem Komment explizit gefordert wird.


3.6.4 Der Höhenausgleich

In Heidelberg muss der Ausgleich der Körpergröße bei über 3 cm Unterschied auf Verlangen einer Partei gewährt werden.


Als Höhenausgleich wird oft ein einfaches Holzbrett eingesetzt.


3.7 Der Verlauf der Mensur

3.7.1 Das Annoncieren der Partie

Einer der Sekundanten annonciert die Partie beim Unparteiischen mit den Worten:


Herr Unparteiischer, ich bitte um das Silentium zur Austra­gung einer einfachen Partie Schläger über die Dauer von ... (z.B.: 30) Gängen, evtl. bis zur Abfuhr eines der Herren Pau­kanten, zwischen Herrn ..... (Name) einer verehrlichen ... (Bund) und meinem Bundesbruder ..... (sekundiert man für ei­nen anderen Bund, so nennt man wiederum Name und Bund und fügt hinzu: „dem zu sekundieren ich die Ehre habe“). Es handelt sich um eine (Fuxen- oder Burschen-) Partie, ge­schlagen werden ein Anhieb und .... scharfe Hiebe, Im Ein­vernehmen mit der Gegenseite erbitte ich mir für die erste Hälfte dar Partie, das Ankommando. Mein Kommando wird lauten: Hoch bitte - Fertig auf der Gegenseite - Los!“


Nun mehr antwortet der Unparteiische:


Silentium für eine solche Partie! Das Ankommando liegt in der ersten Hälfte der Partie beim Herrn Sekundanten zu mei­ner (Rechten oder Linken). Ich bitte den Mensur-Abstand zu neh­men!“


Es muss annonciert werden, wenn es sich um eine Linkserpartie handelt, wenn sich ein Bund Suspension vorbehält oder ein Paukant aus bestimmten Gründen ein oder bis zu drei Leder trägt. Suspen­sion und Leder müssen vom Paukarzt genehmigt sein. Dies wird mit den folgenden Worten annonciert:


Herr Unparteiischer, ich annonciere für meinen Paukanten ein vom Paukarzt genehmigtes Leder auf Quart, wegen Kno­chensplitters und einen Höhenausgleich !“


Nach der Bitte des Unparteiischen „den Abstand“ zu nehmen, sagt der wortführende Sekundant:


Ich bitte die Herren zur Mensur“


Der Sekundant misst mit dem anderen Sekundanten den Abstand und geht mit ihm jeweils auf der Seite des unbewehrten Armes des Paukanten - in Kauerstellung.


Der erste und letzte Gang sind Ehrengänge:


Hoch bitte zum Ehrengang“ - (Gegenseite) „Fertig“ - „Los“.


Während des Ehrenganges tragen die Paukanten die Mütze, hinter­her nimmt sie der Schleppfux ab.


Silentium für die scharfen Gänge, die nicht einzeln annonciert wurden! Hoch bitte“ - (Gegenseite) „Fertig“ - „Los“ -


3.7.2 Das Auslegen und der Anhieb

Die Sekundanten können für ihre Paukanten folgende Auslagen ver­einbaren:



In den Fechtkomments ist die Auslage und der Anhieb festgelegt. Andere Auslagen und Anhiebe können im Einzelfall vereinbart wer­den. Diese Abweichungen vom jeweiligen Fechtkomment sind ent­sprechend zu annoncieren. Als Anhieb können alle kommentge­mäßen Hiebe ge­zählt werden.


Vor dem Kommando: „Los“ darf kein Paukant bei Strafe einer Kreide schlagen, ebenso wenig nach dem Kommando: „Halt“.


Bei Mensuren, welche rechts gegen links ausgefochten werden, binden die Paukanten ihre Schläger verhängt und zwar der Rechts­schläger unter der Klinge des Linksschlägers. Der erste Hieb (An­hieb) ist in der Regel eine Quart (Hochquart) und wird scharf ge­schlagen. Der Anhieb zählt als scharfer Hieb.


In Bayreuth legen bei Burschenpartien jede Seite beliebig verhängt oder steil aus. Der Paukant mit der verhängten Auslage muss an­schlagen.


In Würzburg ist die Auslage steil, der Korb muss senkrecht über dem Kopf sein, wobei der rechte Arm am Ohr vorbeizugehen hat. Der erste Hieb muss eine Quart sein, die von der Mitte des Kopfes bis zum linken Brillenriemen platziert sein muss. Aus der Steilaus­lage heraus muss deutlich sichtbar abgedreht, abgependelt oder Hallen­ser angezogen werden. Die Anschleife ist statthaft.


3.7.3 Die Dauer der Mensur

Die Anzahl der Gänge wird zu Beginn der Partie annonciert. Sie geht über mindestens 100 scharfe Hiebe, wobei ein Gang in der Regel zu nicht mehr als 6 scharfen Hieben (Greifswald 80x8 bei der PP) ge­rechnet wird. Es werden gemäß dem allgemeinen Mensur-Komment der Arbeitsgemeinschaft Andernach mindestens 30 Gänge zu 5 Hieben gefochten. Der Klingenhieb wird nicht mitge­zählt.


Der erste und letzte Gang sind Ehrengänge d.h. im ersten und letz­ten Gang wird nicht scharf geschlagen. Bei körperlicher Behinde­rung der Paukanten können Sonderregelungen getroffen werden. In der Regel (z.B.: Frankfurt) wird bei Schmissabfuhr ein Ehrengang geschlagen.


Der letzte scharfe Gang der Partie muss vom Unparteiischen ange­kündigt werden.


Es gibt Bünde, bei denen bei Abfuhr eines Paukanten wegen offen­sichtlichen Ungenügens die Partie des Gegenpaukanten nur dann als Pflichtpartie im Sinne der Pflichtenordnung angerechnet werden kann, wenn mindestens 7 scharfe Gänge geschlagen wurden.


Ein Gang kann zählen, wenn mindestens ein scharfer Hieb gefallen ist. Im beiderseitigen Einverständnis kann ein Gang mit nur einem scharfen Hieb annulliert werden.


Es wird unterschieden zwischen Erstpartien (Fuxenpartie), hohen Partien, tiefen Partien (Burschenpartie) und verschärften Partien (PP, PC).


Die Mensur selbst kann je nach Hochschulort über eine recht unter­schiedliche Anzahl von Gängen und Hieben gehen. Es finden sich unter anderem folgende Angaben:



In Würzburg sind 20 Gänge- Partien möglich.


In Hamburg werden bei Fuxenpartien 4, in Burschenpartien 5 scharfe Hiebe (also ausschließlich des Anhieb's) a 30 Gänge ge­schlagen. Der erste und der letzte sind Ehrengänge und werden nicht scharf geschlagen. In verschärften Partien (PP, PC) werden 45 Gänge zu 6 Hieben gefochten.


3.7.4 Die Pausen

Es können Pausen jederzeit verlangt werden. Die Pausen sind aber nicht länger als unbedingt erforderlich auszudehnen.


Die Pausen der Mensur dürfen fünf Minuten nicht überschreiten. Ein Paukant, welcher länger pausiert, kann auf Antrag des Gegense­kundanten für abgeführt erklärt werden. Pausen von längerer Dauer als fünf Minuten sind nur zur Instandsetzung der Waffen gestattet. Sobald vier Minuten der Pause verflossen sind, hat der Unpar­teiische dies zu verkünden.


Auf ärztlichen Rat kann Suspension vorbehalten und eine abwei­chende Vereinbarung hinsichtlich der Pausen getroffen werden.


Nach der großen Pause (von 5 Minuten nach dem 15. Gang) wech­selt das Ankommando auf die Gegenseite:


Herr Unparteiischer, ich bitte um Fortgang der Partie und um Ankommando in der zweiten Hälfte der Partie!“.


In Aachen wird nur zwischen den folgenden Pausen unterschieden:



In Hamburg dauern gewöhnliche Pausen 3 Minuten und Bandagepausen höchstens 10 Minuten.


In Freiburg dürfen zwischen den Partien nicht mehr als fünf Minuten Pause liegen. Bei Doppelbandagen eines Bundes wird die Pause auf fünfzehn Minuten verlängert.


In Hannover führt der Sekundant ab, wenn eine Pause über mehr als 5 Minuten ausgedehnt wird.


3.7.5 Das Kommando

Das Mensurkommando ist von dem Sekundanten vor der Partie be­kannt zu geben. Das Kommando wird von den Sekundanten wech­selseitig wie folgt gegeben:



Das Kommando wechselt zur Hälfte der Partie und liegt auf der Seite, die den Anhieb hat. Es können Probekommandos angeboten werden (z.B.: Würzburg)


Auf das Kommando „Los“ muss sofort geschlagen werden. Zwi­schen den einzelnen Hieben darf keine Pause entstehen. Die Speerspitze muss ständig in Bewegung bleiben. Auf das Kommando „Halt“ ist sofort einzuhalten. Nach „Halt“ darf nicht mehr geschlagen werden.


Weitere Beispiele z.B.: auf das Kommando: „Bindet die Klingen“ kreuzen sie ihre Schläger nach oben, auf das weitere Kommando: „Sind gebunden“, gehen sie in die verhängte Auslage zurück und nach dem Kommando: „Los“ wird geschlagen.


Der Paukant darf nicht vor „Los“ schlagen, „lauern“, während der Mensur zurückgehen oder aufrücken, mit zurückgebeugtem Ober­körper fechten (das ist eine Stellungsfrage, deretwegen angefragt werden kann, unstatthaft ist nur die Anfrage auf „Haltung“), stechen, während des Ganges mit Schlagen aufhören, nach „Halt“ schlagen. Der Paukant muss bei „Los“ anziehen, die gegnerischen Hiebe kommentmäßig und zwar insbesondere so erwidern, dass er in einer Linkserpartie keine Zieher und einer üblichen Partie keine Spicker schlägt.

3.7.6 Das Ende des Ganges

Ein Gang wird beendet:



Das Einfallen (Einspringen) ist nur mit „Halt“ erlaubt. „Halt“ darf gerufen werden:



Sonstige Einreden in die Mensur ist den Beteiligten verboten.


Den Paukanten ist es bei einem triftigen Grund während des Gan­ges gestattet, „Halt“ zu rufen, worauf die Sekundanten den Gang been­den müssen. Im übrigen haben sich die Paukanten während des Ganges des Sprechens zu enthalten.


Während eines Ganges darf ein Sekundant bei Strafe einer Sekun­dantenkreide mit Ausnahme des Wortes „Halt“ nicht sprechen.


Geht der Mensur ein sogenannten Ehrengang voraus, was bei eini­gen Korporationen üblich ist, so muss dem „Los“ des ersten Sekun­danten sofort das „Halt“ des Gegensekundanten folgen. Zwischen diesem „Los“ und „Halt“ darf kein Schlag getan werden. Dann wird dem Paukanten die Couleur abgenommen und die eigentliche Men­sur kann beginnen.


3.7.7 Das Ende der Mensur

Die Mensur ist beendet:



Das Abführen auf Protest ist in einigen Komments unzulässig.


In Bochum trägt der Bund des Paukanten die Kosten einer klini­schen Abfuhr.


Fällt in Hannover in den letzten vier Gängen ein Abfuhrschmiss, so wird die Mensur als ausgepaukt betrachtet.



Abbildung 40: Steile Mensur in Hamburg



3.7.8 Die Suspension der Mensur

Eine Suspension kann nur auf Verlangen einer Partei erfolgen. Eine Mensur kann durch den Unparteiischen suspendiert werden:



  1. wenn ein inkommentgemäßer Blutiger sitzt, welcher nach der auf Ehrenwort abzugebenden Erklärung des Paukarztes Abfuhr bedingen würde, wenn er kom­mentmäßig wäre,

  2. bei plötzlich eintretendem Unwohlsein eines Paukan­ten, welches nach der auf Ehrenwort abzugebenden Erklärung des Arztes nicht durch Blutverlust herbei­geführt ist,

  3. bei Krankheitszuständen (Herzklopfen) eines Paukan­ten, sobald deshalb Suspension vorbehalten war und der Arzt dieselbe für erforderlich erachtet. Wegen Müdigkeit darf bei Abfuhrmensuren erst nach 15 Mi­nuten bei Bestimmungsmensuren nach 7 Minuten Suspension verlangt werden,

  4. wenn einem der Paukanten über das Handgelenk oder die Finger so geschlagen worden ist, dass er nach ehrenwörtlicher Aussage weiter zuschlagen ver­hindert ist,

  5. wenn der Paukant sich während der Partie das Handgelenk verpaukt (Braunschweig),

  6. bei Störungen durch Witterungsverhältnisse.


Voraussetzung der Suspension ist jedoch stets, dass der Arzt auf Ehrenwort versichert, dass der Paukant nicht durch einen innerhalb der letzten 5 Minuten erhaltenen kommentgemäßen Schmiss am Weiterpauken verhindert sei.


Wird durch einen kommentgemäßen Hieb das Wiederaufsetzen der PaukbriIIe unmöglich gemacht, so ist dies kein Grund zur Suspen­sion.

Suspension ist nur in ausgesprochenen Ausnahmefällen zu erklä­ren, vorbehalten werden muss sie in allen Krankheitsfällen etc. Die Partie ist auch zu suspendieren, wenn geschützte Stellen des Kör­pers ver­letzt werden sollten.


In Stuttgart gilt eine nach dem 14.Gang suspendierte Partie als aus­gepaukt.



Abbildung 41: Schlägermensur Suevia kontra Vandalia in einem Walde (1861), Unparteiischer ist ein Sachsen-Preuße, Maler: Ernst Fries. 



3.8 Das inkommentgemäße Verhalten

3.8.1 Die Kreide und das Monitum

Wird auf Grund eines Fehlers des Paukanten gekreidet, ist es eine Paukantenkreide. Wird auf Grund eines Fehlers des Sekundanten gekreidet, ist es eine Sekundantenkreide. Beide Arten der Kreidung dürfen nicht untereinander summiert werden. An anderen Hoch­schulorten (z.B. Kiel) gibt es nur die Sekundantenkreide, da der Se­kundant für den Paukanten einsteht.


Bei inkommentgemäßem Verhalten setzt sich das Mensurteam einer Anfrage des Gegensekundanten aus.

Bestätigt der Unparteiische die Anfrage, so kann der Sekundant ge­gen den Gegenpaukanten eine „Kreide“ beantragen. Es ist vom Hochschulort abhängig, wie viele Kreiden ein „Monitum“ ausma­chen. Üblich ist aber



Wird das 3.Monitum gegen einen Beteiligten verhängt, so muss er abtreten. Handelt es sich um den Sekundant oder den Testant (frü­her gab es in diesen Fällen automatisch eine Forderung), dann sind sie auszuwechseln, handelt es sich um den Paukanten, so ist die Partie zu Ende. In jedem Beendigungsfall hat der Unparteiische das Ob und Wie der Beendigung zu konstatieren und die Partie für „ex“ zu erklä­ren. Der Unparteiische kann die Partie allerdings nicht ge­gen den Willen einer Partei fortsetzen lassen.


Die Kreiden und Monita müssen beantragt werden, z.B.:


Herr Unparteiischer, dann beantrage ich dem Gegenpaukan­ten die 3. Kreide und zugleich das erste Monitum zu erteilen!“.


Dieselbe Maßnahme ist bei Kommentwidrigkeiten gegen Sekundant und Testant gegeben, insbesondere, wenn diese ohne Grund „Halt“ rufen, oder der Sekundant einen Hieb grundlos heraus fängt, grund­los einfällt, während des Ganges nicht die Spitze seines „Speeres“ (d.h. seines Schlägers) auf den Boden hält oder sich vor den Pau­kanten legt. Dagegen muss der Sekundant „Halt“ rufen bei Ord­nungswidrigkeiten, Treffern, wenn ein Paukant sich verfängt, ver­schlägt oder strauchelt, wenn die Bandagen verrutschen, wenn der Sekundant getroffen wird und wenn die nötige Anzahl der Hiebe geschlagen wurde. Der Wortwechsel der Sekundanten kann wie folgt aussehen:


Sekundant 1: „Halt“.

Sekundant 2: „Herr Unparteiischer, warum Halt?“.

Sekundant 1: „Nötige Anzahl der Hiebe, Herr Unpar­ teiischer“.

Sekundant 2: „War das der Fall, Herr Unparteiischer ?“.

Unparteiischer: „Das war nicht der Fall“ .

Sekundant 2: „Dann bitte ich das anzukreiden“.

Unparteiischer: „Sekundantenkreide rechts“.


3.8.2 Die Inkommentmäßigkeiten der Paukanten

Es ist inkommentmäßig:



  1. den Kopf nach rechts, links oder rückwärts biegt,

  2. zurückgehen oder aufrücken während des Ganges (Bewegungen infolge der Wucht der Hiebe sollen nicht moniert werden),

  3. den Oberkörper zurücklegt oder nach der Seite beugt (sich schief legt) oder nennenswert aus der Fecht­stellung herausdreht (sich verdreht).


Eine Anfrage wegen Kommentwidrigkeit muss unmittelbar nach dem Gang, in dem sie bemerkt wurde, gestellt werden.


Ein inkommentgemäßes Verhalten der Paukanten wird auf Verlan­gen eines Sekundanten oder Testanten vom Unparteiischen mo­niert. Das dritte Monitum muss nach spätestens sechs Ankreidun­gen auf Ver­langen ausgesprochen werden. Nach einem dreimali­gem Mo­nieren muss der Paukant auf Ansuchen eines Sekundanten oder Testanten vom Unparteiischen von der Mensurgewimmelt“ werden.


Der Gewimmelte verfällt in den Waffenverruf, aus welchem er sich nur durch eine tadellose Mensur (Reinigungsmensur) lösen kann.


Ein Sekundant oder Testant, der auf Grund von Ankreidungen abtre­ten muss, ist an dem betreffenden und dem darauf folgenden Men­surtag von einer aktiven Mensurbeteiligung als Unparteiischer, Se­kundant oder Testant ausgeschlossen.


Die Kreiden und Monita werden in den jeweiligen Komments unter­schiedlich aufgeführt; das Abtreten eines Paukanten oder Sekun­danten wird verlangt nach dem Verteilen von 3 Ermahnungen ( = Monita) ohne vorherige Kreiden (Hannover) oder von 3 Monita bei unter­schiedlicher Zahl von Kreiden (4 Kreiden in Darmstadt, 5 Krei­den in Freiburg, 6 Kreiden in Aachen, 9 Kreiden in Braunschweig).


3.8.3 Die Inkommentmäßigkeiten der Sekundanten

Der Grund des Einfallens muss auf Verlangen dem Gegensekun­danten angegeben werden. Es darf nur ein Grund für das „Halt“ - Rufen angegeben werden. Hält der Unparteiische den Grund des Einfallens nicht für berechtigt, muss dem Sekundanten auf Verlan­gen des Gegensekundanten eine Sekundantenkreide erteilt werden. Die Sekundanten haben pro Gang je eine Anfrage.


Erachtet ein Sekundant eine Handlung oder Unterlassung des Ge­gensekundanten für inkommentmäßig, so kann er bei dem Unpar­teiischen anfragen, ob die betreffende Handlung und Unterlassung kommentmäßig sei. Wird diese Anfrage verneint, so kann ein Moni­tum des Gegensekundanten bei dem Unparteiischen verlangt wer­den.


Nach drei Ankreidungen muss der Unparteiische ein Monitum ertei­len. Nach zwei weiteren Ankreidungen muss ein weiteres Monitum erteilt werden. Danach zieht eine weitere Ankreidung als Monitum. Nach dem dritten Monitum muss der Unparteiische den betreffenden Sekundanten oder Paukanten abtreten lassen. Ein dreimal monierter Sekundant muss von der Mensur abtreten. Der Sekundant, der we­gen Inkommentmäßigkeit hat abtreten müssen, darf an dem selben Tag nicht mehr als Sekundant oder Unparteiischer fungieren.



Abbildung 42: Unterschiedliche Mensurschläger



In Hamburg bleibt es jedem Bund überlassen eine Sekundantenkon­trahage zu fechten. Die Sekundantenkontrahage muss in der Regel sofort gefochten werden und gilt als bereinigende Maßnahme in Be­zug auf das Abtreten des Sekundanten aufgrund von Inkomment­mäßigkeiten. Die Sekundantenkontrahage geht in Hamburg über 45 scharfe Gänge. Jeder Gang hat einen Anhieb und sechs scharfe Hiebe. Hat der Unparteiische einen Sekundanten abtreten lassen, so kann der letztere, wenn er nicht ein Alter Herr ist, vom Gegense­kundanten gefordert werden.

3.9 Die Beurteilung der Mensur

3.9.1 Der Mensurconvent

Die Partien werden von dem Mensur-Burschen-Convent (MBC) des zuständi­gen Bundes allein beurteilt. Der MBC wird entweder auf be­sonderen An­trag oder nach jeder Partie eines Bundesbruders einbe­rufen.

Der MBC entscheidet erst über die moralische Beurteilung (TOP1), dann über die technische Beurteilung (TOP2) unseres Paukanten (die technische Beurteilung entfällt bei moralisch ungenügenden Partien). Unter dem Tagesordnungspunkt: Verschiedenes (TOP3) kann z.B.: eine moralische Beurteilung des Gegenpaukanten (Ab­kürzung: GP) oder die Vorbereitungen der Mensur durch den Fecht­chargierten diskutiert werden.


Die Beurteilungen sollen lauten:



Bei offensichtlichen Mängeln der moralischen Haltung muss die Par­tie als „Moralisch Ungenügend“ bewertet werden. Eine mit „Ungenü­gend“ beurteilte Partie zieht eine Wiederholungspartie nach sich, die nur dann auf die Zahl der Partien angerechnet werden kann, wenn sie mit „Genügend“ oder ohne Zusatz beurteilt worden ist.


Es ist selbstverständlich, dass wir die moralische Haltung der Bun­desbrüder als ungenügend beurteilen, wenn sie auf einen Hieb eine Reaktion gezeigt haben (also gekniffen haben) oder eine Stellung einnehmen die ein Ausweichen vor gegnerischen Hieben bedeutet. Es ist weiter richtig, sofort den MBC einzuberufen, weil in weniger eindeutigen Fällen unser Paukant dadurch empfindlich gewarnt wird und in Fällen eines „Kniffs“ wir damit eindeutig unsere Auffassung dokumentieren. Schärfe uns selbst und unseren Bundesbrüdern ge­genüber ist hier am Platz, weil wir letzten Endes kein Band mit Überzeugung tragen können, dass sich irgendwer „zusammenge­kniffen“ hat. Gegen Korporationen, die in eindeutigen Fällen nicht die gebotenen Konsequenzen ziehen, sind im Verlauf desselben - bei Wiederholungen auch auf längere Sicht - keine Partien mehr zu stel­len.


Technisch sind die Partien nach den Möglichkeiten unserer einzel­nen Paukanten zu beurteilen. Ist ein schwerer technischer Verweis aus Sicht des MBC geboten, kann dies weitergehende Konsequen­zen für den Paukanten haben (z.B.: Partie zählt – aber nicht als Pflichtpartie oder Partie zählt nicht als Chargenbestätigungspartie). Technischer Verweise können für den Fechtchargierten den Char­genverlust be­deuten (mindestens bis zum nächsten Aktivenkon­vent). Im Gegen­satz zur moralischen Ungenügend-Beurteilung be­darf es keiner „Reinigung“ (d.h. einer genügenden Partie).


Anders bei der Abfuhr aus moralischen Erwägungen: der Paukant muss Reinigung fechten, darf bis zu diesem Zeitpunkt seine Farben nicht tragen und verliert bis zur Reinigung sein Stimmrecht auf den MBC. Kneift der Paukant bei seiner Reinigung nun abermals, so be­sitzt er noch die Chance der „Generalreinigung“. Kneift er nun er­neut, so müssen wir ihn aus dem Bund entlassen).


Der MBC wird jeweils bis nach der nächsten Partie des Mensurtages suspendiert und am Ende der letzten Beurteilung geschlossen. Nach einer jeden Beurteilung ist den Bundesbrüdern unter einem Punkt „Verschiedenes“ Gelegenheit gegeben, sich zu Wort zu melden.


An einigen Hochschulorten werden die Mensurbeurteilungen ausge­tauscht. Die Bünde, mit denen wir gemeinsam Mensurtage abzie­hen, sind vor Beginn derselben zu befragen, ob auf einen Austausch der moralischen Beurteilungen Wert gelegt wird. Entsprechend der Ver­einbarung ist zu verfahren. Erfahrungsgemäß empfiehlt sich für Bünde mit einem scharfen Standpunkt der Vorschlag des Aus­tauschs der Beurteilungen, da die Gegenseite mit größerer Auf­merksamkeit reagiert.


3.9.2 Die Reinigungsmensur

Die Reinigungsmensur darf gegen den Gegner, gegen welchen die ungenügende Mensur gefochten wurde, erneut steigen. War früher der Gegenpaukant durch besondere Umstände verhindert, noch­mals loszugehen, so hatte die Couleur, auf deren Waffen er gefoch­ten hatte, zur Reinigungsmensur einen anderen Gegner gestellt. Diese Regelung wird heute nicht mehr praktiziert.


Genügt in Bochum eine Partie nicht den Anforderungen des Bundes, auf dessen Farben sie gefochten wurde, muss eine Reinigungspar­tie geschlagen werden. Sie ist ausdrücklich zu annoncieren.


In Clausthal zieht bei Reinigung auf Moral der erste Gang scharf.


In Stuttgart dürfen Paukanten, die eine Reinigung zu fechten haben, diese nicht gegeneinander austragen.


3.10 Die Strafen

Die Komments an einigen Hochschulorten sehen Strafen für ihre Mitglieder vor. Die Strafen (Bußgelder) werden verhängt bzw. müs­sen bezahlt werden wenn z.B.:



Des weiteren wird an einigen Hochschulorten ein Bund bestraft, wenn der Vertreter dieses Bundes raucht, fotografiert, betrunken randaliert, Tiere oder Alkohol mitbringt. Es wird bestraft wenn der Paukant deutlich fehl annonciert wurde oder bei sonstigen Verstö­ßen gegen den Komment.



Abbildung 43: „O alte Burschenherrlichkeit!“; Georg Mühlberg`s Bil­der aus dem deutschen Studentenleben













Die

PP-Suite

4 Die PP-Suite

Im Zusammenhang mit den Forderungen (Kontrahagen) sind auch die Viritim- und die Pro Patria-(PP)-Forderung zu nennen.


Bei der Viritim-Forderung forderte ein Einzelner, wenn er durch eine Verbindung beleidigt wurde (viritim, d. h. Mann für Mann ).


Aufgekommen um die Mitte des 18. Jahrhunderts ist die PP-Suite als besondere Schlägerforderung. Wurde eine Landsmannschaft al­ten Stils von einer anderen beleidigt, so war damit auch gleichzeitig nach damaliger Auffassung das Vaterland der Landsmannschaft (z. B. Westfalen, Saxonia etc.) beleidigt. Die Landsmannschaft forderte daher „pro partria“. Später, nach Auflösung der landsmannschaftli­chen Zusammensetzung der Bünde, verstand man unter einer „pa­tria“ nur den eigenen Bund.

Pro Patria-Forderungen (PP-Suite), das waren ursprünglich 3 Char­gen- und ebenso viele Burschen-Partien, wurden bei Beleidigungen zwischen zwei Verbindungen übersandt.

Eine besondere Form, „die Hatz“, entwickelte sich später in Öster­reich. Dabei handelt es sich ursprünglich um eine PP-Suite, die ständig erneuert wurde. Zumindest heutzutage ist die „Hatz“ nur ein anderes Wort für die PP-Suite.

Speziell bei den Corps entfielen diese Forderungen mehr und mehr; wenn sie auch unter verschärften Bedingungen mit dem Schläger ausgetragen wurden, so stellten sie doch meist eine Reaktion auf eine Ehrbeleidigung dar. An ihre Stelle trat für Ehrbeleidigungen die Säbel-(Chargen)-forderung. PP-Suiten und Persönliche Kontra­hagen (PC), sie lebten freilich weiter, wurden im korporationsstu­dentischen Bereich überbracht, um auf kommentgemäße Weise das Missfallen über eine Verhaltensweise auszusprechen.


Das Urteil des BGH bezieht sich ausdrücklich darauf, dass bei Par­tien nach einem festen, eingehaltenen Komment, der durch Schutz­waffen sicherstellt, dass tödliche oder ernste Verletzungen ausge­schlossen werden, die Körperverletzung mit Einwilligung nicht sit­tenwidrig und somit strafbar ist. Der KSCV mit seiner offiziellen PP-Richtlinie und viele Bünde und Corps, die PP-Suite gefochten ha­ben, waren noch nie Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungsver­fahren. Dem gegenüber hat der Bundesgerichtshof in seinem Urteil unmiss­verständlich und deutlich gesagt: „Zur Vermeidung von Missver­ständnissen sei hervorgehoben, dass die vorstehenden Erörterun­gen sich nicht auf Mensuren beziehen, die der Austra­gung von Ehrenhändeln dienen.“


Um die Ehre, eines Menschen neben der Freiheit höchstes Gut zu verteidigen, wählten Waffenstudenten in der Geschichte nie die Form der Bestimmungsmensur, nie den Schläger mit Schutzbanda­gen. Die Ehrenwaffe war und ist, nach vorhergegangenem Sühne­verfahren der Säbel oder die Pistole. Der gesamte Ablauf unterliegt dem je­weils gültigen Ehrenordnungen, in der Regel bei deutsch­sprachigen Korporationen nach Busson. „Ritterlicher Ehrenschutz“ (Graz 1907).


Entsprechend der gewandelten Mensurauffas­sung kamen die men­surschlagenden Verbände 1956 überein, dass Pro-Patria-Suiten zur Austragung von Ehrenstreitigkeiten zwischen Korporationen unzu­lässig sind. Die PP-Suiten dürfen nicht zur Austragung von Ehren­händeln (Eh­renstreitigkeiten) gefochten werden. Es handelt sich nicht um Duelle, auch nicht um einen Duell-Ersatz, sondern um Mensuren, also nicht um Ehrenhändel sondern um gegenseitige Er­ziehung im Waffen­spiel. Eine PP-Suite mit dem Schläger/Glocke kann eine verletzte Ehre nicht wieder herstellen.


Das Austragen einer PP-Suite ist Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem Verhalten eines anderen Bundes (z.B.: wenn die Fahne geklaut wurde oder die Dekoration eines Festes ungenügend ist oder Auf­grund des Kommentars „Ficht ihr Bund noch ?“) oder deren Mitglie­der. Es sollen Span­nungen zwischen den Bünden ausgeglichen werden, ohne die Ge­fahr ernster Verletzungen, damit unter oft schwelenden Streit ein Schlussstrich gezogen werden kann. Es wird vielfach aus Freude am gegenseitigem Kräftemessen die PP-Suite (Mannschaftskämpfe oder Gruppenfechten oder Fechtfolgen) und „zur Bewahrung des konser­vativen Prinzips“ gefochten. Dies wird oft durch die anschlie­ßende Fechterkneipe zwischen den beiden betei­ligten Bünden be­siegelt.


Bei der PP-Suite ergibt sich die Reihenfolge der zu benennenden Paukanten nicht aus der fechterischen Qualität der Paukanten, son­dern allein aus der Chargenbesetzung (Ämter). Es gibt Bünde wel­che die Auffassung vertreten, dass dadurch das Wesen der Be­stimmungsmensur verletzt wird. Die Bestimmungsmensur zeichnet sich im Gegensatz zur PP-Suite dadurch aus, dass die jeweiligen Zweit­chargierten möglichst gleichwertige Fechterpaare herausstel­len. In der Regel fechten aber bei einer PP-Suite Chargierte gegen Char­gierte. Höchst fraglich erscheint einigen Bünden demnach, wie eine gerichtliche Entscheidung aussähe, wenn bei einer Mensur theore­tisch völlig ungleiche Paukanten gegeneinander antreten, wie es nach der Richtlinie der Fall sein kann und meistens sein wird, denn die Paukanten werden ohne annonciert zu werden nach der sog. „Liste“ gegeneinander gestellt.

Gegen diese Auffassung spricht, dass kein zwingender Zusammen­hang zwischen der Partienzahl und dem Ausgang einer Partie be­steht. Kein Fechtchargierter kann vor einer Mensur deren Ausgang vorhersagen. Im Grundsatz gilt, dass kein Paukant eine Mensur fürchten muss, wenn er dem Komment folgt und sich selbst zu jeder Zeit ausreichend deckt (d.h. korrekt „Vorsetzt“). Mit der erfolgreichen ziehenden Fuxenpartie (1.Hoch) wird bestätigt, dass der Paukant den Mensur-Komment beherrscht. Das „Vorsetzen“ liegt in der Re­gel im Eigeninteresse des Paukanten. Die Chargierten (Burschen) eines Bundes haben im Grundsatz mindestens eine ziehende Partie ge­fochten. Das Wesen der Bestimmungsmensur wird nicht automa­tisch dadurch verletzt, dass beispielsweise eine 1.Tief gegen eine 3.Tief antreten muss. Es handelt sich bei der PP-Suite um eine be­stimmte Anzahl von verschärften Bestimmungsmensuren. Die Ver­schärfung ist nur äußerlich, d.h. eine PP-Partie war eine Schläger­partie mit mehr Gängen und mehr Hieben pro Gang bei unverän­derter Banda­gierung.


Da gute Gründe für und auch gegen die Austragung von PP-Suiten sprechen, erfolgt die Austragung auf freiwilliger Basis. Es bleibt jeder Verbindung überlassen, wie sie sich zur Austragung von PP-Partien stellt. Diese Einstellung ist von jedem Konvent zu beachten. Es ist nach Ansicht vieler Waffenstudenten unzulässig, über die Frage der Austragung von PP-Partien in den Dachverbänden einen Beschluss zu fassen und dadurch ein­zelne Verbindungen zu majorisieren. Keiner Verbindung darf das Fechten von PP-Partien (oder der PC) vom Dachverband verboten oder geboten werden.


Das Austragen von Pro- Patria- Suiten (PP-Suiten) oder persönli­chen Kontrahagen (PC) ist jeder Verbindung grundsätzlich gestattet. Al­lerdings ist auch keine Verbindung verpflichtet, eine PP-Suiten oder PC anzunehmen.


4.1 Die Kontrahage

Heutzutage ist niemand verpflichtet Satisfaktion auf Schläger (PC) zu geben. Eine Satisfaktionspflicht besteht nicht. Auf freiwilliger Ba­sis ist jeder Student im Grundsatz satisfaktionsfähig, der sich nicht im Waffenverruf befindet. Bei Nichtstudierenden galt zumindest um 1907 als Voraussetzung der Satisfaktionsfähigkeit die Zugehörigkeit zu den gebildeten Klassen, makelloser Ruf und angesehene, gesell­schaftliche Stellung.


Abbildung 44: Paukant mit Sekundant und Schlepper



Die Kontrahage darf heutzutage nicht zur Austragung von Ehrenstreitigkeiten verwendet werden.

Sofern Meinungsverschiedenheiten durch die Austragung einer Mensur mit anschließendem Händedruck oder gemeinsamen Bier behoben werden können, gibt es hierzu keine grundsätzlichen Einwände. Die Mensur erfolgt in beiderseitigem Einverständnis. Es gelten die im vorherigen Kapitel genannten Argumente.


Die Kontrahage (PC oder PP-Suite) gilt als gefallen, sobald dies ausgesprochen und/oder eine eingerissene Visitenkarte übergeben worden ist.


Binnen dreimal 24 Stunden (48 Stunden in Hamburg) nach der Be­leidigung ist die Forderung durch einen Kartellträger zu überbringen. Hierbei gelten Sonn- und Feiertage sowie die academici als tempus utiIe. Trifft der Kartellträger den zu Fordernden in dessen Wohnung nicht an, so hat er auf einer zurückzulassenden Karte zu bemerken, zu welcher Zeit er seinen Besuch wiederholen werde. Ist auch die­ser zweite Besuch vergeblich, so hat der Kartellträger die Forderung dem zu Fordernden in einem eingeschriebenen Briefe zu übermit­teln. Sobald die Forderung angenommen ist, „hängt die Kontra­hage“.


Der Geforderte hat sich binnen 24 Stunden (8 Tage in Hamburg) über die Annahme der Forderung zu erklären, widrigenfalls dieselbe als abgelehnt gilt.


4.2 Allgemeines zur PP- und Viritimsuite

Die Bestimmung der „Paare“ erfolgt durch die beiderseitige Reihen­folge der Listen.


Der geforderten Partei ist es gestattet, die Fordernde zu überstürzen (+3); als dann gilt erstere als die Fordernde. Eine nochmalige Über­stürzung (+6) ist nicht nach jedem Komment zulässig.


Bei PP- Suiten darf die Zahl der aufgebrummten Partien die Anzahl der von der geforderten Partei nicht übersteigen, Füchse im ersten Semester sind hierbei nicht mit zu rechnen.


Als Präsenzliste gilt diejenige, die zur Zeit des Vorfalles, der als Grund zur Aufbrummung der PP- Suite angegeben wird, ausge­tauscht war.


Die drei Chargierten treten stets gegen einander an.


In Heidelberg darf jeder Paukant bei der gleichen PP-Suite nur ein­mal antreten. Paukanten, die auf Zeit dimittiert sind, dürfen nicht he­rausgestellt werden.


Die Forderung geht höchstens auf Schläger bis zur Abfuhr.


Mit Vorbehalt der Suspension anzutreten ist nicht gestattet.


Die PP- und Viritimsuiten sind möglichst bald auszufechten.


Das PP- Verhältnis dauert solange, bis das letzte Paar gefochten hat. Solange das PP- Verhältnis andauert, dürfen die beiden Korpo­rationen ihre Mitglieder weder auf Bestimmung noch auf Kontra­hage gegen einander herausstellen. Beleidigungen und Kontraha­gen, die zwischen den beiderseitigen Mitgliedern fallen, sind zu re­vozieren (Widerrufen).


Während der Dauer des PP- Verhältnisses braucht keine Partei ein Mitglied der anderen als Unparteiischen anzuerkennen.


4.3 Die PC- und PP-Richtlinien

Die PP-Suiten dürfen nicht gestürzt werden:


  1. zur Austragung von Ehrenstreitigkeiten;

  2. von oder gegenüber einem Waffenring oder einem SC.


Wenn sich eine Korporation als solche durch eine andere gekränkt fühlt, so kann sie derselben eine PP- Suite aufbrummen. Sie muss dies schriftlich und mit Angabe der Gründe tun.


Der Antrag auf Austragung einer PP-Suite ist ungeachtet einer tele­grafischen Anzeige durch eingeschriebenen Brief, spätestens 48 Stunden nach dem Telegramm, zu übermitteln.

Der Antrag ist innerhalb von 8 Tagen, nach Eingang des einge­schriebenen Briefes, zu schriftlich beantworten. Die Frist beginnt um 0 Uhr des Tages, an dem der Antrag bei der geforderten Verbindung über eingeschriebenen Brief eingeht.


Die Verbindung, die eine PP-Suite stürzt, hat gleichzeitig mit einge­schriebenem Brief die Liste seiner Paukanten zu übersenden. Die geforderte Verbindung hat spätestens 8 Tage nach Erhalt der Pau­kantenliste ihrerseits ihre Paukanten zu annoncieren. Die Listen soll­ten als erstes die Namen der drei Chargierten enthalten, es sei denn, dass zwingende Gründe dagegen sprechen. Linksfechter sind zu bezeichnen.


Zu PP-Suiten dürfen nur die Burschen herausgestellt werden, die zum Beginn des Semesters, vor erfolgtem Stürzen, als aktiv geführt wurden.

Eine PP-Suite darf nur so viele Partien umfassen, wie die zahlen­mäßig schwächere Verbindung Burschen zum Beginn des Semes­ters gemeldet hat. Beurlaubte Burschen gelten in diesem Falle als nicht aktiv. Eine PP-Suite ist mindestens dreigliedrig.


Die geforderte Verbindung kann wie folgt reagieren:



Das Annehmen, Zurückstürzen, Verdoppeln und Ablehnen ist unge­achtet einer telegrafischen Anzeige durch eingeschriebenen Brief, die Frist zu übermitteln. Das Vorbehalten weiterer PP-Partien ist un­zulässig. Nach Ablauf genannten Fristen ist eine Annahme, ein Zu­rückstürzen oder ein Verdoppeln der PP-Partien nicht mehr möglich.


Die Sonn- und Feiertage sowie Samstage werden bei der Fristenbe­rechnung nicht mitgezählt.


Eine PP-Suite ist innerhalb von 6 Wochen nach der genannten Frist auszutragen. Wurden die PP-Partien verdoppelt oder zurückge­stürzt, so sind diese Partien anschließend, aber innerhalb von 3 Monaten nach der genannten Frist auszutragen. Zeit und Ort für die ange­nommenen PP-Partien bestimmt die geforderte Verbindung („Hin­runde“). Wurden die PP-Partien zurückgestürzt oder verdop­pelt, so bestimmt für die zurückgestürzten bzw. verdoppelten Partien der ur­sprüngliche Antragsteller Zeit und Ort der Austragung („Rück­runde“).


Zwei Wochen vor Austragung der PP-Suite muss die geforderte Verbindung der fordernden Verbindung Ort und Zeit sowie den Na­men des Unparteiischen mitteilen. Während der Semesterferien ist der Lauf aller Fristen gehemmt.


Die Verbindung, die eine PP-Suite gestürzt hat, hat seine Paukanten gemäß der auf der Liste aufgeführten Reihenfolge auf Mensur zu stellen. Die geforderte Verbindung kann in beliebiger Reihenfolge seine annoncierten Paukanten dagegenstellen.


Innerhalb einer PP-Suite (Hin- und ev. Rückrunde) darf ein und der­selbe Paukant pro Runde je einmal herausgestellt werden.


Jede PP-Partie muss, wenn nicht suspendiert wurde, mit dem Arm, mit dem zu schlagen begonnen wurde, zu Ende gefochten werden. Wird nach der Suspension die Paukunfähigkeit eines der beiden Paukanten für die Laufzeit der PP-Suite gemeldet, so gilt die sus­pendierte Partie als ausgefochten.


Eine PP-Partie geht in Hamburg über 45 scharfe Gänge. Jeder Gang hat einen Anhieb und sechs scharfe Hiebe. Für die Durchfüh­rung der einzelnen Partien gilt der vorher vereinbarte Fechtkom­ment.


Die an einer PP-Suite mittelbar Beteiligten (Sekundant, Testant, Unparteiischer) sollen einer Verbindung derjenigen Dachverbände angehören, denen auch die beiden gegeneinander fechtenden Ver­bindungen angehören. Muss ein Sekundant abtreten, darf er in der gleichen Runde nicht mehr sekundieren.


Die PP-Partien gehen allen Bestimmungsmensuren vor und stehen persönlichen Kontrahagen nach.


Zwischen Verbindungen verschiedener Waffenringe sollen aus demselben Anlass nicht mehr als vier PP-Partien gestürzt werden. Ein Rückstürzen und Verdoppeln soll möglichst unterbleiben.


Wurde weder rück gestürzt noch verdoppelt, so bestimmt die gefor­derte Verbindung Ort und Zeit der Austragung. Bei mehr als 3 Par­tien sollen die Partien jeweils zur Hälfte im Waffenring der beiden Parteien gefochten werden. Wird eine ungerade Anzahl von Partien gestürzt, soll die überzählige Partie am Ort der geforderten Verbin­dung gefochten werden.


Abbildung 45: Scherenschnitt einer Mensur



4.4 Die Bruch-PP

Wurde ein Verhältnis in Hamburg gebrochen, so steht der Verbin­dung, der das Verhältnis gekündigt wurde, das Recht der Forderung zu. Dieses Recht ist 14 Tage nach dem Bruch verjährt.



Abbildung 46: Der Keilgast













Der

Paukboden

5 Der Paukboden

Der Paukboden ist die Vorschule des Mensurbodens. Verschiedene Paukstunden zu verschiedenen Tageszeiten ermöglichen jedem Bundesbruder mindestens viermal wöchentlich eine Paukstunde zu besuchen. Der Fechtchargierte sollte mindestens fünf Paukstunden in der Woche anbieten. Bei guten Fechtbünden ist der Besuch von fünf Paukstunden Pflicht und die Aktiven nehmen dort bei jeder Gelegenheit (z.B. nach dem Mittagstisch) die Waffe in die Hand und stellen sich kurz ans Phantom.

Es empfiehlt sich in den Semesterferien eine Paukstunde in der Woche an einem festen Wochentage anzubieten. Dies kann im Rahmen ei­nes wöchentlichen Stammtisches erfolgen.


Nicht der an einem Hochschulort gefochtene Komment bringt gute oder schlechte Fechter hervor, sondern nur die innere Einstellung eines Bundes zum Fechten. Werden in einem Bund viele Partien pro Mitglied geschlagen, so sind die Paukstunden gut besucht und es gibt genug Bundesbrüder mit Mensurerfahrung. In einigen Verbindungen müssen die Inaktiven eingepaukt bleiben. Deshalb ist die Teilnahme an mindestens einer Paukstunde in der Woche für Inaktive vor Ort in einigen Satzungen festgeschrieben.


Das Fechten ist bei einer gut besuchten Paukstunde keine Pflicht­übung mehr. Der Besuch soll allen Bundesbrüdern Spaß machen und der Erholung von den Vorlesungen dienen.


Das Gruppengefühl der Bundesbrüder soll durch das Fechten ge­stärkt werden – insbesondere dann wenn man sich zusammen mit den Bundesbrüdern für einen gemeinsamen Mensurtag einpaukt (z.B.: PP-Suite). Das Motto „Einer für alle und alle für einen“ gilt ins­besondere für die sogenannten Fechtfolgen. Die Fechtfolgen (PP-Suiten) sind daher ein schützenwertes Gut.


Es ist wichtig, dass zu diesen Paukstunden so häufig wie möglich äl­tere Bundesbrüder oder Alte Herren mit ihren Erfahrungen erschei­nen. Wer regelmäßig und intensiv den Paukboden besucht, geht si­cher in die Mensur und wird für sich und den Bund eine anständige Leistung in der Mensur zeigen.

5.1 Der Fechtchargierte

Der Fechtchargierte (Zweitchargierte XX, bei Burschenschaften: Fechtwart, bei Corps: Consenior) ist für die Durchführung des ge­samten Fechtbetriebes verantwortlich. Zum Fechtchargierten ist nach Möglichkeit nicht nur einer der besten Fechter zu wählen, er muss auch pädagogische Fähigkeiten und die Persönlichkeit besit­zen sich durchzusetzen.


Verantwortlich für die Gestaltung des Paukbodens und für die jewei­lige Unterstützung durch mensurerfahrene Bundesbrüder (oder Fechtlehrer) ist der Fechtchargierte. Der Fechtchargierte muss den Paukbetrieb leiten, d.h. grundsätzlich jede Paukstunde der Woche besuchen, wenn ihm nicht für die eine oder ande­re Paukstunde der eine oder andere Bundesbrüder die Leitung abzunehmen ver­spricht. Für die Vertretung oder Unterstützung des Fechtchargierten kom­men aber nur mensurerfahrene Bundesbruder (Burschen) in Frage.


Der Fechtchargierte hat sich davon zu überzeugen, welcher Bun­desbruder wann antreten kann, die Partien mit den anderen Fecht­chargierten des örtlichen Waffenrings abzusprechen, evtl. Kontakt mit auswärtigen Bünden aufzunehmen, die Partien vom Konvent ge­nehmigen zu lassen. Die Entscheidung, wann ein Bundesbruder zu einer Partie fähig ist und zu welcher, bedarf zwar der Bestätigung durch den Konvent, ist aber teils Ermessenssache des Fechtchar­gierten, weswegen er sich ein klares Bild über die Leistung aller Bundesbrüder machen muss.


Es sollte auf dem Paukboden vermieden werden Alkohol zu trinken oder Zigaretten zu rauchen. Für Aktive sollte gelten: nicht in Alltagskleidung fechten, sondern im Sportdress. WICHTIG: Bundesbrüder dürfen nicht durch diese Empfehlungen von ihrem Besuch auf dem Pauk­boden abgehalten oder abgeschreckt werden !!!


Das Paukzeug sollte immer in einem ordentlichen Zustand gehalten werden um Unfälle auf dem Paukboden zu vermeiden und jederzeit das Einpauken der Bundesbrüder sicherzustellen zu können. Die Körbe müssen heil sein. Die Handschuhe und Stulpe müssen intakt sein und deren Benutzung darf für die Paukanten keine Gefahr dar­stellen. Es sind ausreichend Klingen, Griffe, Schlaufen etc. als Er­satz vorrätig zu halten. Es sollten 4 vollständige Sätze „Paukklamot­ten“ für das Kontrapauken (2 Paukanten und 2 Sekundanten oder 4 Pau­kanten) bereitstehen. Zusätzlich muss für den Rest der Aktivitas je eine Waffe und ein Handschuh vorhanden sein. Der Fechtchar­gierte bzw. der Paukistenwart ist für den Zustand des Paukkellers und der Paukausrüstung verantwortlich. Die Ordnungsmäßigkeit von Pauk- und Mensurzeug ist zu überprüfen und es sind gegebenen­falls beim Kassenwart neue Gegenstände zu beantra­gen.


Für die Mensurtage ist ein Paukarzt vom Fechtchargierten zu ermit­teln, außerdem müssen das Mensurzeug und das Flickzeug vom Fechtchargierten überprüft und auf seine Anordnung hin in das Men­surlokal geschafft werden. Der Fechtchargierte leitet hier den MBC und teilt die einzelnen Bun­desbrüder in die ihnen zukommen­den Aufgaben (Einkleiden, Reini­gen, Sekundieren, Testieren etc.) ein. Der Fechtchargierte hat sofort den MBC einzuberufen, wenn es von drei Burschen gefordert wird. Hält der Fechtchargierte die vereinbar­ten Partien für ungleich be­setzt, dann kann er dem Konvent Abände­rungsvorschläge machen. Das Zurückziehen einer Partie ist nur in ausgesprochenen Ausnah­mefällen zu erwägen. Wird dem Fecht­chargierte eine Partie ange­tragen, deren Besetzung er für un­gleich hält, dann erklärt er, dass er das Angebot zurückweisen müsse, weil sein Konvent die Partie nicht für aequalis erachten werde.



Abbildung 47: Die verhängte Auslage bei der steilen Terz



Amt:

Der Fechtchargierte (XX)

Amtsdauer:

1 Semester

Aufgaben:

Zur Erfüllung seiner Aufgaben sind dem Fechtchar­gierten ggfs. der Paukkistenwart sowie ggf. der Waf­fenring- Vorsit­zende unterstützend beigeordnet. Die Aufgaben sind im einzelnen:


  • Leitung der Paukstunden,

  • Erstellung der Paukantenliste (rechtzeitig !!),

  • Erstellung ggf. des Waffenring-Protokolls,

  • Annoncierung von Partien sowie deren Absprache,

  • Benennung von Unparteiischen und Sekundanten,

  • Rechtzeitige Sicherstellung des Vorhandenseins eines Paukarztes,

  • Bereithaltung von Mensurkarten,

  • Führung seines spezifischen Schriftverkehrs und dessen Ablage (Waffenring, PP-Angelegenheiten etc.),

  • Sicherstellung der Reinigung des Mensurzeugs nach Par­tien,

  • Sicherstellung des An- und Abtransportes des Mensur­zeugs bei Mensurtagen,

  • Rechtzeitige, satzungsgemäße Erstellung des Semester­berichts,

  • Erstellung eines Bedarfsplanes für das nächste Semes­ter,

  • Einladung AHAH zu Mensurtagen - schriftlich oder telefo­nisch,

  • Führen des Mensurbuches und des Paukbuches,

  • Aufgaben des Paukkistenwartes sofern keiner er­nannt wurde.

Übergabe:

Nach Entlastung durch den Konvent an Amtsnach­folge: spätestens 10 Tage nach Entlastung.

Sonstiges:

Der Fechtchargierte hat das Recht und die Pflicht, andere Bundesbrüder zur Unterstützung seiner Aufgaben heran­zuziehen, speziell zu Protokoll­zwecken, der Durch­führung von Mensurtagen und der Reinigung und In­standhaltung des Pauk- und Mensurzeugs.



Abbil­dung 48: Der Paukant auf dem Pauk­boden



Amt:

Der Paukkistenwart

Amtsdauer:

1 Semester

Aufgaben:

  • Verwaltung des Pauk- und Mensurzeugs,

  • Führung eines Inventarverzeichnisses,

  • Einholung von Angeboten,

  • Bestellungen und Rechnungsbegleichungen seines Be­reiches,

  • Erstellung eines Erfahrungsberichts.

Übergabe:

  • nach Prüfung durch den Fechtchargierten zum Semes­terabschlusskonvent, frühestens jedoch 10 Tage davor,

  • Nach Prüfung durch den Amtsnachfolger nach Semes­terabschlusskonvent, spätestens aber 10 Tage danach.

Sonstiges:

Der Paukistenwart führt seinen Amtsbereich selb­ständig, übernimmt nach eigenem Ermessen Auf­gaben der Pau­kanten wie:


  • Reparatur des Pauk- und Mensurzeugs, (Schuhster/Sattler)

  • Einziehen von Klingen,

  • Schleifen von Klingen etc.


Werden Mensuren in den Semesterferien ausgetragen ist grundsätz­lich der Fechtchargierte des letzten Semesters für den ordentlichen Ablauf verant­wortlich, sofern von den Konventen keine anderen Re­gelungen getroffen wurden. Die Mensurvorbereitungen sind mit dem Ferienvertreter und den Paukanten abzustimmen.


Die Hauptaufgabe des Fechtchargierten ist es, sich für die Köpfe der Bun­desbrüder -in jeder Beziehung- verantwortlich zu fühlen !!! Er hat dafür Sorge zu tragen, dass die Bundesbrüder ausreichend eingepaukt sind. In Ausnahmefällen können Strafen auf den Konventen auf der Basis eines Paukbuches verhängt oder die aktiven Bundesbrüder durch die Androhung einer möglichen Fechtfolge motiviert werden den Paukboden regelmäßig zu besuchen. Eine Befreiung von der Paukpflicht ist den Bundesbrüdern in be­sonderen Umständen (z.B. Studienverpflichtung, Krankheit, Todesfälle) zu gewähren. Die verlorenen Paukstunden sollten in diesen Fällen nach­geholt werden.



Abbildung 49: Baltische Mensur (Ehrenhändel) in Dorpat um 1910


5.2 Die kommentgemäße Waffe


Die kommentgemäße Waffe ist der Korbschläger (Kor­brappier), in Berlin ist es der Glockeschläger.


Der Korbschläger besteht aus:


  • dem Korb inkl. Nuss,

  • dem Griff,

  • einer Schlaufe,

  • der geraden Klinge

  • und einer Sicherungsmut­ter für den Zusam­menbau des Schlägers.


Zusätzliche sollten Verdrehsi­cherungen (z.B.: spezielle Unter­legscheiben) eingesetzt werden.


Der Korbschläger ist benannt nach dem Korb, welcher den Griff umschließt. Seine Klinge ist in Länge und Schliff ähnlich der des Glockenschlägers.

Allerdings ist der Klingen-Quer­schnitt rhomboidal, es fehlen die Blutrinnen; insofern ist die Klinge schwerer und starrer als die Glockenklinge.


Das Gewicht der Waffe liegt bei ca. 900 g und wird im Laufe einer Paukstunde immer „schwerer“.




Abbildung 50: Der Korbschläger



Benannt ist der Glockenschläger nach seinem Griff bzw. dem umschließenden Gefäß. Seine Klinge ist meist knappe 90 cm lang; die Vorschneide ist über die Hälfte, die Rückschneide über ein Viertel der Länge geschliffen und die Spitze ist abgerundet, um Stoßverletzungen zu vermeiden. Die Klinge hat ei­nen ellipsoiden Querschnitt und weist zur Rück­schneide hin beiderseits eine Blutrinne auf, weswe­gen sie re­lativ leicht und elastisch istt.


Man umfasst mit dem Zeigefinger der rechten Hand den Teil des Stegs, welcher mit dem Bügel in Ver­bindung steht und nimmt das in der Glocke ange­brachte Leder unter den Zeigefinger, so dass der Steg denselben nicht zu drücken vermag. Der Dau­men wird auf der dem Zeigefinger entgegengesetz­ten Seite längs des Griffs so ausgestreckt, dass der Daumen über das vordere Glied des Zeigefingers zu liegen kommt und sich somit beide Finger unter der Wölbung der Glocke befinden. Die letzten drei Fin­ger umschließen den Griff. Die Hand steckt übrigens in einem besonderen Handschuh mit einem großen gewölbten Kissen auf der Oberseite des Handschu­hes.



Abbildung 51: Der Glockenschläger


Das Gewicht der Waffe sollte der physischen Kraft des Fechters einiger­maßen angepasst sein. Es ist falsch, wenn schwache Fechter das Wachsen ihrer Kraft durch die Wahl eines möglichst schweren Waffe fördern wollen. Die Geschicklichkeit des Fechters und seine Technik wird nur durch eine adäquate Waffe gefördert.


Der Schwerpunkt der Waffe sollte kurz vor der Nuss liegen. Liegt der Schwerpunkt zu nah an der Klingenspitze wird zum einen der Schwung bzw. die Wucht des Hiebes verstärkt aber das Hemmen dieses Schwunges bzw. das Umsetzen und Überstürzen von Hieben wird erschwert. Die Füh­rung einer nicht ausbalancierten Waffe er­fordert mehr Kraft, belastet die Gelenke und verschlechtert die Technik des Fechters.



Abbildung 52: Mensur auf Glocke, Holschnitt von Werner Zehme um 1895





5.2.1 Der Korb

Auf dem Paukboden wird mit dem offenen Paukkorb gefochten. Auf dem Mensurboden wird mit einem geschlossenen Korb gefochten, der die Far­ben des Bundes enthält.



Abbildung 53: Der Paukkorb



Abbildung 54: Der Mensurkorb



Der Korb soll nicht höher als 18 cm und nicht breiter als 25 cm sein. Er soll mit drei oder vier Querbügeln und einem Terzbügel versehen sein.


Der Korb besteht aus einem Schild (Stichblatt) mit eingelassener Nuss für die Klinge, dem Hauptbügel der in die Schlagrichtung weist, dem Terzbügel der für Rechtshänder auf der linken und für Links­händer auf der rechten Seite am Griffende befestigt ist und diversen Schutzbügeln. Der Schild und die Bügel sind miteinander ver­schweißt bzw. genietet.


Der kleine Terzbügel der unter dem kleinen Finger liegt dient in der ver­hängten Auslage dem Schutz der Finger während einer gegneri­schen Terz. Der Terzbügel schränkt aber den Gebrauch des Schlä­gers ein.


Es gibt unterschiedliche breite und unterschiedlich tiefe Körbe die in Ab­hängigkeit von der Handgröße gewählt werden sollten. In der Regel sollten große Körbe beim Coleurhändler bestellt werden, da diese Körbe das Schwippen und Fechten der Terz erleichtern. Zu kleine Körbe behindern schnell die Paukanten beim Fechten.


5.2.2 Die Paukklinge

Die Paukklingen müssen zwischen 85 und 88 cm lang und an der Spitze mindestens 9 mm breit sein. Sie sind ungeschliffen.


Im Hinblick auf Gewicht und Elastizität unterscheidet man zwischen 1., 2. und 3.Klingen. Die 1. Klinge ist die leichteste und biegsamste Klinge.


Die Paukklinge hat an dem einen Ende ein Gewinde. Nach dem Zusam­menbau der Waffe sollte das überstehende Gewinde abgesägt und entgra­tet werden, um Verletzungen der Hand und Beschädigungen des Paukhand­schuhs zu vermeiden.


5.2.3 Der Griff des Korbschlägers

Der Daumen der Fechthand ruht auf der Daumenmulde des Schlä­gergriffes und rutscht beim Schwippen auf der Mulde vor und zurück. Durch das Schwippen werden die Hiebe erst schwungvoll und treff­fähig. Damit dies gelingt darf die Waffe nicht zu fest gehalten werden.


Rahmen34


Mit dem Daumen auf der Daumenmulde des Griffes erhält man die notwen­dige Führung des Schlägers. Durch das Aneinanderpressen von Dau­men und Zeigefinger wird die Waffe gehalten und geführt. Der Griff wird mit den anderen drei Fingern so gefasst, dass er auf dem Handballen der Kleinfin­gerseite liegt. Das mittlere Glied des Zeigefingers bleibt dabei un­verändert in der Schlinge.


Der Griff der Waffe besteht aus Holz oder Kunststoff und ist entwe­der mit Fischhaut (wie Schmirgelpapier), Leder oder einer Kordel (Band) umwickelt. Diese Bespannung sollte ein Mindestmaß an Rutschfestigkeit gewährleis­ten.


Es gibt Griffe mit unterschiedlicher Breite und/oder unterschiedlicher Länge. Die Breite der Griffmulde sollte der Breite des behandschuh­ten Daumen entsprechen. Die Grifflänge darf nicht zu kurz gewählt werden. Ein zu schmaler Griff erschwert den Umgang (Eindrehen und Ausrichten) mit der Waffe.


5.2.4 Die Lederschlaufe des Korbschlägers

Das mittlere Glied des Zeigefingers steckt in der Lederschlaufe des Korbes. Durch die Lederschlaufe wird die Gefahr den Schläger zu verlieren vermin­dert.


Die Breite der Schlaufe sollte maximal der Breite des behandschuh­ten mitt­leren Zeigefingers entsprechen. Die Lederschlaufe darf nicht zu lang und nicht zu kurz sein, damit zum einen eine Führung (z.B.: Zug beim Schwip­pen) der Waffe gewährleistet ist und zum anderen die Fingergelenke nicht verpaukt werden. Der Schlitz der Lederschlaufen kann vorsichtig mit einem Messer oder einer Lochzange auf die optimale Länge verlängert werden.


Die Schlinge (Schleife) aus z.B. Kalbsleder dehnt sich durch den Gebrauch mit der Zeit aus, zerplatzt und muss durch eine neue er­setzt werden.


5.3 Das Paukzeug

Geschützt werden müssen: Kopf, Hals, beide Schultern, Arm und Hand des Fechtarmes, Brust und Unterleib.


Die Paukanten tragen die folgenden Bandagen:



Die Pauksachen werden von der Verbindung gestellt. Für den ordentlichen Zustand ist zunächst der Fechtwart verantwortlich. Erforderliche Näharbei­ten (Handschuh oder Stulp) können z.B. durch einen Schuster ausgeführt wer­den. Kleinere Näharbeiten sind von der Aktivitas vorzunehmen.


Um die „Sollbruchstellen“ (Handwurzelknochen und Elle) der Paukanten auf dem Paukboden zu schützen, können die Handschuhe und Paukstulps durch zusätzliche Bandagen und Leder verstärkt werden.




Abbildung 56: Verschiedene Pauksachen



5.4 Der sichere Stand

Die Fechtausbildung beginnt mit der Erlernung des sicheren Stan­des. Die Fußspitzen stehen auf gleicher Höhe, wobei die Fußspitzen leicht einwärts geneigt sein dürfen. Die Knie sind durchgedrückt.


Die Schultern des Paukanten dürfen nicht nennenswert von der Fer­senlinie abweichen (Schulterzwang). Eine Seitwärts- oder Rück­wärtsverlagerung ist nicht gestattet.


Die Fersen müssen stets den Boden berühren.

5.5 Das Phantom

Das Fechten (d.h. die Hiebe und Hiebkombinationen) wird an einem soge­nannten Phantom (Mungo, „Eisenmann“) geübt. Ein erfahrener Bundesbru­der kann hierbei Hilfestellung geben und auf Haltungsfeh­ler achten.


Das Phantom ist z.B. ein einfacher dicker Holzbalken, der auf einem Holz­kreuz steht. Der Kopf wird durch einen halben aufgenagelten Autoreifen si­muliert. Dies schützt gleichzeitig die Waffe, die Handge­lenke und das Phan­tom.


5.6 Das Kontrapauken

Beim Kontrapauken wird die Mensur in voller Schutzausrüstung (Helm, Plastron, Handschuh und Armstulp) und mit dem Paukschlä­ger simuliert. Das „Mensurteam“ besteht hier in der Regel nur aus den Paukanten und ei­nem erfahre­nen Bundesbruder als „Unparteiischer“, welcher die erforderli­chen Kom­mandos gibt, z.B.: „Hoch Bitte“ – „Fertig“ – „Los“„Halt“.


Beim Kontrapauken werden insbesondere die eingepaukten Hiebe unter realen Bedingungen überprüft. Des weiteren werden die Aus­lage, die An­hiebe und das Befolgen der Kommandos eingeübt.


Sofern die Kommandos des Unparteiischen von den Paukanten missachtet werden, können vom „Unparteiischen“ erzieherische Maßnahmen wie Knie­beugen oder Liegestütze eingesetzt werden. Bei wiederholter Missachtung der Kommandos kann die Anzahl der Kniebeugen oder Liegestütze erhöht werden.


Das Verdrehen kann dem Paukanten durch eine Klinge die gegen das linke Schulterblatt von hinten gedrückt wird, deutlich gemacht werden. Die sons­tige Wahrung der Haltung kann nur durch wiederholte Ermahnung eingeübt und verbessert werden.



5.7 Die Auslagen

Beim Kontrapauken sollten die verschiedenen Kombinationen der Auslagen geübt werden, da man nie wissen kann, wann man auf ei­nem fremden Komment fechten muss:



5.7.1 Die steile Auslage

Bei der steilen Auslage liegt der Oberarm des Fechtarmes (der rechte Arm) am rechten Ohr an. Der Arm ist gehoben. Die Klingen­spitze, der Korb, das Handgelenk und die Schulter bilden eine verti­kale Linie, welche den Kopf gegen Treffer auf der Terzseite schüt­zen.


Ein Schutz gegen Treffer auf Quart besteht nicht. In vielen Fecht­komments ist diese Position Ausgangsbasis für den Anhieb.

A
bbildung 57: Die steile Auslage




5.7.2 Die steil-vorge­setzte Auslage

Bei der steil-vorgesetz­ten Auslage liegt der Korb bei Rechtshändern ober­halb der linken Augenbraue, der Bizeps berührt die Mund/Kinn-Partie, der Ellenbogen befindet sich unten links auf der Höhe der Schulterlinie, die Klinge steht senkrecht und weist zur Decke. Das Handgelenk und die Schul­ter bilden eine Diagonale. Der Arm und die steil erhobene Klinge de­cken (vorsetzen) die Quartseite gegen Tref­fer bzw. gegen Prim. Der Hauptbügel weist in Richtung des Phan­toms. Mit dem rechten Auge kann der Paukant das Phantom bzw. den Gegenpaukanten gerade eben noch sehen.


Die steil-vorgesetzte Auslage bietet keinen Schutz gegen die Hoch­terz, Ho­rizontalterz und den Spicker (Tiefterz). Aus der steil-vorge­setzten Auslage können alle Hiebe geschlagen werden.


5.7.3 Die verhängte Auslage

Bei der verhängten Auslage liegt der Korb bei Rechtshändern ober­halb der linken Augenbraue, der Ellenbogen befindet sich oberhalb des rechten Oh­res, der Bizeps liegt am rechten Ohr an und die Klin­genspitze weist in 45° auf der eigenen Quartseite nach unten vorn (unterhalb 0°). Der Oberarm deckt die Terzseite gegen Treffer, der Unterarm deckt gegen die Prim und die Klinge deckt dabei gegen horizontale und tiefe Treffer. Der Hauptbügel der Waffe weist vom Körper derart weg, dass durch den Gegendruck des Daumens man der Wucht der gegnerischen Hiebe standhalten kann.


Abbildung 58: Die verhängte Auslage




Die verhängte Auslage (sichere Auslage) bietet Vollschutz gegen alle Tref­fer, mit Ausnahme des Spickers. Der Spicker ist deshalb bei Rechts-Rechts-Partien verboten.


Aus der verhängten Auslage wird in der Regel die Klinge in die steile-vor­gesetzte Aus­lage aufgezogen um einen Hieb zu schlagen. Durch das He­rabsenken des Ellenbogens beschreibt die Klinge einen Halbkreis der die Klingenspitze hinter die eigene linke Rückseite trägt und von dort in Folge in die steil-vor­gesetzte Auslage bringt. Das Handgelenk bleibt dabei als Dreh­punkt an Ort und Stelle. Während des Bewegungsablaufes muss die Klinge derart durch Eindrehen des Handgelenkes gedreht werden, dass im aufge­zogenen Zu­stand d.h. heißt in der steil-vorgesetzten Auslage der Hauptbü­gel erneut in Richtung des Gegners zeigt.



5.7.4 Die steil-abgedrehte Position

Die steil-abgedrehte Position ist im wesentlichen mit der verhängten Aus­lage identisch. Der Arm (Handgelenk und Ellenbogen) nimmt die gleiche Posi­tion ein wie in der verhängten Auslage. Die Klingen­spitze ist jedoch steil erho­ben (oberhalb 0°) und befindet sich nahe am Kopf des Gegen­paukanten auf der Höhe der Hochterz. Die Hauptschneide weist zum Him­mel.


Diese Position wird direkt nach dem Abdrehen eines Hiebes einge­nommen. Es handelt sich hierbei um keine echte Auslage, sondern vielmehr um eine spezielle Position im Fechtablauf. Die Position dient der Beschreibung der Abdrehbewegung beim Fechten. Es handelt sich um den Punkt beim Abdrehen, bei dem die Hauptschneide der Klinge innerhalb der Fechtbewegung gedreht werden muss.


5.8 Die Bewegung der Klingenspitze

Die Klingenspitze kann sich in einem annähernd kugelförmigen Raum be­wegen. Der Mittelpunkt dieses kugelförmigen Raumes ist das Handgelenk.


Abbildung 59: Die Raumkoordinaten der Klingenbahn



Da die Länge der Waffe (L) gekannt ist, kann die Klingenbewegung mit Hilfe des Satzes des Pythagoras im Raum beschrieben werden. Für die Raum­koordinaten (X, Y, Z) der Klingenspitze folgt aus der Beziehung L2=L`2+Y2 und der Beziehung L'2=X2+Z2 die folgende Gleichung:


L2=X2+Y2+Z2


Ist die Bewegungsbahn in einer Ansicht (X,Y) bekannt, so können die bei­den anderen Ansichten (X,Z), (Y,Z) berechnet werden. Die Bewegungsab­läufe z.B. der abgedrehten Quart können somit in den drei Ansichten (von Oben, von Hinten, von der Seite) grafisch dargestellt werden.


5.9 Die Hiebe

Die folgenden Hiebe sind z.B. möglich:


Abbildung 60: Übersicht über die Hiebe bzw. Treffer am Kopf



Auf der Terzseite (Linke Kopfhälfte des Gegners):


In der Mitte:


Auf der Quartseite (Rechte Kopfhälfte des Gegners):


Die Sekunde (steiler Spieker) und die Priem haben keine praktische Bedeu­tung.


Die Hiebe sollten in einem kraftvollem, volltönendem und schep­pernd nachklingendem Treffer enden.



In der Regel muss die Waffe mit dem Zeigefinger in der Schlaufe und der Daumen auf der Griffmulde des Schlägergriffes aus der verhangenen in die steil vorgesetzte Auslage gebracht werden, der Hieb geführt (scharf ge­schlagen) wer­den und sofort in die gesicherte Lage (ver­hangene Auslage) gebracht wer­den. Der Ablauf des Hiebes muss ohne zögern und in mehr­maliger Wie­derholung durchgeführt werden.


Die Hiebe sind einer Pendelbewegung vergleichbar, welche den größten Schwung zum Zeitpunkt des Treffers haben. Die Klingen­spitze bewegt sich dabei möglichst auf gedachten Scheiben (0°, 45°, 90°). Die Faust und die Klinge müssen entsprechend dem Winkel des Hiebes gesetzt werden. Der Drehpunkt der Bewegung ist in je­dem Fall das Handgelenk.


Geübt werden neue Hiebe oder Doppelhieb oder Hiebkombinationen durch die Zerlegung der Bewegungsabläufe in einzelne Segmente (Halteposition). Beispielsweise wird die abgedrehte Terz wie folgt zerlegt:


  1. Beginn - Steil-abgedrehte Position bei Terz,

  2. Verhängte Auslage,

  3. Steil-vorgesetzte Auslage,

  4. Terz schlagen und (in der „Wunde“) abdrehen - Ende.


Bei den einzelnen Stationen des Bewegungsablaufes ist jeweils die Hal­tung, der Schutz und die Lage der Klingenspitze zu überprüfen. Das Ver­weilen an den einzelnen Haltepositionen wird immer mehr verkürzt und der Hieb wird immer flüssiger ausgeführt, bis der Bewegungsablauf flüssig ausgeführt werden kann.


Neue Hiebe dürfen am Phantom ohne Armstulp geübt werden, da hier durch die einzelnen Bewegungsabläufe und die Haltung auch im Selbst­studium besser kon­trolliert werden können.


Wird beim Fechten die Position des Ellenbogens geändert (z.B.: beim We­deln, beim Abdrehen, beim Verhängen, beim Aufziehen) so ist grundsätzlich zuerst der Ellenbogen in Bewegung zu setzen. Erst an zweiter Stelle darf das Handgelenk „bewusst“ die Bewegung un­terstützen.


Alle Hiebe werden in der Regel aus der steil-vorgesetzten Auslage geführt. Die Hiebe dürfen nicht mit einer Ausholbewegung beginnen, da dies zu lange dauert. Dies gilt besonders bei Doppelhieben.



Aus dem nachfolgendem Strukturbild können die verschiedenen Doppelhieb oder Hiebkombinationen hergeleitet werden. Die gestrichelten Linien stellen unübliche aber mögliche Bewegungsabläufe dar.





Abbildung 61: Die Bewegungsabläufe des Schlägerfechtens




5.9.1 Die hohe Terz

Aus der steil-vorgesetzten Auslage wird der Hieb im 45° Winkel mit der Haupt­schneide auf die linke obere Hälfte des Phantomkopfes geschlagen. Nach dem Tref­fer wandert die Klingenspitze auf dem gleichen Weg zurück in die steil-vor­gesetzte Auslage.


Nach dem Terz-Treffer kann die Klinge entweder in die steile-vorgesetzte Aus­lage zu­rückkehren oder abgedreht werden. Die steile Terz kann mit dem Korb­schläger leichter als mit dem Glockenschläger gefochten werden.



Abbildung 62: Die Terz beim Kontrapauken



5.9.2 Die abgedrehte Terz

Die hohe Terz kann auch abgedreht gefochten werden. Bei der abgedreh­ten Terz wird mit dem Treffer auf die Terzseite der Gegners der Ellenbogen nach oben geris­sen. Die Klingenspitze dreht dabei in der „Wunde“ d.h. die Klingenspitze beschreibt einen kleinen Kreis (Geldstück­groß). Die Haupt­schneide der Klinge wird dadurch nach oben in die steil-abgedrehte Position gedreht. Die Klingenspitze wird im An­schluss eng am Phantom nach unten geführt und wandert dabei durch die verhängte Auslage, zurück in die steil-vorgesetzte Auslage.


Abbildung 63: Die Bewegungsbahn der Klingenspitze bei der abgedrehten Terz



5.9.3 Die hohe Quart

Aus der stei­len Aus­lage wird der Hieb im 45° Win­kel mit der Haupt­schneide auf die rechte obere Hälfte des Phantomkopfes geschla­gen. Nach dem Treffer wandert die Klingenspitze auf dem gleichen Weg zurück in die steil-vorgesetzte Auslage. Die Quart kann mit gestrecktem oder an­gewinkeltem Arm gefoch­ten werden.

Nach dem Quart-Treffer kann die Klinge entweder in die steile Aus­lage zu­rückkehren oder abgedreht werden.


Abbildung 64: Die Quart beim Kontrapauken



5.9.4 Die abgedrehte Quart

Die hohe Quart kann auch abgedreht gefochten werden. Bei der abgedreh­ten Quart wird mit dem Treffer auf die Quartseite des Gegners der eigene Ellenbogen nach oben ge­rissen. Die Klingenspitze beschreibt hierbei einen Halbkreis von der Quart­seite über den Phantomkopf zur Terzseite. Die Hauptschneide der Klinge wird dadurch nach oben in die steil-abgedrehte Position gedreht. Die Klin­genspitze wird im Anschluss eng am Phantom nach unten geführt und wandert dabei durch die verhängte Auslage, zurück in die steil-vorgesetzte Auslage.



Abbildung 65: Die Bewegungsbahn der Klingenspitze bei der abgedrehten Quart



5.9.5 Der Zieher

Die Zieher wird aus der steil-vorgesetzten Auslage gefochten. Die Klingen­spitze kippt dabei aus der steilen Auslage nach hinten ab und beschreibt einen Halb­kreis möglichst eng am eigenen Körper bis zum Treffer auf die tiefe Quart. Der Daumen und der Zeigefinger führen die Waffe. Die drei restlichen Fin­ger geben die Waffe bis kurz vor dem Treffer frei.


Abbildung 66: Die Bewegungsbahn der Klingenspitze beim Zieher



Die Klingenspitze muss möglichst steil d.h. eng am Körper geführt werden um unter die Deckung (die Klinge) des Gegenpaukanten zu gelangen und einen Treffer zu erzielen. Die Bewegung der Klingen­spitze ist in etwa spie­gelbildlich zu dem Bewegungsablauf beim Verhängen auf der eigenen Quartseite bzw. einem Spicker.


Die Klingenspitze wird hier - im Gegensatz zur Tiefquart - durchge­zogen bis die steile Auslage erneut erreicht ist. Bei einer Tiefquart wandert die Klin­genspitze nach dem Treffer auf der Gegenseite auf dem gleichen Weg zu­rück in die steil-vorgesetzte Auslage.

Der Zieher kann im Gang, als Anhieb, als Doppelhieb oder in Kom­bination geschlagen werden. Der Zieher darf nur in tiefen Partien geschlagen wer­den.


5.9.6 Die horizontale Quart

Im Gegensatz zur steilen Hochquart wird die Klinge nicht durch die steil-vorgesetzte Auslage auf Treffer gesetzt, sondern hinter dem eigenen Kopf horizontal in Richtung auf den Gegner geführt. Der Hieb wird vorgesetzt ausgeführt.


Die horizontale Quart kann sowohl aus der steil-vorgesetzten Auslage direkt geschlagen werden, als auch aus der Abdrehbewegung oder aus der verhängten Auslage heraus ausgeführt werden. Der Hieb kann auch als Doppelhieb geschlagen werden. Der Hieb ist auch als gewedelter Hieb sehr gebräuchlich und wird gerne von kräftigeren Fechtern verwendet.


Viele Anfänger machen meist den schweren Fehler die Faust bei dem Hieb und somit die Deckung zu senken, damit die Klinge eine saubere horizontale Kreisbahn beschreibt. Da der Hieb meist kraftvoll ausgeführt wird, droht die eigene Deckung zusätzlich durch das Trägheitsmoment der Klinge zu wandern.



5.9.7 Die Sonderhiebe

Es gibt zahlreiche Sonderhiebe wie die Bonner Schleife oder die Hallenser Terz, die sich aus den Standardbewegungen ableiten lassen.


Bei der Hallenser Terz wird die Klinge aus der steil-vorgesetzten Auslage als angetäuschte Hochquart auf der Quartseite des Gegners vorbei als Finte geführt. Die Klingenspitze beschreibt dabei einen Kreis auf der Quartseite (Zieher rückwärts) um stark beschleunigt die steil-vorgesetzten Auslage erneut zu durchlaufen. Die Klinge trifft anschließend auf der Terzseite als hoher verzögerter Hieb.

Als horizontale Variation kann die Klinge anstatt durch die steil-vorgesetzte Auslage hindurch, hinter dem eigenen Kopf horizontal geführt und auf Horizontalterz gesetzt werden.


Die Generalterz ist eine horizontal gefochtene Terz. Als Vorbereitung auf diesen Hieb kann die Klinge beispielsweise aus der steil-vorgesetzten Auslage in die verhängte Auslage gebracht werden. Aus der verhängten Auslage wird die Klingenspitze nicht durch die steil-vorgesetzte Auslage sondern horizontal derart hinter dem eigenen Kopf geführt, dass die Rückschneide der Klinge den Gegner auf horizontaler Position zu treffen droht. Hierbei handelt es sich allerdings um eine Finte, da kein Treffer zu diesem Zeitpunkt erfolgt. Aus dieser gespannten Position heraus wird die Klinge horizontal in Richtung auf die Terzseite des Gegners beschleunigt. Es handelt sich bei der Generalterz um einen verzögerten Hieb. Nach dem Treffer kann die Klinge beispielsweise abgedreht und durch die verhängte Auslage erneut in die steil-vorgesetzte Anfangsposition gebracht werden. Die Generalterz ist schwierig auszuführen, da die Klinge leicht fallen kann und als Komment-widriger Hieb auf Spicker (Tiefe Terz) zu treffen droht. Der Hieb selbst wird nicht vorgesetzt ausgeführt und ist daher auch für den Ausführenden nicht ungefährlich.


Die Bonner Schleife dient in der Regel als Vorbereitung auf einen Zieher. Zunächst wird die Klingenspitze aus der steil-vorgesetzten Auslage in die verhängte Auslage gebracht. Die Klingenspitze bewegt sich weiter durch die steil-abgedrehte Position. In dieser Position muss die Rückschneide der Klinge von oben nach unten gedreht werden (Abdrehen rückwärts). Anschließend wird die Klinge weiter bis zur steil-vorgesetzten Position geführt. Aus dem Schwung heraus wird der Zieher geschlagen. Die Bonner Schleife kann genutzt werden, um die Anzieher des Gegners abzuwehren und um selber direkt aus der Bewegung heraus zum Angriff überzugehen.



5.10 Der Anhieb

Der Hieb, der zwischen zwei sich gegenüberstehenden Fechtern beim zuerst fällt, wird „Anhieb“ und der Hieb, welchen der angegriffene Teil auf den An­hieb folgen lässt, wird beim klassischen Fechten „Nachhieb“ genannt. Ein An­hieb hat gewöhnlich nur die Bestimmung, den Gang (das Gefecht) zu eröffnen. Es versteht sich, dass nur ein einzelner Hieb „Nachhieb“ genannt werden kann. Zwei Nach­hiebe werden ein „Doppelhieb“ genannt. Spätestens nach einem Doppelhieb wird die Klingenspitze in die verhängte Auslage zurückgeführt.


Soll der „Nachhieb“ möglichst wirk­sam ge­staltet werden, so ist der Gegner zu beobachten:


5.11 Das Parieren und die Finte

Das Parieren heißt, dass wir unsere Waffe dem Angriff des Gegners so entgegensetzten, dass wir von dessen Hieb nicht getroffen wer­den. Bei dem akademischen Fechten mit dem Schläger gibt es zwei Möglichkeiten ei­nen Hieb zu pa­rieren:



Allerdings fällt es heutzutage auch einem guten und geübten Fechter auf­grund der schnellen Hiebfolge schwer zu parieren. Die Gründe sind:



Aufgrund des schnellen Hiebfechtens hat die bewusste Parade nur noch eine untergeordnete Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist auch das Antäuschen (Finten) von Hieben zu sehen, welches vom Gegner kaum wahrgenommen wird.


Bei schnellen und kräftigen Fechtern wird man leider selten ein gu­tes, tech­nisch sauberes und variantenreiches Fechten mit Finten und Paraden se­hen. Dies liegt in der Natur des heutigen akademischen Fechtens.



5.12 Das Tempo

Man unterscheidet zwischen dem Wechseltempo und dem A-Tempo. Beide Tempi sollten beim Kontrapauken geübt werden. Das Wech­seltempo ist in einigen Komments fest vorgeschrieben (z.B.: bei ho­hen Partien).


5.12.1 Das Wechseltempo

Beim Wechseltempo erwidern die Paukanten im wechselnder Folge die Hiebe des Gegenpaukanten. Nach jeder Parade führt der Gegner einen seiner Angriffe durch.


Das Wechseltempo hat seine Bedeutung bei hohen Partien (1.Hoch) und ist somit das Tempo für den Anfänger. Bessere Fechter haben sich beim Kon­trapauken dem Anfänger gegenüber zurückzuhalten und sind aufgefordert den Anfänger in einem vernünftigen Rahmen zu schonen. Es ist wenn mög­lich zu vermeiden zwei ungeübte Fechte auf dem Paukboden mitei­nander Fechten zu lassen.


Bei tiefen Partien kann das Wechseltempo („Das Tu mir nichts – tu ich dir auch nichts Tempo.“) durch Doppelhiebe oder verzögerte Hiebe durchbro­chen werden. Die Doppelhiebe dienen mit als Ge­genbewegung gegen Tempohiebe.


5.12.2 Das A-Tempo

Beim A-Tempo (kontratempo) kann der Angriff zeitgleich mit dem Angriff des Gegenpaukanten erfolgen.


Die Herausforderung für den Paukanten besteht im A-Tempo darin, den ge­nauen Zeitpunkt zu finden, in dem der Gegenpaukant von der verhängten Auslage in die steil-vorgesetzte Auslage zu einem Hieb aufziehen will. In diesem Augenblick ist der Gegenpaukant für einen kurzen Augenblick un­gedeckt. Um diesen Zeitpunkt abzupassen, kann das eigene Tempo theoretisch ver­langsamt (verzögern, schleifen (Hallen­ser Terz) oder größere Kreise z.B. beim Abdrehen) oder beschleu­nigt (Doppelhiebe oder Hiebkombinationen) werden. In den meisten Komments ist das Lauern ausdrücklich nicht erlaubt. Die Klingenspitze muss in jedem Fall in Bewegung bleiben.

Die große Kunst beim A-Tempo besteht darin, den Gegenpaukanten zu tref­fen, ohne selbst getroffen zu werden.

5.13 Ein Zeitplan für die Fechtausbildung

Das Ausbildungsprogramm muss an die Möglichkeiten der Paukan­ten an­gepasst werden.


5.13.1 Die Fechtausbildung nach Semestern

Semester

Die Hiebe

Bemerkungen

1.Semester

Schwippen, Terz, Quart

Alle Hiebe sollten zu­erst abgedreht geübt werden.

2.Semester

Anhiebe (An-Terz, An-Quart), überstürzte Quart, Doppelquart, Kippterz, Doppelterz

1.Hochpartie

3.Semester

Horizontalquart, Zieher, Tief­quart, Rückschneidenterz

1.Tiefpartie

4.Semester

Alle Hiebkombinationen (z.B.: An-Durch) inkl. aller Doppelhiebe z.B.: (Doppelterz)

2.Tiefpartie


5.13.2 Die Fechtausbildung nach Hieben

Hiebe

Gewedelt

Abgedreht

Anhiebe

Bemerkungen

Schwippen

1.Semester

---

---

Prim ohne Ab­drehen, nur als

Übungshieb

Hohe Terz

1.Semester (Doppelterz)

1.Semester (Rollterz)

2.Semester

---

Hohe Quart

1.Semester

1.Semester

2.Semester

---

Überstürzte Hochquart

2.Semester

2.Semester

2.Semester

mit gestreck­tem Arm, leicht ge­schraubt

Rück-Schneiden-Terz

---

3.Semester

3.Semester

z.T. in eini­gen Kom­ments verbo­ten

Hacken-Quart

(Hacke)

3.Semester

3.Semester

3.Semester

versetzte Quart

(Schulter­zwang be­achten)

Horizontale Quart

3.Semester

3.Semester

3.Semester

---

Horizontale Terz

---

3.Semester

3.Semester

---

Zieher

3.Semester

3.Semester

3.Semester

durchgezogene Tiefquart

Tiefquart

3.Semester

3.Semester

3.Semester

---


5.13.3 Ein Semesterprogramm für Doppelhiebe und Hiebkombinatio­nen

Die hier genannten Doppelhiebe und Hiebkombinationen bestehen aus zwei Hieben. Zwischen den beiden Hieben wird nicht in die ver­hängte Auslage gegangen. Die Hiebe werden überstürzt. Nach dem 1.Hieb wird die Klinge in die steile Auslage gebracht. Aus der steilen Auslage wird der zweite Hieb gefochten. Zwischen dem 1. und 2. Hieb wird die sichere (verhängte) Aus­lage nicht eingenommen.


Doppelhiebe

1.Hieb:

Quart

1.Hieb:

Terz

1.Hieb:

Zieher

2.Hieb:

Quart


1.Semester

Doppelquart

3.Semester

3./4. Semester

2.Hieb:

Terz


1./2. Semester

Kippterz

1.Semester

Doppelterz z.T. verboten

3/4. Semester

An-Durch“

2.Hieb:

Zieher


3./4.Semester

3./4.Semester

An-Durch“

3./4.Semester

Doppelzieher


Zusätzlich kann hier die Terz auch mit der Rückschneide gefochten werden.

5.14 Die häufigsten Fehler beim Fechten

Insbesondere die Deckungsfehler z.B. das Herabsinken des schüt­zenden Waffenarmes zählt beim Schlägerfechten nicht zu den ver­zeihlichen Sün­den.


Die Deckungs-, Hieb- und Haltungsfehler können in seltenen Fällen auch durch mangelhafte Paukkleidung oder Waffen (Korbgröße, Schlaufenlänge) entstehen. Die Waffen sollten durch den Paukanten öfters gewechselt wer­den, um ein Gefühl für die „richtige Waffe“ zu erhalten.


5.14.1 Die Deckungsfehler

Auf die folgenden Deckungsfehler sollte geachtet werden:



5.14.2 Die Hiebfehler

Auf die folgenden Hiebfehler sollte geachtet werden:



Als Hiebfehler sind hier auch verschlagene Hiebe zu werten. Nicht immer ist mit einem Höhenausgleich in der Mensur zu rechnen (PP-Suite). Es sind daher dringend am Phantom und beim Kontrapauken Übungen bei ver­schiedenen Höhen einzuplanen. Die Höhe des Ge­genpaukanten kann sich übrigens auch dadurch verringern, dass er sich nach hinten aus der Mensur lehnt.


5.14.3 Die Haltungsfehler

Die Haltungsfehler gehören zu den Deckungsfehlern, da man sich hier aus der eigenen Deckung herausdreht.


Auf die folgenden Haltungsfehler sollte geachtet werden:



Die Einhaltung der korrekten Haltung dient dem Schutz des Paukan­ten. Ohne die Einhaltung der korrekten Haltung (Schulterzwang) ris­kiert der Paukant schwere Verwundungen in der Mensur. Die Kom­ments sehen da­her das Ankreiden und nötigenfalls Herauskreiden des Paukanten zu sei­nem eigenen Schutz vor.

5.15 Die Bewertung des Paukanten

Die Bewertung der Paukanten sollte vom Fechtchargierten für die eigenen Unterlagen durchgeführt werden, um Fortschritte der Pau­kanten festzustel­len und gleichwertige Gegenpaukanten für die Be­stimmungsmensur zu fin­den:


  1. Größe

  2. Gewicht

  3. Kondition (Anzahl der Gänge)

  1. Stärke (Schlaghärte)

  1. Schnelligkeit (Tempo): Anzahl Hiebe in 10 Sec.

  1. Partienzahl

  1. Körperhaltung

  1. Moralische Haltung

  1. Variationsfähigkeit und Technik




Abbildung 67: Zwischen den Gängen



5.15.1 Die Bewertung der Hiebe, Variation und Technik


Für jeden erfolgreich durchgeführten Hieb oder Doppelhieb oder Hiebkom­bination gibt es einen Punkt (21 Punkte maximal). Die Hiebe können als Anhiebe oder im Gang gefochten werden. Das Abdrehen der Hiebe (Aus­nahme: Rückschneidenterz und Spicker) gibt einen zusätzlichen Plus­punkt (+19 Pluspunkte maximal). Für die Hiebe er­hält man nur dann einen Punkt, wenn die Hiebe technisch sauber ausgeführt werden. Die Hiebe dürfen auch verzögert gefochten wer­den.


Für weitere Hiebe wie die Hallenser Terz oder die Bonner Schleife kann es Zusatzpunkte geben.



Name, Vorname:


Körpergröße

[cm]

Körpergewicht

[kg]

Partienzahl

Kondition

[Anzahl der Gänge]

Stärke

(Schlaghärte)

Geschwindigkeit

[Hiebe/10 Sec.]

Körperhaltung


Moralische Haltung


Variationsfähigkeit und Technik

Hieb auf der Terz-Seite

Hieb auf der Quart-Seite

Doppelhiebe

Hiebkombi-nationen

Sonderhiebe

Hohe Terz [ ]

Hohe Quart [ ]

Quart-Quart [ ]

Quart-Terz und [ ] Terz-Quart

Rückschneiden- [ ]

terz

Hackenquart [ ]

(Ha­cke)

Überstürzte Hoch­[ ]quart

Terz-Terz [ ]

Quart-Rück- [ ]schneidenterz

Generalterz [ ]

Horizontale Terz [ ]

Horizontale Quart[ ]

Zieher-Zieher [ ]

Quart-Zieher und [ ] Zieher-Quart

Lufthiebe [ ]

Spicker [ ]

Tiefquart [ ]


Terz-Zieher und [ ] Zieher-Terz

Halenser Terz [ ]

Zieher [ ]




Bonner Schleife [ ]

Bemerkungen:


Beispiel für eine Karteikarte mit Bewertungen eines Paukanten


5.15.2 Die Kontrolle der Haltung


Die folgenden Punkte sind zu überwachen:




Abbildung 68: Göttinger Mensur 1823







5.16 Die Grundübungen beim Fechten

Die folgenden Grundübungen sollten Pflichtprogramm auf dem Paukboden sein:



  1. Steile Auslage - Abdrehen – Steile Auslage -umge­drehter Zieher – Steile Auslage

  2. Steile Auslage - Verhängen – Steile Auslage -Zieher – Steile Auslage

Abbildung 69: Die Bewegungsbahn der Klingenspitze bei der Grundübung „Kreisfinten“



Die Kreisfinten haben keine praktische Bedeutung. Sie sind aber sehr nützlich um die Kraft und Beweglichkeit im Handgelenk auszubilden. Mancher von Na­tur aus mit steifem Handgelenk bedachte oder mancher durch ein­seitige Kraftübungen zwar stark gewordene, aber in Schulter- und Handgelenk steif geblie­bene Mensch wird hierdurch die Voraus­setzung schaffen um seine Technik verbessern zu können.


5.17 Das Krafttraining

Die folgenden Übungen können auf dem Paukboden durchgeführt werden:



Zum Fechten werden in erster Linie der Trizeps des Oberarms, die Brust­muskulatur, die Schultermuskulatur und die Hand und Unter­armmuskulatur benötigt. An zweiter Stelle wird eine Stützmuskulatur im Rücken und die Bauchmuskulatur benötigt.

Die Belastung und die Ausprägung der Muskulatur des akademi­schen Fechters sind vergleichbar (d.h. einseitig) wie bei einem Tennis­spieler (Tennis­arm) ausgebildet – nur dass dieser mehr läuft.


Um die nötige Kraft und Kondition für das Fechten aufzubringen, sollte das Fechten dringend durch ein regelmäßiges Krafttraining begleitet werden. Die erforderliche Literatur sollte auf dem Hause dem Fechtchargierten zur Ver­fügung stehen. Mindestens eine Kurz- und eine Langhantel mit variablen Scheiben sollten auf dem Pauk­boden bereit liegen. Die Gewichte sollten so bemessen sein, dass die Bewegungen bei einer Übung maximal 8 bis 10 mal wiederholt wer­den können.


Ein Mindestmaß an körperlicher Fitness wird im täglichen Leben vorausge­setzt. Insbesondere bei Schreibtischarbeiten wird es uns der Rücken dan­ken. Ein zusätzlicher Ausgleichssport sollte neben dem Fechten betrieben werden, da das Fechten für den Körper eine einseitige Belastung darstellt. Das Krafttraining mit Gewichten bieten hier u.a. eine sinnvolle Ergänzung. Ein Krafttraining kann auch nach der aktiven Fechtzeit bis ins hohe Alter weiter durchgeführt werden. Als Ausdauersport ist z.B. das Laufen oder das Schwimmen zu emp­fehlen.


Wird beim Fechttraining im Laufe der Paukstunde das Fechten technisch immer unsauberer, so sollte unverzüglich die Waffe gegen eine Hantel für den Rest der Paukstunde getauscht werden. Ein technisch unsauberes Fechten sollte um jeden Preis vermieden werden. Wer keine Kraft mehr hat, kann immer noch Kommandos geben oder Füxe einpauken.


Nach längeren Pausen (Semesterferien) ist das Krafttraining beson­ders ge­eignet um in kurzer Zeit den erwünschten Erfolg beim Fech­ten erneut zu er­zielen.



Abbildung 70: Praktische Übungen mit der Lang- und der Kurz­hantel



5.18 Das mentale Training

Jeder Bundesbruder sollte sich einige Tage vor der Mensur in einer ruhigen Stunde geistig auf die Mensur vorbereiten. Der Ablauf der Mensur sollte im Geiste vollständig durchgespielt werden. Insbe­sondere die Reaktion auf das Kommando „Halt“ oder die zu unterdrü­ckende Reaktion auf einen Treffer (das Nicht-Mucken bzw. stillhal­ten, nicht Ausweichen bei einem Hieb) sollte im Geiste fest pro­grammiert werden.


Es ist völlig normal, dass beim mentalen Training der Adrenalin­spiegel hoch schnellt. Dies geschieht in mehreren Schüben bis zur eigentlichen Partie – vergleichbar dem Lampenfieber.


Mit dem ersten Hieb in der Mensur hat der Paukant aber erfah­rungsgemäß keine Zeit mehr für Lampenfieber, sondern muss sich auf die Partie konzen­trieren. Dies wird ihm um so besser gelingen, je ausführlicher und regelmä­ßiger der Besuch auf dem Paukboden ne­ben der mentalen Vorberei­tung stattgefunden hat.


Kann die Angst in der Mensur nicht verdrängt werden, besteht die Gefahr, dass sich die Leistung gegenüber dem Paukboden ver­schlechtert.



Abbildung 71: Mensurfoto 1892



5.19 Das Verletzungsrisiko auf dem Paukboden

Auf dem Paukboden kann man sich leicht den einen oder anderen blauen Fleck auf dem Waffenarm holen. Darüber hinaus besteht eine ernst zuneh­mende Gefahr an einer sehr schmerzhaften und langwie­rigen Sehnenschei­denentzündung oder an einer Gelenkschädigung zu erkranken, wenn z.B.:



Wenn Schmerzen länger als 1 bis 2 Wochen vorhalten ist ein Arzt­besuch dringend angeraten.


Eine Ruhepause ist bei Anzeichen des Überpaukens dringend emp­fohlen, da sonst Zwangsruhepausen von bis zu einem halben Jahr drohen. Die Sehnen und Gelenke benötigen im Vergleich zu einem überbeanspruchten Muskel weit größere Ruhepausen.


Eine zwei wöchige Ruhepause kann bei leichten Verletzungen Wunder be­wirken. Dies hat in Abstimmung mit dem Fechtchargierten zu er­folgen. Eine vollständige Befreiung von der Paukstunde ist aber nur in Ausnahme­fällen zulässig, da alternativ ein Hanteltraining absol­viert werden kann oder die Füxe eingepaukt werden können oder Kommandos beim Kontrapauken ge­geben werden können.


Abbildung 72: Der Sekundant



5.20 Das Verletzungsrisiko der Mensur

Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung in der Bevölkerung wünscht sich kein Waffenstudent ernsthaft einen Schmiss. Das Risiko einer Verletzung wird aber beim Mensurfechten bewusst akzeptiert. Neben dem normalen Schmiss können auch schwere Verletzungen im Einzelfall auftreten. Durch kommentwidrige Hiebe und verschlagene Hiebe kann z.B. das Scherzel entstehen. Weitere kommentwidrige Hiebe können z.B. zu Verlet­zungen an der Lippe oder auf der rechten Wange (tiefe Terz) führen. Hier gegen hilft nur ein steiler Mensurstandpunkt beider Mensurmannschaften.


Gegen die kommentgemäßen Hiebe, die zu Verletzungen auf der Wange oder zu Verletzungen der Temporalis führen können, hilft das Aus­nutzen der ge­samten eigenen Deckung (Vorsetzen, Abdrehen, ver­hängen).


Abbildung 73: Die Mensurmannschaft



Sofern der Paukant sich verdreht und den Schulterzwang nicht wahrt, sind Verletzungen der Ohren nicht auszuschließen. Die ordnungs­gemäße Hal­tung der Paukanten wird durch die Sekundanten über­wacht und liegt im Ei­geninteresse der Paukanten.


Lebensgefährliche Verletzungen (z.B. der Hauptschlagadern oder der Au­gen) werden durch eine ordnungsgemäße Bandagierung ausgeschlossen. Hierfür ist das restliche Mensurteam verantwortlich.


Auch wenn ein Paukant den Komment einhält d.h. insbesondere den Schulterzwang wahrt und sich richtig deckt, besteht für den Paukan­ten wei­terhin ein Restrisiko, getroffen zu werden. Das Restrisiko setzt sich wie folgt zusammen:



Es ist für das Verletzungsrisiko einer Mensur daher von untergeordneter Bedeutung, welche Partienzahl die Paukanten haben, solange die Paukan­ten sich richtig de­cken (vorsetzen) und den Schulterzwang wahren.


In der Theorie ist das Verletzungsrisiko einer Mensur von den Randbedin­gungen des verwendeten Fechtkomments abhängig. Es ist hierbei grund­sätzlich davon auszugehen,





Abbildung 74: Das Verletzungsrisiko bei konstanter Fechtleis­tung



In der Praxis wird man aber einen Unterschied feststellen, zwischen einem Paukanten der seine erste tiefe Partie schlägt und z.B. einem Paukanten der seine vierte tiefe Partie schlägt, sofern derartige Paarung zustande kommen. Dies beruht darauf, dass die Paukanten oft zu früh auf den Mensurbo­den geschickt werden und Haltungs- bzw. Deckungsfehler nicht konsequent behandelt werden. Nicht das fechterische Können der Gegen­seite ist für den Ausgang einer Mensur ausschlaggebend, sondern die Lü­cken in der eigenen Deckung. Das Verletzungs­risiko der Mensur wird in der Praxis durch die ei­genen Unzulänglichkeiten über das Restrisiko hinaus verstärkt.


Der Abstand der Mensur hat zweifelsohne ebenfalls einen Einfluss auf das Verletzungsrisiko, doch gehen hier die Meinungen über die Art des Einflusses auseinander.

Bei einem engen Mensurabstand können kaum Zieher geschlagen werden. Die Zieher werden oft durch tiefe Quarten ersetzt. Die Terz muss stärker geschwippt werden und viele Paukanten weichen auf die leichter zu fechtende Hacke (Hackenquart) aus. Die Gefahr eines herausgeschlagenen Scherzels wird aber durch das Fechten einer Hacke erhöht. Aufgrund der Winkel bei der Quart und der Position des gegnerischen Arms reduziert sich andererseits das Risiko eines Quarttreffers im A-Tempo.

Bei einem weiten Mensurabstand erhöht sich das Verletzungsrisiko für beide Seiten durch die größeren fechterischen Variationsmöglichkeiten. Die Zieher-Terz-Kombination wird bei diesem Mensurabstand zu einem gefährlichen Doppelhieb. Die Gefahr, dass es bei schlecht eingepaukten Fechtern zu Stichwunden und Verletzungen der Lippe kommen kann, wird leider durch den weiteren Mensurabstand ebenfalls vergrößert.

Die oben genannten Verletzungen wie Scherzel oder Stichwunden sind nach meiner Erfahrung aber eher selten, so das nur die Unterschiede in den fechterischen Variationsmöglichkeiten als Risikofaktoren bei der Bewertung des Mensurabstandes betrachtet werden dürfen.


Abbildung 75: Beim flicken



Sofern ein Treffer vom Paukarzt genäht werden muss, ist dies in den meis­ten Fällen unspektakulär. Die Wundränder sind immer sauber und gerade. Diese Wunden verheilen sehr gut. Frische Wunden sehen zwar für Außen­stehende gefährlich aus, doch deutlich sichtbare Narben bleiben nur in sel­tenen Fällen zurück. Wer das nicht glauben will, sollte sich die Köpfe der al­ten Herren in den Verbindungen einmal genauer ansehen. Ein Treffer auf der Wange aufgrund einer horizontalen Quart verheilt allerdings schlechter als ein Schmiss oberhalb des Brillenriemens. Im Zeitalter der Schönheit­operationen und Laser ist eine Entfernung dieser Schmisse -sofern ge­wünscht- nur eine Kostenfrage. Hierfür stehen in den meisten Dachverbän­den entsprechende Fonts bereit. Es ist mir aber kein Fall bekannt, in dem ein Schmiss nachträglich entfernt wurde.




5.21 Tipps und Tricks für die Mensur

Es sei an dieser Stelle noch einmal gesagt: Die Mensur hat nicht das Ziel, den Gegenpaukanten (Kontrahen­ten) in der Mensur zu verletzen, sondern das Ziel, dass sich die Fechter einer Gefahr (mindestens dem Restrisiko) aussetzen. Darüber hinaus soll die Mensur zum Standhalten und nicht zum Siegen, zum ritterli­chen Schonen und nicht zur Ausnützung der Schwäche des Gegners, und zur Überwindung der ei­genen Angst erziehen.


Die Mensur ist aber immer auch ein Wettkampf. Dieser Wettkampf wird in einem Rahmen von fest vorgeschriebenen Regeln durchgeführt. Im Rah­men des sportlichen Aspektes der Mensur ist es somit zulässig, dass die Pau­kanten versuchen den Wettkampf im Rahmen dieser Regeln zu gewin­nen.


Ich wurde wiederholt von meinen Aktiven gefragt, ob ich nicht irgendwelche Tipps oder Tricks für die Mensur kenne, um den Ausgang der Partie zu be­einflussen. Über den Ausgang einer Mensur entscheidet das Glück, das Können (Technik, Taktik) und die Moral. Für das Können und die Moral ist jeder selbst zuständig und das Glück kann man nicht täuschen.


Technik, Taktik und die Finte:


Ehre, Moral und die innere Einstellung:










Abbildung 76: Göttinger Schlägermensur Cheruscia gegen Mündenia, 1885














Die

Atmosphäre

der

Mensur

6 Die Atmosphäre der Mensur

Mit dem Kommando „Unser Bund führt vor“ kommt Bewegung in die Mensurmannschaft. Die Schnallen werden zugezurrt, die Bänder festgezogen. Der erste Paukant ist mit seinem Mensurteam auf dem Weg durch eine Menschenmenge: Gesprächsfetzen und Zigaretten­rauch, Magendrehen und Herzflattern, Stühlerücken und Türenknal­len dringen schwach zu dem Paukanten durch.


Die Atmosphäre im Mensurlokal ist archaisch und beklemmend. Es riecht nach Blut, Schweiß und Sagrotan. Der Geruch von verschütte­ten Bier wird durch diese Mischung übertönt.

Das Licht scheint schwach in diesem Mensurraum. Die Masse der dunkel angezogenen jungen Männer in Vollcouleur schlucken das Licht. Die Spektanten füllen den Raum. Einige stehen auf Tischen oder auf Stühlen um eine bessere Sicht zu haben. Einige haben ein Bier in der Hand. Alle sind voller Erwartung auf den nun folgenden Wettkampf. Es herrscht angespannte Ruhe. Die „Spiele“ können beginnen.


Die Mensurteams sind im Mensurlokal angekommen. Die Teams stehen sich gegenüber. In der Mitte des Raumes, umgeben durch leise Wände der Zuschauer, sitzen sich jetzt zwei Kämpfer auf Stüh­len gegenüber. Die Herren Gegenpaukanten sind jung, die Haare sind kurzgeschoren. Sie sehen martialisch aus in ihren Rüstungen und Bandagen aus schwarzem Leder.


Die stählernen Mensurbrillen werden gerade gesetzt. Mit einem kräf­tigen Ruck in den Brillenriemen wird die Brille so fest gezurrt, dass die Paukanten das Gefühl haben, dass ihre Köpfe gleich springen werden.


Der Puls der Paukanten hämmert in Anflügen von kaum zurückzu­kämpfender Panik. Die Halsbinde liegt wie die Finger einer Riesen­faust um deren Kehlen, so eng, dass jeder Herzschlag spürbar mit jedem Versuch zu schlucken kollidiert.


Die Körper der Paukanten sind mit Adrenalin vollgepumpt und die damit verbundene Spannkraft sorgt für die nötige innere Unruhe di­rekt vor der Mensur.


Dann haben die Paukanten plötzlich knapp einen Meter geschliffe­nen Stahl in der Hand und sehen dem Gegenüber in die Augen. Die Schneiden reflektieren noch die Effekte des festen Schleifsteins. Die Schneiden weisen wellenähnliche Schleifspuren auf und vermitteln die körperliche Empfindung ihres kalten scharfen Bisses.

Die Augenlider der Paukanten flattern unter der Gitterbrille. Der Nasenschutz steht wie der Schnabel eines Raubvogels vor. Die Paukanten erkennen, dass der Mann gegenüber unter demselben Druck steht wie man selbst. Die Paukanten werden alles Nötige tun, um nicht mit dem bedrohlichen Stahl in der Hand des Gegenpaukan­ten in Kontakt zu kommen und sei's auch, um dem Gegenüber zu­erst die kalte, scharfe Klinge quer durch das Gesicht zu ziehen.


Die einzige Emotion die dem Fechter im Moment der Konfrontation bewusst wird ist Furcht. Die Furcht vor der Klinge des kaum als In­dividuum wahrgenommenen Gegenpaukanten. Furcht vor der mög­lichen Verletzung. Furcht vor dem Liegenbleiben oder dem Mucken. Aber ganz besonders Furcht vor einem Gesichtsverlust – im wörtli­chen und übertragenen Sinn. Die Situation ähnelt dem Lampenfie­ber. Man steht im Zentrum einer Menge, mit fünfzig Paaren von kri­tischen Augen, die auf die Paukanten gerichtet sind. Diese Menge von Au­gen sieht jede Bewegung, jedes Zucken, jede Klingenaktion, weiß diese zu werten und bewerten. Und jedem Fehler, der gemacht wird, folgt mit fast mathematischer Notwendigkeit eine unumgehbare Konsequenz: Auf Technikfehler folgen Schmisse. Auf Fehler in Hal­tung und Moral folgt die moralische Abfuhr.


Der Unparteiische bittet um Ruhe. Die Klingen werden noch schnell desinfiziert. Die Sekundanten verschwinden aus dem Blickfeld der Paukanten und kauern sich an deren Seiten um jederzeit in die Mensur einspringen zu können. Die Paukanten sehen nur noch die Augen und den Schläger des Gegners. Im Raum hört man die bel­lenden germanischen Kommandos der Sekundanten:


Hoch bitte"

Fertig"

Los"


Die Waffe des Gegenpaukanten schlägt plötzlich in die Richtung des Gesichts des anderen Paukanten. Es folgt ein Zusammenstoß der Kräfte. Die Klingen werden geschwungen und surren durch die Luft. Mal treffen sich die Klingen der Gegenpaukanten in der Luft und mal treffen die Klingen den Armstulp. Der Ansturm der Hiebe ist kurz aber gewaltig. Mal Angriff, mal Verteidigung. Scheinbar ohne Plan oder Zweck, rattern die Hiebe wie Hagel.


Nach wenigen Gängen fliegt plötzlich ein Büschel Haare durch die Luft und das Kommando „Halt“ dringt auch bis zur letzten Reihe der Herren Spektanten. „Wa­rum Halt, Herr Gegensekundant“ fragt der eine Sekundant. Der Ge­gensekundant antwortet „Ihr Paukant wurde getroffen.“. Der Sekun­dant ruft in den Raum „Paukarzt“.

Der Paukarzt schaut sich den Treffer kurz an und spricht anschlie­ßend beunruhigend leise mit dem Sekundanten. Der Sekundant er­hebt das Wort: „Wir danken für die gehabte Partie. Unser Bund führt ab auf Schmiss.“. Der Unparteiische beendet die Partie nach dem obligatorischen Ehrengang mit den Worten „Silentium ex, Partie ex“.


Die Paukanten entspannen sich. Die Partie ist Gott sei Dank über­standen. Das Blut fließt zwar langsam in kleinen Strömen, doch das ist jetzt irrelevant. Niemand hat gemuckt und niemand ist lie­gen ge­blieben. Die Gewissheit macht sich in den Paukanten breit, dass die Angst erfolgreich bekämpft wurde und der Kampf gegen den inneren Schweinehund gewonnen wurde.


Die Paukanten sind zu Recht stolz auf ihre Leistung. Sie wissen es noch nicht, aber diese Mensur werden sie ihr Lebtag nicht verges­sen. Nach dem Motto „Schafft Euch Erinnerungen“ werden die Paukanten sich auch noch in hohem Alter an die Mensur erinnern und vielleicht eines Tages ihren Enkeln von der schönen Jugendzeit berichten.




Die Geschichte basiert auf einer Idee von J. Christoph Am­berger; „Warum wir fechten": Gedanken und stehend-freihän­dige Assoziationen zur Notwendigkeit der Mensur im 21. Jahrhundert.

Quelle: http://swordhistory.com/excerpts/hannos.html


Eine schöne Beschreibung einer Mensur in Heidelberg um 1867 findet sich in Mark Twain's Reisebilder (A Tramp Abroad). Die Erzählung wurde abgedruckt von Werner Lackner in “Die Mensur; Der rituelle Zweikampf deutscher Studenten“ http://olympia.burschenschaft.at/pdf/mensur1.pdf














einschließlich des

Säbel- und Pistolenkomments

für die

deutschen Universitäten

und Hochschulen






Leipzig-Reudnitz
Druck und Verlag von August Hoffmann

1907

7 Der Offizieller Paukkomment von 1907

Die Bräuche, welche in akademischen Kreisen bei einer Mensur maßgebend sind, waren bisher nicht niedergeschrieben, sondern pflanzten sich durch mündliche Überlieferung fort. Obgleich es bei dieser Sachlage namentlich für die Finken sehr schwer war, sich über alle Mensurregeln zu unterrichten, so wird von einem Mann von Ehre doch eine genaue Kenntnis derselben verlangt und ein Ver­stoß gegen dieselben nur schwer verziehen.


Aus dem Streben, diesem allseitig als unhaltbar erkannten Zustande ein Ende zu bereiten, ist der „Offizielle Paukkomment für die deut­schen Universitäten und Hochschulen“ hervorgegangen und da­durch einem Jeden die Möglichkeit geboten worden, sich bequem und eingehend darüber zu unterrichten, wie er sich gegebenen Falls als Forderer, Geforderter, Kartellträger, Ehrenrichter, Unparteiischer, Sekundant oder Testant zu verhalten hat.


7.1 Die Einleitung

§1

Der Paukkomment enthält diejenigen Bestimmungen, welche für die Angehörigen der deutschen Universitäten und Hochschulen bei Mensuren und Duellen maßgebend sind.


§2

Die Beleidigungen teilt man nach ihrer Schwere in kommentgemäße und inkommentgemäße.


§3

Die Mensuren teilt man in leichte und schwere; die ersteren werden mit dem Schläger, die letzteren mit dem Säbel oder der Pistole aus­gefochten. Jede kommentgemäße Beleidigung, welche nicht revo­ziert wird, zieht eine Schlägermensur nach sich.


§4

Leichte Mensuren dürfen nur auf die Waffen von akademischen Korporationen ausgefochten werden. Finken haben daher die Waf­fen einer Korporation zu belegen und dafür ein Belegergeld, das bei Säbelmensuren gewöhnlich 30 Mark, bei Schlägermensuren 20 Mark beträgt, zu zahlen. Manche Korporationen lehnen ein bares Bele­gergeld ab und nehmen Dedikationen an. Im Wiederholungs­falle ermäßigt sich das Belegergeld gewöhnlich um 10 Mark.


Schwere Mensuren dürfen evtl. auch auf eigene kommentgemäße Waffen ausgetragen werden.


§5

Unter einer inkommentgemäßen Beleidigung versteht man einen An­griff auf die Ehre eines andern, zu dessen Zurückweisung die ge­wöhnliche Waffe des Schlägers nicht hinreichend erscheint. Die Waffen sind in einem solchen Falle krumme Säbel oder Pistolen.


§6

Satisfaktion auf Schläger zu geben, sind nur immatrikulierte Studen­ten verpflichtet.


§7

Satisfaktionsfähig ist jeder Student, der sich nicht im Waffenverruf befindet. Bei Nichtstudierenden gilt als Voraussetzung der Satisfak­tionsfähigkeit die Zugehörigkeit zu den gebildeten Klassen, makel­loser Ruf und angesehene, gesellschaftliche Stellung.


§8

Die Kontrahage gilt als gefallen, sobald um die Visitenkarte gebeten worden ist. Von diesem Augenblicke an gilt jeder Tusch als Nacht­usch und ist vor der Mensur zu revozieren und zu deprezieren.



§9

Binnen dreimal 24 Stunden nach der Beleidigung ist die Forderung durch einen Kartellträger zu überbringen. Hierbei gelten Sonn- und Feiertage sowie dies academici als tempus utiIe. Trifft der Kartell­träger den zu Fordernden in dessen Wohnung nicht an, so hat er auf einer zurückzulassenden Karte zu bemerken, zu welcher Zeit er sei­nen Besuch wiederholen werde. Ist auch dieser zweite Besuch ver­geblich, so hat der Kartellträger die Forderung dem zu Fordernden in einem eingeschriebenen Briefe zu übermitteln. Sobald die Forde­rung angenommen ist, „hängt die Kontrahage“.


§10

Der Geforderte hat sich binnen 24 Stunden über die Annahme der Forderung zu erklären, widrigenfalls dieselbe als abgelehnt gilt.


§11

Waffenbeleger sind verpflichtet anzutreten, wenn ihnen vom Fecht­warte 24 Stunden vorher Zeit und Ort der Mensur angegeben wor­den sind. Sie haben jeden Wohnungswechsel sofort dem Fecht­warte mitzuteilen.



7.2 Die Schlägermensur

§12

Die Schlägermensuren sind entweder einfach (Bestimmungsmensu­ren) oder verschärft (auf Abfuhr, Kontrahagemensuren).


§13

Die einfache Forderung ist ein Gang Schläger auf 15 Minuten, die verschärfte ein solcher auf 25 Minuten.


§14

Nachtusch bei oder nach der Kontrahage ist vor dem Ausfechten der Mensur zu revozieren und zu deprezieren.


§15

Nach erfolgter Kontrahage ist jeder gezwungen, auf verschärfte For­derung loszugehen.


§16

Dem des Schlagens Unkundigen muss auf Verlangen eine Frist von 6 Wochen zum Einpauken gewährt werden. Eine Einpaukzeit von 14 Tagen kann der Korb- (bzw. Glocken-) Schläger fordern, wenn er auf Glocke bzw. Korb antreten muss.


§17

Wer links schlägt, hat dies bei der Kontrahage anzuzeigen und sei­nem Gegner, welcher gegen Links noch nicht auf der Mensur ge­standen hat, eine Einpaukzeit von 14 Tagen zu gewähren.


7.2.1 Von den zu einer Mensur gehörigen Personen.


§18

Zu einer Mensur gehören die Paukanten, der Unparteiische, zwei Sekundanten, zwei Testanten und die Ärzte.



7.2.1.1 Von den Paukanten.

§19

Vor der Mensur entledigen sich die Paukanten der Oberkleider bis auf das Hemd, das von ungestärkter Leinwand sein muss. Unter dem Hemd darf keine andere Bekleidung getragen werden; ebenso sind Hosenträger und Halstuch abzulegen.


§20

Sobald die Paukanten auf die Mensur getreten sind, haben sie streng auf das Kommando ihrer Sekundanten zu achten. Auf das Kom­mando: „Bindet die Klingen“ kreuzen sie ihre Schläger nach oben, auf das weitere Kommando: „Sind gebunden“, gehen sie in die ver­hängte Auslage zurück und nach dem Kommando: „Los“ wird ge­schlagen. Vor dem Kommando: „Los“ darf kein Paukant bei Strafe eines Monitums schlagen, ebenso wenig nach dem Kommando: „Halt“.


§21

Bei Mensuren, welche rechts gegen links ausgefochten werden, binden die Paukanten ihre Schläger verhängt und zwar der Rechts­schläger unter der Klinge des Linksschlägers.


§22

Der Paukant darf bei Strafe eines Monitums nicht spitz ausliegen, d. h. nicht so, dass die Verlängerung seines Schlägers den Körper des Gegners trifft.


§23

Inkommentmäßig sind:


  1. Jeder Hieb vor „Los“.

  2. Jeder Hieb nach „Halt“. Doch gilt ein bei „Halt“ bereits ange­zogener Hieb nicht als Nachhieb.

  3. Jeder Hieb, welcher absichtlich unter die Spaltung geschla­gen wird.

  4. Jeder Spicker bei Mensuren rechts gegen rechts.

  5. Jede Tiefquart bei Mensuren rechts gegen links.

  6. Jeder absichtliche Buckelhieb.

  7. Jeder Hieb, der bei dem Kommando „Los“ unmittelbar aus der steilen Auslage und vor der Zurückkehr in die verhängte Auslage geschlagen wird.


§24

Die inkommentgemäßen Hiebe sind auf Ansuchen eines Sekundan­ten oder Testanten durch den Unparteiischen zu monieren und die durch sie entstandenen „Blutigen“ für inkommentmäßig zu erklären.


§25

Wenn ein Paukant kneift, d. h. hinter die Mensurkreuze zurück­weicht, nicht kommentmäßig nachschlägt, d. h. in auffälliger Weise Hiebe schuldig bleibt, inkommentmäßig aufrückt oder den Kopf wegsteckt, d.h. einem Hiebe absichtlich ausweicht, so wird er auf Verlangen ei­nes Sekundanten oder Testanten vom Unparteiischen moniert. Nach dreimaligem Monieren muss der Paukant auf Ansu­chen eines Se­kundanten oder Testanten vom Unparteiischen von der Mensur ge­wimmelt werden. Der Gewimmelte verfällt in den Waffenverruf, aus welchem er sich nur durch eine tadellose ver­schärfte Mensur (Rei­nigungsmensur) lösen kann.


Eine Steigerung der Abfuhrmensur zu einer Säbelmensur darf in diesem Falle nicht stattfinden.


§26

Die Reinigungsmensur soll in der Regel gegen den Gegner, gegen welchen die ungenügende Mensur gefochten wurde, steigen. Ist die­ser durch besondere Umstände verhindert, nochmals loszugehen, so hat die Couleur, auf deren Waffen er gefochten hatte, zur Reini­gungsmensur einen anderen Gegner zu stellen.


§27

Paukanten, welche sich ohne genügende Entschuldigung auf dem Paukplatze nicht einfinden, oder dort sich ohne triftigen Grund wei­gern, loszugehen, verfallen in den Waffenverruf, im Wiederholungs­fälle in den perpetuellen Verruf.


§28

Die Mensur wird beendet durch Suspension, Satisfaktion, Abfuhr ei­nes Paukanten oder Ablauf der vereinbarten Paukzeit (Auspauken).


§29

Suspension kann nur auf Verlangen einer Partei erfolgen:


  1. Wenn ein inkommentgemäßer Blutiger sitzt, welcher nach der auf Ehrenwort abzugebenden Erklärung des Paukarztes Ab­fuhr bedingen würde, wenn er kommentmäßig wäre.

  2. Bei plötzlich eintretendem Unwohlsein eines Paukanten, welches nach der auf Ehrenwort abzugebenden Erklärung des Arztes nicht durch Blutverlust herbeigeführt ist.

  3. Bei Krankheitszustanden (Herzklopfen) eines Paukanten, sobald deshalb Suspension vorbehalten war und der Arzt dieselbe für erforderlich erachtet. Wegen Müdigkeit darf bei Abfuhrmensuren erst nach 15 Minuten bei Bestimmungs­mensuren nach 7 Minuten Suspension verlangt werden.

  4. Wenn einem Paukanten, der mit Brillengläsern losgeht, 7 Gläser zerschlagen sind und keine weiteren Gläser zur Hand sind.

  5. Bei Gefahr des Abfaßtwerdens.


Voraussetzung der Suspension ist jedoch stets, dass der Arzt auf Ehrenwort versichert, dass der Paukant nicht durch einen innerhalb der letzten 5 Minuten erhaltenen kommentgemäßen Schmiss am Weiterpauken verhindert sei.



§30

Wird durch einen kommentgemäßen Hieb das Wiederaufsetzen der PaukbriIIe unmöglich gemacht, so ist dies kein Grund zur Suspen­sion.


§31

Satisfaktion kann während der Mensur jederzeit geboten werden. Doch steht es im Belieben des Gegners, ob er dieselbe annehmen will.


§32

Abzuführen ist ein Paukant, wenn seine Verwundungen nach dem Urteile des Paukarztes derartig sind, dass bei fernerem Stehen auf der Mensur infolge des Blutverlustes oder des Hinzutretens eines neuen Hiebes in oder neben bereits vorhandene Verwundungen sein Leben gefährdet sein würde.


§33

Die Pausen der Mensur dürfen fünf Minuten nicht überschreiten. Ein Paukant, welcher länger pausiert, kann auf Antrag des Gegense­kundanten für abgeführt erklärt werden. Pausen von längerer Dauer als fünf Minuten sind nur zur Instandsetzung der Waffen gestattet. Sobald vier Minuten der Pause verflossen sind, hat der Unpar­teiische dies zu verkünden.


§34

Den Paukanten ist es bei einem triftigen Grund während des Gan­ges gestattet, „Halt“ zu rufen, worauf die Sekundanten den Gang been­den müssen. Im übrigen haben sich die Paukanten während des Ganges bei Strafe eines Rüffels des Sprechens zu enthalten.


7.2.1.2 Vom Unparteiischen

§35

Den Unparteiischen stellt die fordernde Partei aus einer schlagen­den Korporation, welche mit beiden Parteien nicht im Verrufe steht, oder aus der Gegenpartei selbst; doch darf zum Unparteiischen nur ein Bursch genommen werden, welcher mindestens drei Mensuren ge­schlagen hat.

§36

Der Unparteiische hat seine Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen auf Ehrenwort abzugeben.


§37

Der Unparteiische ist sakrosankt, d.h. er darf weder angeulkt noch ankontrahiert werden. Wer hiergegen verstößt, hat sofort zu revozie­ren und zu deprezieren, widrigenfalls er für dauernd satisfaktionsun­fähig erklärt wird.


§38

Verstößt der Unparteiische während der Mensur in offenkundiger Weise gegen den Komment, so kann er von einem Sekundanten oder Testanten darauf aufmerksam gemacht und zum Revozieren veranlasst werden.


§39

Der Unparteiische hat folgende Pflichten:


  1. Er hat auf Ansuchen einer Partei die Klingen, Glocken (Körbe) und Schutzvorrichtungen zu untersuchen.

  2. Er hat in Zweifelsfällen zu entscheiden, ob die Mensur länger oder kürzer zu nehmen sei und muss die von den Sekundan­ten behufs Absteckung der Mensur bezeichneten Stellen durch Kreidestriche und abgeschnittene Kreislinien kenntlich machen.

  3. Er hat die Mensur mit den Worten. „Silentium, für einen Gang Schläger auf 15 bzw. 25 Minuten“ zu eröffnen.

  4. Er hat bei einer einfachen Mensur nach 7 ¼ resp. 14 2/4 Mi­nuten zu erklären: „Silentium für den letzten Gang vor der Pause“ resp. „vor Schluss der Suite.“ Nach dem Gange aber hat er zu erklären: „Silentium, 7 ½ Minuten sind gepaukt, Si­lentium für die große Pause“ resp. „Silentium, 15 Minuten sind gepaukt, Suite ex.“. Bei verschärften Forderungen hat er nach 7 ¼, 14 ¾, 19 ¾ Minuten zu publizieren: „Silentium, letzter Gang vor der großen Pause“, resp. „vor Schluss der Suite“, und die Zeit anzugeben mit den Worten: „Silentium, 7 ½, 15, 20, 25 Minuten sind gepaukt.“

  5. Er hat die Länge der Pausen anzumerken und dieselben, wenn sie länger als ½ Minute dauern, von der Paukzeit ab­zuziehen. Den Ablauf von 4 Minuten der Pause hat er zu pu­blizieren.

  6. Wird die Mensur suspendiert oder durch Abfuhr eines Pau­kanten vor der Zeit beendet, so hat er dies mit Angabe der Zeit, wie lange gepaukt worden ist, zu publizieren und die Blutigen beider Paukanten zu annoncieren.

  7. Er hat auf begründetes Verlangen eines Sekundanten oder Testanten den Paukanten zu monieren, resp. abtreten zu lassen.

  8. Er hat, wenn es ihm nötig erscheint, den Anwesenden noch besonders auf Ehrenwort Schweigen über die Vorgänge bei der Mensur aufzuerlegen.

  9. Er hat auf Ruhe und Ordnung am Mensurplatz zu achten und kann die Korona abtreten lassen und derselben das Rau­chen verbieten.

  10. Er darf die Mensur suspendieren, wenn Gefahr des Abfaßt­werdens vorhanden ist.

  11. Auf Verlangen eines Sekundanten oder Testanten hat er nachzusehen, ob ein Hieb gesessen hat, und sodann evtl. einen „Blutigen“ zu annoncieren. Ist ein Nachhieb gefallen, so darf er aufgefordert werden, nachzusehen, ob durch densel­ben ein „Blutiger“ entstanden ist.

  12. Er hat auf Anrufen zu entscheiden, ob ein Blutiger kom­mentmäßig oder inkommentmäßig ist, namentlich auch, ob er von einer gesprungenen Klinge resp. einem gesprungenen Brillenglas herrührt. Wenn der Unparteiische nicht in der Lage ist, auf eine Anfrage über die Inkommentmäßigkeit ei­nes Hiebes eine bestimmte Erklärung abzugeben, so gilt der be­treffende Blutige als inkommentmäßig.

  13. Er hat die Mensur mit Angabe des Resultats, der Blutigen und der Monita zu schließen.



§40

Die Funktion des Unparteiischen erlischt mit der Beendigung der Mensur, ausgenommen wenn sich eine Partei Nachuntersuchung vorbehalten hat.


7.2.1.3 Von den Sekundanten

§41

Die Sekundanten sind verpflichtet, die Mensur abzustecken und hierbei insbesondere darauf zu sehen, dass keiner der Paukanten in Nachteil kommt. Lässt sich dies nicht vermeiden, so wechseln die Paukanten nach je 3 ¾ Minuten oder nach sonstiger Vereinbarung die Plätze.


§42

Das Abstecken der Mensur geschieht in folgender Weise:

Die Sekundanten treten, mit dem Gesichte einander zugekehrt, mit dem rechten Fuße nicht unter 2 und nicht über 3 Fuß vor, beugen den Oberkörper vor, dass Gesicht, Knie und Fußspitze eine Linie bilden und legen sich so aus, dass bei gestrecktem Arme die Spitze des Schlägers die Brust des Gegensekundanten berührt. Sodann bezeichnen die mit der Spitze des Schlägers hinter dem linken Fuße durch Aufstoßen derselben die Punkte, hinter welchen die abge­schnittenen Kreise zu ziehen sind. Diese Mensurkreise dürfen höchstens 13 bis 16 cm hinter den Mensurkreuzen sein. Die Mens­urkreuze dürfen von einander nicht mehr als 1,7 m entfernt sein, während die Entfernung der Endspitzen der Schläger nicht über 8 cm betragen darf.


Das Abstecken kann auch so vorgenommen werden, dass die Spit­zen der Speere die Glocken bzw. Körbe berühren. Die Mensur­kreuze werden als dann so gezogen, dass die Paukanten unmittel­bar hinter den Glocken bzw. Körben zu stehen kommen.

Auf Verlangen eines Sekundanten muss die Absteckung der Mensur wiederholt werden.


§43

Sobald die Paukanten auf der Mensur einander gegenüber stehen, treten die Sekundanten zur Linken derselben, bzw. bei einem Link­ser zur Rechten desselben.


§44

Der Sekundant des Förderers kommandiert: „Auf die Mensur, bindet die Klingen.“ Worauf beide Sekundanten ihre Klingen auf die der Paukanten legen. Der Gegensekundant antwortet: „Sind gebunden“, worauf die Sekundanten Klinge, Glocke (Korb) und Arm hinter den Körper ihrer Paukanten zurückziehen und der Erste: „Los“ komman­diert.

§45

Geht der Mensur ein sogenannten Ehrengang voraus, was bei eini­gen Korporationen üblich ist, so muss dem „Los“ des ersten Sekun­danten sofort das „Halt“ des andern folgen. Zwischen diesem „Los“ und „Halt“ darf kein Schlag getan werden. Dann wird dem Paukan­ten die Couleur abgenommen und die eigentliche Mensur begonnen.


§46

Die Sekundanten haben stets verhängt zu sekundieren und zwar so, dass die Spitze ihrer Klinge den Boden berührt.


§47

Erachtet ein Sekundant eine Handlung oder Unterlassung des Ge­gensekundanten für inkommentmäßig, so kann er bei dem Unpar­teiischen anfragen, ob die betreffende Handlung und Unterlassung kommentmäßig sei. Wird diese Anfrage verneint, so kann ein Moni­tum des Gegensekundanten bei dem Unparteiischen verlangt wer­den. Ein dreimal monierter Sekundant muss von der Mensur abtre­ten.

§48

Bei dreimaliger Verneinung einer und derselben von einem Sekun­danten gestellten Anfrage betreffs einer vermeintlichen Inkomment­mäßigkeit des Gegensekundanten muss derselbe dem letzteren ge­genüber revozieren.


Bezog sich die verneinte Anfrage auf einen Fall des §25, so muss der Sekundant jedesmal revozieren, nach der dritten Verneinung aber revozieren und deprezieren.



§49

Will der Sekundant einen Gang beenden, so hat er „Halt“ zu rufen. Gründe zum Einspringen sind:


  1. Jede vorfallende Inkommentmäßigkeit.

  2. Wenn eine Klinge springt oder sich verbiegt, oder sonst et­was am Schläger in Unordnung gerät.

  3. Wenn ein Paukant sich verhaut, d. h. die Direktion der Klinge verliert, oder sich verfängt oder den Schläger aus der Hand verliert.

  4. Wenn ein Hieb gesessen hat.

  5. Wenn die Schutzvorrichtungen der Paukanten oder Sekun­danten in Unordnung geraten.

  6. Wenn einer oder beide Paukanten so sehr aufdrängen, dass die Glocken (Körbe) fest werden, d.h. sich berühren, oder wenn ein Paukant unter die Klinge des andern kneift.

  7. Wenn der Gegensekundant vorliegt, d.h. mit dem Sekun­dierspeer vor den Körper seines Paukanten rückt, oder wenn er mit der Spitze des Sekundierspeers nicht mehr den Boden berührt.

  8. Wenn von einem Testanten oder Paukanten „Halt“ gerufen wird.

  9. Wenn die kommentgemäße Zahl von Hieben, d.h. auf jeder Seite mindestens 4, gefallen ist.


§50

Dem Gegensekundanten ist es erlaubt, nach dem Grunde des „Halt“-Rufes zu fragen. Über die Triftigkeit desselben entscheidet auf An­frage der Unparteiische.

§51

Der Sekundant kann für den „Halt“-Ruf zwei Gründe angeben. Wird keiner derselben von dem Unparteiischen für kommentmäßig erklärt, so kann der Gegensekundant ein Monitum beantragen.


§52

Den Gegenpaukanten darf der Sekundant weder berühren, noch an­reden. Er hat mit demselben nur durch den Sekundanten desselben zu verkehren.

Während eines Ganges darf ein Sekundant bei Strafe eines Moni­tums nicht sprechen.


Auf die Anfrage eines Sekundanten: „Wurde der Kopf wegge­steckt ?“ ist die einzige kommentgemäße Gegenfrage: „Um dem Hiebe aus­zuweichen ?“.


§53

Ein Sekundant kann für seine Couleur Nachuntersuchung vorbehal­ten, falls Blutige vom Unparteiischen nicht konstatiert werden. Die Nachuntersuchung hat sofort nach Beendigung der Mensur stattzu­finden.


§54

Der Sekundant kann einzelne aus der Korona oder diese insgesamt monieren und abtreten lassen, sowie sich das Rauchen verbitten.


§55

Sekundanten und Testanten müssen sofort am Tage der Mensur oder binnen drei Tagen nach derselben auf die Waffen Satisfaktion geben, auf welche die Mensur steigt. In streitigen Fällen liegt die Entscheidung beim Unparteiischen.



7.2.1.4 Von den Testanten

§56

Der Testant ist verpflichtet:


  1. vor der Mensur dem Unparteiischen auf Verlangen der Ge­genpartei den Schläger seines Paukanten vorzulegen, damit er über die kommentgemäße Beschaffenheit desselben ent­scheide;

  2. den Arm seines Paukanten vor der Mensur und in den Pau­sen zu stützen;

  3. während der Mensur den Gang derselben genau und unaus­gesetzt zu verfolgen;

  4. die Klinge seines Paukanten gerade zu biegen, wenn sie verbogen ist.


§57

Der Testant steht auf der rechten Seite des Paukanten, bzw. bei Linksern auf der linken. Er führt keinen Schläger. Damit er die Klinge ungefährdet biegen kann, trägt er an der rechten Hand einen Leder­handschuh.


§58

Der Testant hat dieselben Rechte und Pflichten wie der Sekundant.






7.2.2 Ort und Zeit der Mensur

§59

Ort und Zeit der Mensur ist durch Vereinbarung der Parteien zu be­stimmen.


§60

In offener Couleur darf nur dann zur Mensur gegangen werden, wenn dies von den Parteien vorher vereinbart ist.


§61

Auf dem Mensurplatz, als welcher der geschlossene Raum, in dem gepaukt wird, und im Freien ein Platz von 50 Schritten im Umkreis gilt, dürfen keine Beleidigungen vorfallen. Beleidigungen gegen ei­nen satisfaktionsfähigen Zuschauer sind sofort zu revozieren, die gegen einen Paukanten, Unparteiischen, Sekundanten, Testanten oder Arzt sind außerdem auch zu deprezieren.


§62

Kontrahagen auf dem Mensurplatz sind sofort zu revozieren.




Abbildung 77: Freilichtmensur 1890



7.2.3 Von den Verwundungen

§63

Hat ein Blutiger durch einen legalen Hieb gesessen, so erhält er nur durch die Seiten einer Partei zu erbittende Erklärung des Unpar­teiischen: „Silentium, ein Blutiger auf Seite der Verbindung xxx“ Gül­tigkeit.


§64

Als Blutiger wird eine Verwundung nur erklärt, wenn Blut über die Ränder der Wunde tritt. Die Blutigen werden gezählt.


§65

Die inkommentgemäßen Blutigen werden besonders gezählt. Zu die­sen gehören alle Blutigen:


  1. die nach Entscheidung des Unparteiischen von einer ge­sprungenen Klinge oder einem gesprungenen Brillenglas herrühren oder nach dem Springen einer Klinge gesessen haben;

  2. die unter einer Schutzvorrichtung mit Ausnahme eines Ble­ches oder Leders sitzen;

  3. die von einem illegalen Hiebe herstammen.


§66

Entsteht durch einen und denselben Hieb nicht eine ununterbrochen fortlaufende, sondern mehr als einmal absetzende Verwundung, so wird dieselbe nur als ein Blutiger gezählt.


§67

Wird einem Paukanten eine Arterie durchgeschlagen, so stehen Se­kundant, Testant und Paukarzt mit ihrem Ehrenwort dafür, dass die­selbe während der Mensur nicht abgedreht resp. mit anderen blut­stillenden Mitteln gestillt wird.

7.2.4 Von den Waffen

§68

Die kommentgemäße Waffe ist:


  1. In Berlin, Breslau, Charlottenburg, Greifswald, Dresden, Freiberg, Eisenach, Halle, Jena, Königsberg, Leipzig, Mar­burg und Tharandt der Glockenschläger,

  2. In Aachen, Basel, Bern, Bonn, Braunschweig, Erlangen, Darmstadt, Dorpat, Freiburg, Gießen, Göttingen, Graz, Han­nover, Heidelberg, Innsbruck, Karlsruhe, Kiel, München, Münster, Prag, Rostock, Straßburg, Stuttgart, Tübingen, Wien und Würzburg der Korbschläger.


§69

Ficht ein Angehöriger einer Hochschule, an der Korb (resp. Glocke) geschlagen wird, in einer Hochschulstadt, an der die Glocke (resp. Korb) kommentmäßig ist, so muss ihm auf Verlangen für die letzten 7 ½, resp. bei Abfuhrmensuren 12 ½ Minuten der Korb- (resp. Glo­cken-) Schläger konzediert werden.


§70

Die Klingen der Glockenschläger sollen Degenklingen und 83,7 cm lang sein. Sie sind auf der Vorderseite 41,8 cm auf der Rückseite 20,9 cm von der Spitze an gerechnet zu schleifen, dürfen jedoch, soweit sie geschärft sind, nicht hohl geschliffen sein, während das Gewicht 325 Gramm nicht überschreiten darf.


§71

Die Klingen der Korbschläger dagegen sollen Schilfklingen, im übri­gen aber ebenso geschliffen sein, wie die Klingen der Glockeschläger.


§72

Die Klingen dürfen, soweit sie geschliffen sind, nicht schartig oder abgeschliffen sein. ebenso wenig auffallend im Quart oder in der Schneide gebogen.


§73

Die Klingen müssen bei Beginn der Mensur völlig rein und desinfi­ziert sein.



Abbildung 78: Mensur auf Schläger in Jena am 19.05.1900, rechts: Ferdinand Sauerbruch als Paukarzt


Zusatz: Der Fechtchargierte ist verpflichtet, jeden Paukanten auf Eh­renwort zu fragen, ob er mit einer durch Blut übertragbaren Krank­heit behaftet ist. Im Bejahungsfalle ist bei der Mensur die größte Sorgfalt anzuwenden, die Klingen aber sind nach der Mensur zu vernichten.


7.2.5 Von den Schutzvorrichtungen


7.2.5.1 Der Paukanten


§74

Die Schutzwaffen der Paukanten sind:



§75

Die Riemen, welche zur Befestigung der Paukbrille dienen, gelten nicht als Schutzwaffen.


§76

Mit einem Blech oder Polster darf nur dann losgegangen werden, wenn der Paukarzt dies wegen früher erhaltener Schmisse oder of­fenkundiger Schädeldefekte (Fontanelle) für unbedingt nötig erklärt. Das Blech oder Polster darf jedoch nur die gefährdete Stelle und von ihrer Umgebung zu beiden Seiten je 1 cm bedecken.


§77

Die Halsbinde darf an der breitesten Stelle höchstens 13,1 cm breit und nicht über 2 cm dick sein. Die beiden Enden der Binde sollen sich berühren und den Hals in kommentgemäßer Weise bedecken, das Kinn jedoch frei lassen. Seidene Wickelbinden sind gleichfalls erlaubt.

§78

Der Handschuh muss die Finger und die Hand vollkommen decken und in der Nähe des Pulses mit Ketten verstärkt sein. Andernfalls muss der Puls durch eine Kettenpulsbinde geschützt werden.


§79

Der Stulp ist von Seide und kann mit einfachem Leder überzogen sein.


§80

Der Paukschurz muss den Körper von den Knien bis zu den Brust­warzen schützen.


§81

Die Paukbrille darf unten und oben nicht mehr als 3 mm über die Ränder der Augenhöhle hinausgehen. Wer mit Brillengläsern los­geht, muss drei Paare in Reserve haben.


7.2.5.2 Sekundanten

§82

Die Schutzwaffen der Sekundanten sind:


  1. die Mütze,

  2. die Halsbinde,

  3. der Stulp,

  4. der Schurz,

  5. das Augenschutzgitter, dessen Benutzung fakultativ ist.


§83

Die Sekundantenmütze muss zum Schutze für die Augen mit einem großen und festen Schirm versehen sein.


§84

Der Sekundantenspeer, welcher wie der Schurz die Farben der Kor­poration trägt, ist ein gewöhnlicher Korbschläger mit ungeschliffener Rappierklinge, deren Länge 74,4 cm nicht übersteigen darf.

7.2.5.3 Der Testanten


§85

Die Schutzwaffen der Testanten sind eine Mütze oder Hut und ein Lederhandschuh an der rechten Hand.




Abbildung 79: Mensur im Hofe



7.2.6 Die PP- und Viritimsuite

§86

Wenn sich eine Korporation als solche durch eine andere gekränkt fühlt, so kann sie derselben eine PP- oder Viritimsuite aufbrum­men. Sie muss dies schriftlich und mit Angabe der Gründe tun und ein Verzeichnis ihrer antretenden Mitglieder beifügen.

Viritimsuiten zählen so viele Paare, als die schwächere Korporation Aktive hat und zwar einschließlich aller Füchse. Einjährig-Freiwillige werden nicht mitgezählt.


§87

Die geforderte Korporation hat der Gegenpartei binnen dreimal 24 Stunden nach Empfang der Forderung deren Annahme schriftlich mitzuteilen, unter Übersendung eines Verzeichnisses der auf ihrer Seite antretenden Mitglieder.


§88

Die Bestimmung der Paare erfolgt durch die beiderseitige Reihen­folge der Listen.


§89

Der geforderten Partei ist es gestattet, die Fordernde zu überstür­zen; als dann gilt erstere als die Fordernde.


§90

Eine nochmalige Überstürzung ist nicht zulässig.


§91

Bei PP- Suiten darf die Zahl der aufgebrummten Partien die Anzahl der von der geforderten Partei nicht übersteigen, Füchse im ersten Semester sind hierbei nicht mit zu rechnen.


§92

Als Präsenzliste gilt diejenige, die zur Zeit des Vorfalles, der als Grund zur Aufbrummung der PP- Suite angegeben wird, ausge­tauscht war.


§93

Die drei Chargierten treten stets gegen einander an.



§94

Die Forderung geht höchstens auf Schläger bis zur Abfuhr.


§95

Mit Vorbehalt der Suspension anzutreten ist nicht gestattet.


§96

PP- und Viritimsuiten sind möglichst bald auszufechten.


§97

Das PP- Verhältnis dauert solange, bis das letzte Paar gefochten hat. Solange das PP- Verhältnis andauert, dürfen die beiden Korpo­rationen ihre Mitglieder weder auf Bestimmung noch auf Kontra­hage gegen einander herausstellen. Beleidigungen und Kontraha­gen, die zwischen den beiderseitigen Mitgliedern fallen, sind zu re­vozieren.


§98

Während der Dauer des PP- Verhältnisses braucht keine Partei ein Mitglied der anderen als Unparteiischen anzuerkennen.


Abbildung 80: Mensur



7.3 Die schwere Mensur


7.3.1 Allgemeines


§99

Säbel- und Pistolenforderungen dürfen nur dann zum Austrag ge­bracht werden, Wenn sie von dem Ehrengerichte für zulässig erklärt worden sind. Im übrigen vergleiche §3-5.


§100

Binnen viermal 24 Stunden nach gefallener Säbel oder Pistolenfor­derung muss ein Ehrengericht berufen werden, welches in weiteren 24 Stunden zusammenzutreten hat.


§101

Das Ehrengericht besteht aus je drei Vertretern der beteiligten Par­teien. Die fordernde Partei stellt den Vorsitzenden, bezüglich dessen die Bestimmungen in §§35-39 gelten, und den --- nicht stimmbe­rechtigten --- Protokollführer.


§102

Das Ehrengericht ist nur beschlussfähig, wenn alle seine Mitglieder anwesend sind. Widrigenfalls wird es auf 24 Stunden vertagt. Ist der Forderer oder der Geforderte am Erscheinen im Ehrengerichte durch dringende Gründe verhindert, so genügt eine auf Ehrenwort abzu­gebende schriftliche Darstellung der Sachlage.


§103

Der Vorsitzende eröffnet das Ehrengericht, indem er die Vertreter verpflichtet, ihre Entscheidung über die Zulässigkeit der gestellten Säbel- oder Pistolenforderung auf ihr Ehrenwort zu nehmen und evtl. bis zu einem zu bestimmenden Zeitpunkte Silentium über die Vor­gänge im Ehrengerichte zu bewahren.


§104

Darnach macht er die Kontrahenten und Zeugen darauf aufmerk­sam, dass sie ihre Aussagen auf Ehrenwort zu machen haben, und die Kontrahenten, dass sie sich in jedem Falle der Entscheidung des Ehrengerichtes zu unterwerfen haben. Weigert sich ein Kontrahent dessen, so ist er für satisfaktionsunfähig zu erklären.


§105

Hierauf werden die Parteien verhört, evtl. konfrontiert und die Zeu­gen vernommen.

Die Kontrahenten haben das Ehrengerichtsprotokoll über ihre Aus­sagen zu unterschreiben.


§106

Nach Beendigung des Verhörs stellt der Vorsitzende die Frage zur Debatte, ob die gestellte Säbel- oder Pistolenforderung nach den Erklärungen der Parteien und Zeugen für zulässig zu erachten sei. Nach Schluss der Debatte wird zur namentlichen Abstimmung ver­schritten. Der Vorsitzende beteiligt sich hieran nicht, gibt jedoch bei Stimmengleichheit den Ausschlag.


§107

Pistolen sind vom Ehrengericht nur dann für zulässig zu erklären:


  1. Wenn die Beleidigung eine tödliche ist, d.h. die Ehre eines Andern oder seiner Familie derartig verletzt, dass er Wün­schen muss, seinen Beleidiger zu töten.

  2. Wenn der Beleidigte wegen eines körperlichen Gebrechens auf krumme Säbel nicht losgehen kann.


Wenn der Beleidiger aus diesem Grunde außer Stande sein sollte, auf blanke Waffen loszugehen, so hat er zu revozieren und zu de­prezieren.


§108

Erklärt das Ehrengericht die Suite für zulässig, so hat der Vorsit­zende zunächst einen Versöhnungsversuch in der Weise zu ma­chen, dass er den Forderer fragt, ob er eventuell Satisfaktion in Form von Revokation und Deprekation nehmen wolle, und sodann im beja­henden Falle den Geforderten fragt, ob er sich hierzu ver­stehe. Ge­lingt der Versöhnungsversuch, so hat die Revokation und Depreka­tion sofort vor dem Ehrengerichte und dem Forderer zu ge­schehen.


§109

Andernfalls hat der Vorsitzende den Anwesenden das Ehrenwort abzunehmen, dass sie auf in jedem Falle näher zu bestimmende Zeit über alle Vorgänge im Ehrengerichte Schweigen bewahren, mit Ausnahme gegen diejenigen, welche offiziell bei dem Duell fungie­ren sollen. Auch in diesem Falle darf die Mitteilung nur nach Ab­nahme des Ehrenworts auf Stillschweigen erfolgen.


§110

Eine vom Ehrengericht für zulässig erklärte Forderung muss binnen dreimal 24 Stunden mit der Waffe ausgetragen werden. Doch kann das Ehrengericht diese Frist in besonderen Fällen verlängern und insbesondere dem mit der Führung eines krummen Säbels nicht ver­trauten eine Einpaukzeit bis zu 6 Wochen gewähren.

Ferien sind tempus utile.


§111

Der Protokollführer hat binnen dreimal 24 Stunden dem Fechtwart der geforderten Partei eine Abschrift des Protokolls, das vom Vor­sitzenden und den Ehrenrichtern unterzeichnet sein muss, zuzustel­len.


Die Protokolle sind 2 Jahre vom Datum des Ehrengerichts an ver­siegelt aufzubewahren und dann uneröffnet zu vernichten.


Abbildung 81: Komplette Mensurmanschaft



7.3.2 Von der Säbelmensur


§112

Die einzig gültige Forderung ist auf Säbel glacé, 15 oder 25 Minuten, mit oder ohne Binden und Bandagen.



Abbildung 82: Mensur auf Säbel um 1905



§113

Die Klinge des Säbels hat eine Sehnenlänge von 99,6 cm, sie ist an der Spitze abgerundet und auf der vorderen Seite in einer Länge von 42,4 cm geschliffen.

Der Korb des Säbels ist der sogen. Göttinger Säbelkorb. Er hat 6 Bügel und einen Terzbügel, die mit Seide durchflochten sind. Die Höhe des Korbes beträgt 16,6 cm, seine größte Weite 23,9 cm, und der Abstand der Parierstange vom Stichblatt 6,6 cm.



§114

Als Schutzwaffen sind gestattet:


  1. bei Forderungen mit Binden und Bandagen,

  1. die Paukbrille (fakultativ),

  2. die Halsbinde,

  3. ein waschlederner Handschuh mit Pulsketten,

  4. die Axillaris und zwei Schulterkissen,

  5. cm breite, aus Seide oder Leder gefertigte Säbelban­dagen, welche Schulter, Ellenbogen und Handgelenk schützen. Beim Handgelenk zählt die Breite vom Knö­chel an.

  6. ein Paukschurz, der den Unterleib bis zum Anfang der Rippen deckt,

  7. der Zopf, welcher aus Seide geflochten, 2,7 cm breit und längs der Terzseite auf den Arm zu legen ist,

  8. der Herzfleck, der auf die Herzgrube gelegt wird.


  1. bei Forderungen ohne Binden und Bandagen,

  1. ein waschlederner Handschuh mit Kettenbinden am Handgelenk,

  2. seidene Tücher, welche den Hals und die Achsgegend in Handbreite, sowie das Handgelenk und den Ellenbo­gen schützen,

  3. ein umgekehrter Sekundierschurz,

  4. Paukbrille oder Halsbinde fakultativ.


Bei beiden Mensuren darf ein ungestärktes Leinenhemd getragen werden; jedoch muss der bandagierte Arm frei sein.


§115

Die Sekundanten stecken die Mensur dergestalt ab, dass sie in Aus­fallstellung mit gestrecktem Arme die Klingen in der Mitte kreu­zen und darauf mit der Spitze des Säbels hinter dem Fuße durch Auf­stoßen die Punkte angeben, durch welche vom Unparteiischen die Mensurkreuze zu ziehen sind. In der Mitte zwischen diesen ist ein Strich zu machen, den die Paukanten nicht überschreiten dürfen.



§116

Die Paukanten sind nicht gezwungen, während des Ganges auf den Mensurkreuzen stehen zu bleiben.


§117

Als offizielle Personen haben bei der Mensur zu fungieren ein Un­parteiischer, zwei Sekundanten und zwei Testanten. Über die Pflich­ten und Rechte derselben gelten die bei den Schlägermensuren an­gegebenen Bestimmungen.


Jeder Paukant hat einen approbierten Arzt mitzubringen.


§118

Vor jeder Säbelmensur hat der Unparteiische einen Sühneversuch zu machen.


Abbildung 83: Säbelmensur um 1905



§119

Bei Säbelmensuren ohne Binden und Bandagen gelten alle Schmisse unter oder durch die Bandagen für kommentmäßig, bei Säbelmensuren mit Binden und Bandagen dagegen nur die Schmisse unter oder durch die Armbandagen.


§120

Die Paukanten sind vor Beginn der Mensur von dem Unparteiischen darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich aller Hiebe mit dem Rücken des Säbels zu enthalten haben. Wird ein Hieb mit dem Rü­cken durch den Unparteiischen konstatiert, so ist der betreffende Paukant auf Ehrenwort zu fragen, ob er den Hieb absichtlich ge­schlagen habe, und im Bejahungsfälle mit perpetuellem Verrufe zu bestrafen.


§121

Schlägt ein Paukant unabsichtlich zweimal mit dem Rücken des Sä­bels, so wird die suspendiert.


§122

Überstürzung von Säbel auf Pistole ist nicht statthaft. Vergl. jedoch §107. Bei gegenseitigen Forderungen auf schwere Waffen ist die Säbelforderung vor der Pistolenforderung auszufechten.



Abbildung 84: Paukboden in Hamburg



7.3.3 Von der Pistolenmensur


§123

Eine gewöhnliche Pistolenforderung geht auf einmaligen Kugel­wechsel und entweder auf Distanz oder auf Barriere mit einfachem oder unterbrochenem Avancieren. Geschärfte Pistolenforderungen gehen auf zwei- oder dreimaligen Kugelwechsel.


7.3.3.1 Pistolenmensuren auf Distanz


§124

Bei Pistolenmensuren auf Distanz erhält jeder Paukant durch das Los einen Standort angewiesen, den er während der Mensur nicht verlassen darf. Die Distanz zwischen den Paukanten muss zwischen 10 und 20 Schritt betragen. Die Größe der Schritte ist dem Unpar­teiischen, der die Distanz abzumessen hat, überlassen, insbeson­dere sind auch Sprungschritte erlaubt.


§125

Der Unparteiische kommandiert: „Eins, zwei, drei, Halt.“ Bei „Eins“ haben die Paukanten die Mündungen mit angezogenem Arme hoch zu halten, zwischen „zwei“ und „drei“ zu zielen und zwischen „drei“ und „Halt“ zu schießen. Es darf weder vor „drei“, nach „Halt“ ge­schossen werden.

§126

Die einzelnen Kommandos müssen einander in Zeiträumen von höchstens zwei, mindestens aber einer Sekunde folgen.


§127

Wenn Vereinbarungsgemäß der Beleidigte den ersten Schuss hat, so muss der Beleidiger binnen einer Minute nach dem Beleidigten seinen Schuss abgeben.

7.3.3.2 Pistolenmensuren auf Barriere


§128

Forderungen auf Barriere mit einfachem Avancieren sind auf 5 bis 10 Schritte zu stellen.


§129

Der Unparteiische schreitet die dreifache Zahl der vereinbarten Schritte ab und zwar zunächst z.B. bei 10 Schritt Distanz - 10 ge­wöhnliche Schritte (a bis b der Zeichnung), dann 10 Sprung­schritte (b bis c) und dann wieder 10 gewöhnliche Schritte (c bis d).


a----------------------b----------------------------c-------------------------d


Die Punkte a, b, c und d sind durch ein deutliches Merkmal kenntlich zu machen. Der Raum zwischen b und c heißt die Barriere.


§130

Die Paukanten treten an die Punkte a und d, die unter ihnen verlost werden, avancieren von hier aus auf das Kommando des Unpar­teiischen: Achtung ! „Eins“, „zwei“, „drei“, „Halt“ nach b und c. Die Mündung der Pistole darf nicht über die Karriere reichen.


§131

Das Avancieren hat in langsamem Schritt zu geschehen, indem der rechte Fuß vorgesetzt und der linke nachgezogen wird.

Bei Linksern wird der linke Fuß vorgesetzt.


§132

Wahrend des Avancierens haben die Paukanten zu zielen und zu schießen. Die erhobene Pistole darf nicht wieder gesenkt werden.


§133

Wer bis an den Anfang der Barriere b und c avanciert, ohne zu schießen, hat den Schuss verloren.


§134

Nach Abgabe eines Schusses hat der Paukant stehen zu bleiben und den Schuss des Gegners zu erwarten.


§135

Bei Forderungen auf Barriere mit ununterbrochenem Avancieren gel­ten dieselben Bestimmungen wie beim einfachen Avancieren mit der Abweichung, dass sofort beide Gegner stehen bleiben müssen, so­bald ein Schuss gefallen ist, und dass der zweite Schuss binnen ei­ner halben Minute nachfolgen muss.


§136

Bezüglich des Unparteiischen, der Sekundanten, Testanten und der Ärzte gilt das bei Säbelmensuren Gesagte mit folgenden Modifika­tionen.


§137

Vor der Mensur hat der Unparteiische allen Anwesenden das Eh­renwort de silentio für dreimal 24 Stunden abzunehmen. Doch kann er nach der Mensur nach eigenem Ermessen von dem Ehrenworte dispensieren oder die Frist, während welcher Schweigen zu beob­achten ist, verlängern.


§138

Der Unparteiische hat die Distanz oder Barriere auszuschreiten, die Waffen für die Paukanten und Sekundanten zu laden, und die Plätze auf der Mensur, sowie die Pistolen zwischen den Parteien zu verlo­sen.


Anm.: Jede Partei hat ein paar gezogene Pistolen mit Stechvorrich­tung mitzubringen. Das Los entscheidet, welches Pistolenpaar zu wählen und wie dasselbe unter den Paukanten zu verteilen ist.


§139

Vor der Mensur hat der Unparteiische den Paukanten das Ehrenwort abzunehmen, dass sie auf die mitgebrachten Pistolen nicht einge­schossen sind, d. h. sich auf dieselben nicht im Zielen und Schießen geübt haben.


§140

Vor jedem Kugelwechsel hat der Unparteiische einen ernsten Ver­söhnungsversuch zu machen.


§141

Jeder Sekundant erhält eine vom Unparteiischen zu ladende Pistole und hat in der Nähe des Gegenpaukanten eine gedeckte Stellung einzunehmen.


§142

Bei einer groben Inkommentmäßigkeit des Gegenpaukanten, durch welche sein Paukant wesentlich bedroht wird, ist der Sekundant be­rechtigt, auf den Gegenpaukanten zu schießen.


§143

Versagten ein oder mehrere Schüsse, so gelten sie als verloren. Versagten jedoch bei einmaligem Kugelwechsel beide Schüsse, so muss auf Verlangen eines Paukanten nochmals geschossen wer­den.


§144

Sobald bei einer Forderung auf mehrmaligen Kugelwechsel eine Verwundung fällt, ist die Mensur beendet.



Abbildung 85: Postkarte



7.4 Von den inkommentgemäßen Mensuren


§145

Inkommentmäßig sind:


  1. Die Mensuren auf den Stich

  1. Das sogenannte Renkontrefechten, d. h. Duell auf Hieb und Stich zugleich.

  2. Das Schießen mit zugewandtem Rücken.

  3. Das Schießen aus dem Sack. (Von zwei in einem Sacke befindlichen Pistolen, unter denen die Duellan­ten in einer durch das Los zu bestimmenden Reihen­folge wählen müssen, ist nur eine geladen.)

  4. Das Schießen über das Tuch.

  5. Das Schießen auf parallelen Linien. (In einer Entfer­nung von 15 bis 20 Schritten werden zwei parallel laufende Linien von 20 bis 30 Schritt Länge durch Schnuren markiert. Der eine Duellant steht bei a, der andere bei b. Auf den Ruf: „Los“ avancieren die Duel­lanten; die geringste Distanz zwischen ihnen ist also vorhanden, wenn der eine bei x und der andere bei z steht. Wer seinen Schuss abgegeben hat, muss ste­hen bleiben und den Schuss des Gegners, der zum Avancieren und Schießen eine halbe bzw. wenn er verwundet worden ist, Minuten Zeit hat, erwarten.)

  6. Die sogenannten amerikanischen Duelle.


§208

Hat der Zweikampf ohne Sekundanten stattgefunden, so kann die verwirkte Strafe bis um die Hälfte, jedoch nicht über fünfzehn Jahre erhöht werden.


§209

Kartellträger, welche ernstlich bemüht gewesen sind, den Zwei­kampf zu verhindern, Sekundanten, sowie zum Zweikampf zugezo­gene Zeugen, Ärzte und Wundärzte sind straflos.



§210

Wer einen Anderen zum Zweikampf mit einem Dritten absichtlich, insbesondere durch Bezeigung oder Androhung von Verachtung an­reizt, wird, falls der Zweikampf stattgefunden hat, mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft.



Abbildung 86: Nach der Mensur






8 Schlussworte

Die Bestimmungs- bzw. Sportmensur in der heutigen Form hat sich bewährt. Die interessierte Öffentlichkeit hat anerkannt, dass es sich bei der Be­stimmungsmensur um kein Duell mit evtl. tödlichem Ausgang han­delt. Das Verständnis für die Mensur ist in dieser Öf­fentlichkeit jedoch nicht gewachsen. Dies liegt unter anderem daran, dass die Mensur in der Praxis unter Aus­schluss der Öffent­lichkeit stattfindet und Außenstehende nur das fri­sche Ergebnis der Mensur auf den Köpfen unserer Bundesbrüder sehen, ohne die historischen Hintergründe zu kennen. Viele Studenten an größeren Universitäten wissen nicht ein­mal, dass es noch Verbindungen gibt oder dass noch Mensuren ge­fochten werden. Erst der frische Schmiss beim Gegen­über fördert an der Uni das informative Gespräch.


Im Umfeld der Massenuniversität befindet sich der Korporierte auch weiterhin in der Minderheit. Wer einer Studentenverbindung ange­hört und Mensuren schlägt, wird schnell von Außenstehenden an­gefeindet. Der in den 60iger und 70iger Jahren durchgeführte Selbstfin­dungsprozess in den Korporationen hat die Lage nicht ver­bessert. Anstatt sich auf die echten Stärken der Verbindung (das gemein­schaftliche Leben und Studieren, das Lebensbundprinzip) zu kon­zentrieren, wurden die äußeren Merkmale (Couleur, Anzüge, Men­sur) analysiert und hinterfragt. Von Teilen der Presse und den linken Gruppierungen an den Hochschulen wurden die Korpora­tionen jeg­licher Couleur angegriffen. Aus diesem Kampf haben viele Korpora­tionen ihre Konsequenzen gezogen.

Es gibt heute weniger schlagende Verbindungen, die sich offen zur Mensur be­kennen. Einige Verbindungen haben ihren Mitgliedern das Schlagen von Mensuren freigestellt. Ob dies nur aus Gründen der Öffentlichkeitsarbeit und der Nac­hwuchswerbung geschah sei dahingestellt.


Wenn der Nachwuchs in einer Verbindung ausbleibt, wird oft im Rahmen eines modernisierten Konzeptes die studentische Identität der Verbindung überprüft, die inneren Selbstverständlichkeiten hin­terfragt und die Mensur schnell verurteilt.

Ob eine Verbindung viel oder wenig Nachwuchs hat, ist aber be­stimmt keine Frage der Men­sur. Es gibt keinen Zusammen­hang zwischen der Pflichtpartienzahl eines Bundes und der Größe seines Fuxenstalls. Es kann vielmehr argumentiert werden, dass eine er­höhte Pflichtpartienzahl zu gut besuchten Paukstunden füh­ren, dass der Aktivenstatus länger erhal­ten bleibt und es somit mehr Bundes­brüder auf dem Haus gibt. Die Gründe sollten in diesen Fäl­len eher im fehlenden Engagement der Mitglieder einer Verbindung gesucht werden, als in der Mensur.


Alle Vereine haben heutzutage Schwierig­keiten bei der Nach­wuchswerbung, nicht nur die studentischen Verbindungen. Dies ist ein grund­sätzliches, gesellschaftliches Problem. Die Bereitschaft zu jedem persönlichen Engagement ist heute in allen Alterklassen ge­ring. Die Konsumbereitschaft (TV, Kino, MP3, Computer­spiele, Le­sen) hat die Bereitschaft zu produktiven Tätigkeiten (Sport, Malen, Musizieren, Schreiben, Vereinstätigkeiten) überholt. Solange sich aber studentische Verbindungen nicht ausschließlich über das Fech­ten de­finieren, sondern das menschliche Miteinander betonen und das Le­bensbundprinzip von allen Mitgliedern gelebt wird, sollte es keine Probleme mit dem studenti­schen Nachwuchs geben.


Die Vorteile der Mensur werden im Rahmen der Nachwuchswer­bung und Öffentlichkeitsarbeit schnell argumentativ überstrapa­ziert. Wer die Förderungsziele der Mensur wie z.B. Charakterbildung, Rit­terlichkeit, Gemeinschaftsgeist oder Standhaftigkeit in der Keilarbeit zu sehr be­tont, kann schnell unglaubwürdig wirken. Zur Erreichung die­ser Ziele gibt es aus Sicht von Außenstehenden meist andere und bessere Methoden. Der Begriff der Sportmensur ist für Außen­stehende verwirrend, da der Sport weder die „Reinigung“ noch den Bandent­zug für bemängelte oder nicht erbrachte sportliche Leistung kennt. Auch ist die Mensur unter dem Gesichtpunkt der sportlichen Kriterien wie „Sieg“ oder „Rekord“ einem Außenstehenden gegen­über schwer zu erklären. Viele Merkmale der heutigen Bestim­mungsmensur werden erst unter Berücksichtigung des historischen Hintergrun­des verständlich.

Die heutigen Ak­tiven haben eine realistischere und pragmatischere Einstellung zur Mensur. Die Bestim­mungsmensur wird von den Akti­ven und den Keilgästen im Bereich der Traditionspflege angesiedelt und als Pflicht­übung akzeptiert. Man tut es, wenn man dazu gehören will. Der Himmel ist blau, das Wasser ist nass, wir schlagen Mensu­ren – was ist schon dabei. Die Mensur hat noch keinem - weder kör­perlich noch geistig - wirklich geschadet.


Es gibt selbstverständlich studentische Verbindungen, die keine Mensu­ren schlagen und sehr erfolgreich sind. Das Grundprinzip der studentischen Verbindung lässt verschiedene Formen des korpora­tiven Miteinanders zu. Jede politische oder thematisch orientierte Variante ist möglich. Im Sinne des Toleranzprinzips und der korporativen Vielfalt gehören die schlagenden und die nicht schlagenden Verbindungen dazu.


Die Mensur ist ein wichtiges Erbe der studentischen Geschichte. Verzichtet eine studentische Verbindung auf die Mensur, so geht immer auch ein wichtiges Stück studentischer Ge­schichte unwider­bringlich verloren. Wir sollten diese studentische Tradition im Sinne einer korporativen Vielfalt deshalb schützen und uns nicht zu sehr um die Außenwirkung der Mensur kümmern.


Die Idee der studentischen Verbindungen (z.B. das fakultätsüber­greifende Zusammenleben und Studieren, das Lebensbundprinzip, die demokratischen inneren Prinzipien, das gemeinschaftliche Woh­nen auf dem Haus, die Übernahme von Pflichten und Verantwortun­gen) ist und bleibt modern – unabhängig davon, ob Mensuren ge­schlagen werden oder nicht.




Abbildung 87: Säbel




In dem Studentenlied: „Nein, ihr könnt uns nicht begreifen“ (Sing­weise: Heidelberg, du Jugendbronnen) hat mein verstorbener Bun­desbruder Thomas Hübbe (Geb.15.09.1897; Aktiv SS 1919, Turner­schaft Cimbria Greifswald; Alte Turnerschaft Slevigia-Niedersach­sen) einige passende Worte zum Thema studentisches Leben und der Mensur im Besonderen gefunden:


  1. Nein, ihr könnt uns nicht begreifen, denen nie ein Burschenband
    als ein immergrüner Reifen um die junge Brust sich wand.
    Die ihr auf dem Pfad der Tugend durch das harte Dasein trabt
    |: und darüber eurer Jugend holde Lust verloren habt. :|

  2. Nach des Tages Qual und Hitze flüchten wir zum Alten Haus
    und in Band und bunter Mütze treiben wir die Sorgen aus.
    Und die Burschen, die das singen, das ist unser Fleisch und Blut,
    |: lasst die Gläser hell erklingen, frohem Jugendübermut. :|

  3. Wer sich legt mit heilen Wangen, der kann sanft und sicher ruhn,
    aber keiner soll verlangen, dass wir just dasselbe tun.
    Wenn wir unsre Waffen schmieden, und es schwingt sie jeder Mann,
    |: also lasst uns doch zufrieden, denn es geht euch gar nichts an. :|

  4. Wenn wir einst vollendet haben blitzt am Grab uns blanke Wehr,
    und auch euch wird man begraben, doch kein Bursch senkt euch den Speer.
    Lasst uns schwärmen, lasst uns singen, bis das Lied zu Ende geht,
    |: aber redet nicht von Dingen, die ihr einfach nicht versteht. :|


Abbildung 88: Korb














Die

verwendeten

Fremdworte

und

Fachausdrücke

9 Die verwendeten Fremdworte und Fachausdrücke


Stichwort

Beschreibung

Admission


Aufnahme eines Fuxen nach mehrwöchiger Probezeit auf Beschluß des Burschenconvents als Mitglied in eine Kor­poration.

Abfuhr

Vorzeitige Beendigung einer Mensur; bei Abfuhr „auf Schmiß" („Wir führen ab") wird die Partie als genügend anerkannt. Wird wegen moralischer oder technischer Män­gel „auf Haltung" abgeführt („Wir erklären die Abfuhr"), muß Paukant „auf Reinigung" antreten

AGA

Arbeitsgemeinschaft Andernach: 1951 in Andernach ge­gründete Interessengemeinschaft der waffenstudentischen Verbände zur Erhaltung und Förderung der Mensur

Aktiver

Studierendes Mitglied einer Studentenverbin­dung. Zur Aktivitas zählen Füxe, Burschen und inaktive Burschen, also alle Mitglie­der, die ihr Studium noch nicht beendet haben. Die Aktivitas prägt als tragende Säule der Verbindung deren Leben, Pro­gramm und äußeres Erscheinungsbild. Sie ist demokratisch aufgebaut (Konvente) und wird durch die Chargierten geleitet.

Alter Herr

Mitglied einer Studentenverbindung nach Ab­schluss des Studi­ums. Früher auch Philister ge­nannt. Erst ab ca. 1860 kam die Bezeichnung Al­ter Herr (AH) auf, um der damaligen spießbürgerli­chen Nebenbedeutung des Begriffes Philister die Würde des Al­ters entgegenzusetzen. Die Alten Herren tragen zum Verbin­dungsleben im wesent­lichen als fördernde und beratende Mit­glieder bei und sorgen für die Kontinuität des Korporationsge­danken.

Annoncieren

Ankündigung

Avancieren

Vorrücken

Band

Schmale Schärpe, meist ca. 28mm breit, in den Verbindungs­farben, wird als äußeres Zeichen der Zugehörigkeit zu einer (farbentragenden) Verbin­dung getragen (über die rechte Schul­ter zur lin­ken Hüfte, zum Frack auch horizontal). Bes­tandteil des Couleurs. Symbolisiert das Eintreten für die Prinzipien der Ver­bindung und das "Freund­schaftsband", das alle Gleichgesinnten um­schlingt. Füxe haben im Unterschied zu Bur­schen ein in der Regel nur zweifarbiges Band (zwei­streifig oder dreistreifig mit Wiederholung einer Farbe). Entstanden aus dem Band der Or­denskreuze der studentischen Orden.

Bandage

Teil des Paukantenschutzes an Hals und Arm

Bestimmungs-mensur


Die durch Verbandsprinzip für die Mitglieder der Bünde waffenstudentischer Verbände verbindlichen Mensuren, die vom Fechtchargierten im Einzelfall bestimmt und auf der Fechtwartsitzung vereinbart werden (siehe Fechten).

Bier


(lat. biber = Trank) Beliebtes studentisches Ge­tränk, aus dem germanischen Met durch Beigabe von Hopfen entwickelt. ( Kneipe)

Biername

siehe Couleurname

Bursche

Vollberechtigtes Mitglied einer Verbindung im Gegensatz zu Fux und Conkneipant. Nach der Fuxenzeit wird ein Mitglied durch eine feierliche Zeremonie (Burschung oder Reception) unter Ab­leistung eines Burscheneides zum vollberechtig­ten Mitglied er­klärt.

Burse


Mittelalterliche Bezeichnung für das Studenten­wohnheim und Studierhaus, bzw. für die gemein­same Kasse. (s.a. Geschichte der Verbindungen. Aus diesem Begriff leitet sich die Bezeich­nung Bursche ab (s.o.).

Charge,

Chargierte, Chargieren

Die Charge (frz.: Bürde eines Amtes) ist ein "Vorstandsamt" in einer Verbindung. Anzahl (2-4) und die Bezeichnungen sind je nach Art der Ver­bindung unterschiedlich. Es gibt: Erstchargier­ter/Sprecher/Senior als "Vorstands­vorsitzender" als höchster Repräsentant einer Verbindung mit Richtlinienkompetenz bei der Gestaltung des Bundeslebens. Er leitet auch Kneipen und Kom­merse. Des weiteren: Zweit­chargierter, Drittchar­gierter, Conse­nior/ Subse­nior, Fechtwart, Schrift­führer/ Schriftwart/ Aktuar/ Sekretär, Kas­sier/ Quästor, Fux-major. Als Amts­kürzel werden Kreuze gebraucht x für Senior, ... bzw. FM für Fuxmajor. Jedes Semester werden die Chargen durch den Konvent neu besetzt. Der Amtsinhaber einer Charge wird als Chargierter bezeichnet. Als Chargieren wird das Auftreten von (meist) drei Mitgliedern einer Verbindung zu be­sonderen fei­erlichen Veranstaltungen im Voll­wichs bezeich­net. Die Chargierten stellen auch das Präsi­dium einer Kneipe oder eines Kommer­ses.

Comment

oder Komment

Brauch (Muster); Regeln

(frz. "wie") Regularium und Glossar für bestimmte Formen des studentischen Brauchtums und Ge­meinschaftslebens. Früher streng normativ, heute eher deskriptiv. Es gibt den allgemeinen deut­schen Bierkomment als Kneipkomment, sowie Cou­leurkomment, Fechtkomment etc.

Contra

oder Kontra

Der Paukant, gegen den man ficht.


Contrahage

oder Kon­trahage

Forderung zum Zweikampf


Convent

oder Konvent


Beratendes und beschlussfassendes Organ einer Verbindung als Ausdruck des demokratischen Prinzips. Je nach Kreis der stimmberechtigten Mitglieder unterscheidet man verschiedene Kon­vente (Allgemeiner C., Burschenc., Altherrenc., Bundesc.). Tagt mehrmals im Semester, also deutlich häufiger als die Mit­gliederversammlung eines normalen Vereins. Ebenfalls Be­zeichnung für die Zusammenkunft der Vertreter aller Verbin­dungen eines Dachverbandes, daher taucht diese Bezeichnung in den Namen einiger Ver­bände auf.

Corona

oder Korona

Kreis, Teilnehmerkreis, Tafelrunde, Gesellschaft, gesellige Runde. So werden die Teilnehmer einer Kneipe außerhalb des Präsidiums bezeichnet. Unterteilt sich oft weiter in Fuxenstall und Bur­schensalon.

Couleur

Die Farben einer Verbindung, die als äußeres Zeichen derselben von ihren Mitgliedern getragen werden. Bestandteile sind Band, Zipfel, Mütze und ggfs. Verbandsnadel. In der Regel bedeutet Vollcouleur Anzug und Couleur, Halbcouleur nur Band und Zipfel ohne Anzug. Im weiteren Sinne ist auch die Couleur des Bundes darunter zu ver­stehen (Fahne, Banner, Vollwichs, ...). "Couleur" taucht aber noch in vielen anderen Begriffen auf, die sich auf das Verbindungsstudententum an sich beziehen. Couleurge­genstände: Alles, wo die Farben oder das Wappen des Bundes auf­tauchen (z.B. Couleurgläser).

Couleurname

(auch Biername oder Vulgo) Interner Name eines Mitgliedes, entstanden in Zeiten, in denen Ver­bindungen verboten waren.

Deprekation, deprezieren

Abbitte bzw. Abbitte leisten

Dimission

Strafweiser Ausschluß eines Mitgliedes aus einer Korporation auf Zeit "Schwarz­wald") oder Dauer wegen Verstoßes gegen die Mitgliedspflich­ten (Folge: Couleurentzug).

Direktion

Leitung, Richtung

Duell

siehe Fechten

Ehre

Ehre ist die dem Menschen aufgrund seines Menschseins und der damit verbundenen Würde zustehende und grundrechtlich garantierte Achtung; sie gründet sich allein auf den sittlichen Wert des Menschen und ist deshalb als allgemeine Achtungswürdigkeit im Urteil anderer (äußere Ehre) und im eigenen Urteil (innere Ehre) zu verstehen.

Ehrengericht

Dem Ehrengericht (EG) obliegt die Einleitung und Durchführung von Ehrengerichtsverfahren zwischen Per­sonen, die einer bestimmten Ehrenordnung unterworfen sind. Die Ehrenordnung sieht die Bildung eines Ehrengerichts für den Einzelfall vor, das nach Aufklä­rung des Sachverhalts den Parteien einen Ausgleich vor­schlägt oder durch Spruch über die zu leistende Genug­tuung entscheidet oder den Ehrenstreit für erledigt er­klärt, wenn eine Beleidigung nicht vorliegt. 2) Das Oberste Ehrengericht des CC ist höchste Verbandsinstanz in Ehrenangelegenheiten; es besteht aus einem Vorsitzer und zwei obersten Ehrenrichtern

Fechten

Neben dem Adel, Würdenträgern und Mitgliedern der Fechter­gesellschaften (des Bürgertums und der Handwerkerschaft) stand nur den Studenten das Recht zu, Waffen zu tragen. Später wurde es eine leidenschaftlich gepflegte Form zur Rege­lung von Ehrenangelegenheiten (Satisfaktion) und war oft verboten. Da­raus resultierte auch die Spaltung in schlagende und nicht schlagende Verbindun­gen. Mitte des 19. Jahrhunderts entwi­ckelte sich parallel zum Duell die Schlägermensur als "ritterli­ches Kampfspiel". Während das Duell zu Anfang des 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung verlor und nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr praktiziert wird, wurde die Mensur weiter formali­siert und zur Bestimmungsmensur entwickelt.

Fink


Nichtkorporierter.

Um 1740 als Bezeichnung für den ungeregelt Lebenden.

Fux,

Fuchs

Neues Mitglied einer Verbindung. Während der meist zweise­mestrigen Fuxenzeit hat das neue Mitglied die Gelegenheit, das Verbindungsleben und die anderen Mitglieder kennen zulernen. Da­nach wird er geburscht. Bei einigen Verbindun­gen gibt es die Unterscheidung zwischen dem Krass­fuxen im 1. Semester und dem Brandfuxen im 2. Semester.

Gang

Kleinster Teilabschnitt einer Mensur.

Glocke,

Glocken-schläger

Wegen eines kleineren Handschutzes leichtere und bewegli­chere Mensurwaffe, in einigen Uni­versitätsstädten östlich der Elbe gebräuchlich anstelle des Schlägers.

Inaktiver

Studierendes Mitglied der Aktivitas einer Studen­tenverbindung, dass aus studientechnischen Gründen (Hauptprüfungen, Di­plomarbeit, Praxis­semester etc.) oder Wechsel des Studienortes von verschiedenen Verpflichtungen befreit ist.

Keilen

Werbung neuer Mitglieder.

Kneipe

Traditionelle Feier im studentischen Leben, die nach bestimmten Ritualen (Komment) in Vollcou­leur mit Gesang, Reden und Ze­remonien gestal­tet wird. (Chargierte oft mit Voll- o. Halbwichs). Die Kneipe gliedert sich zeitlich in Offizium (feier­licher hochoffi­zieller Teil mit Receptionen etc.), Inoffi­zium (lockerer mit Zipfel­tausch, Brandungen etc.) und Fidulität im Anschluss an die Kneipe. Räum­lich gliedert sie sich in Präsidium und Co­rona letz­tere ggf. in Burschensalon und Fuxen­stall mit Kontrarium. Eine besonders feierliche Variante der Kneipe ist der Kommers. Während der Reden und Zeremonien herrscht Silentium (Ruhe), da­zwischen Kolloquium (Gespräch). Au­ßerdem werden studen­tische Lieder gesungen.

Komment

Siehe Comment

Konstatiert

etwas als tatsächlich feststellen

Korb,

Korbschläger

Wegen ihres größeren Handschutzes mittelschwere Men­surwaffe, die bei fast allen waffenstudentischen Korpo­rationen zur Austragung von Schlägermensuren üblich ist.

Korporation

(lat. Körperschaft) Studentenverbindung.

Lebensbund-prinzip

Das grundlegende Prinzip aller Verbindungen, quasi das Prinzip, was eine Verbindung von nor­malen Vereinen unterscheidet. Es bedeutet, dass die Mitgliedschaft lebenslang ist, d.h. man ist nicht nur während des Studiums Couleurstudent als Aktiver, sondern auch danach als Alter Herr. Daraus ergibt sich automa­tisch ein Austausch der Generationen.

Mensur

(lat. Mensura = Abmessung) Heute Bezeichnung für das stu­dentische Fech­ten, eigentlich „messbarer“ Abstand der Fech­tenden.

Mensurkiste

Behältnis, in dem die Mensurausrüstung aufbewahrt und zum Mensurlokal gebracht wird.

Mensurtag

Veranstaltung zur Austragung der zwischen einzelnen Bünden für ihre Bundesbrüder vereinbarten Mensuren (auch: Mensurboden, Bestimmtag, Pauktag)

Monitums

Mahnung; Ermahnung

Mütze

Studentische Kopfbedeckung in den Farben der Verbindung. Am weitesten verbreitet ist die Schirmmütze in verschiedenen Vari­anten. Son­derformen sind das mit Zirkel etc. bestickte schirm­lose Tönnchen (Biertonne, und besonders reich verziert: das Cerevis, oft Bestandteil des Vollwichses) und der Stürmer, aus der Jakobi­nermütze entwickelt, bei der sich das hohe, sich ver­jüngende Oberteil nach vorne auf den Schirm weist.

Partie

Bezeichnung für die gesamte, über eine bestimmte An­zahl von Gängen auszutragende Mensur

Paukant

Mensurbeteiligter.

Paukarzt

Jeder an einer Partie beteiligte Bund stellt einen Pauk­arzt zur Beurteilung und Versorgung auftretender Men­surverletzungen. Mindestens einer der Packärzte muß approbierter Arzt sein. Der Paukarzt hat allein das Recht, Schutzleder oder Suspension zu genehmigen und auf Schmiß oder Suspension abführen zu lassen (Abfuhr)

Paukboden

Ort des Fechtunterrichts oder der Mensur

Pauken

Fechttraining zur Vorbereitung auf die Mensur; gelegent­lich ist Pauken auch im Sinne von Mensur gebräuchlich

Paukkomment

örtlich gültige Regeln für die Durchführung der Mensu­ren innerhalb eines Packverhältnisses (Waffenringes)

Pauklokal,

Mensurlokal

Übungsraum oder Mensurboden

Pauktag,

Mensurtag

Veranstaltung zur Austragung von Mensuren (auch: Mensurtag, Bestimmtag)

Paukzeug,

Mensurzeug

  1. Schutz und Waffe des Fechters während des Paukens (Übungsfechten): Filz- oder Lederhelm mit Gesichts­schutz aus Stahldrahtgitter, Hals- und Brustschutz, Arm­schutz (Stulp) mit eingearbeitetem Handschuh, Pauk­schläger.

  2. Schutz und Waffe während der Partie (Mensur): Stahlbrille mit Nasenblech und Lederriemen über dem äußeren Gehörgang, Halsbandage, Brustschutz, Stulp, stahlarmierter Handschuh, Mensurschläger

Pedell

Universitätsdiener

Pennalie,

Pennä­ler

Schülerverbindung, bzw. Mitglied einer solchen.


Perpetuell

unaufhörlich, dauernd

Reception,

Rezeption

Bezeichnung für die Burschung bzw. die Auf­nahme (Burschung heißt dann Promotion).

Rencontre

(franz.) Zusammentreffen, Zweikampf

Respektierlich

ansehnlich, achtbar

Revokation,

re­vozieren

Widerruf

Satisfaktion

"Genugtuung" zur Beilegung eines Ehrenstreites bes. durch Ehrerklärung oder Duell (Zweikampf). Satisfaktionsfähig war ein Student / eine Verbin­dung, falls generell die Bereitschaft gege­ben war, Ehrenstreitigkeiten ggf. mit der Waffe zu regeln. Mit der Verdrängung des Duell's unbedeutend.

Schläger


Studentische Fechtwaffe (Fechten), auch zur Re­präsentation am Vollwichs. Korbschläger alterna­tiv: Glockenschläger.

Schleppfuchs,

Schlepper

Mensurbeteiligter.

Bezeichnung für den Bundesbruder, der dem Paukanten seines Bundes in den Pausen zwischen den Gängen einer Partie den Fechtarm stützt.

Schmiss

(mhd. Smizen = schlagen) Mensurnarbe, meist im Gesicht

Sekundant


Mensurbeteiligter.

Bundesbruder, der dem Paukanten auf der Partie zur Seite steht; er annonciert die Gänge und beendet sie nach der erforderlichen Zahl von Hieben oder bei Inkomment­mäßigkeiten, indem er „Halt!" ruft und mit seinem Schläger schützend einfällt; er kann Anfragen an den Unparteiischen richten und Ermahnungen (Kreide, Mo­nitum) beantragen.

Spektant

Zuschauer

Silentium

Schweigen, Ruhe

Suite

Gefolge, Partie

Suspension


zeitweilig aufheben; Aufschiebung

  1. Zeitweilige Vertagung eines Bundes (Aktivitas) wegen Nachwuchsmangels.

  2. Ruhen der Mitgliedsrechte kraft Satzung oder Conventsbeschluß (z. B. bei Nichtzahlung der Beiträge).

  3. Vorzeitige Beendigung einer Partie aus gesundheitlichen oder anderen zwingenden Gründen („auf Suspension antreten")

Tempus utiIe

Nützliche Zeit

Tempus

Pause

Testant


Mensurbeteiligter.

Bundesbruder, der dem Paukanten neben dem Sekun­danten auf der Partie zur Seite steht; er achtet auf ord­nungsgemäße Bandagierung, den Zustand des Schlägers und den kommentmäßigen Verlauf der Mensur; er kann die Partie durch „Halt!" unterbrechen sowie Anfragen an den Unparteiischen richten und Ermahnungen (Kreide, Monitum) beantragen.

Tradition

Gegenwartsbezogene Übernahme und Fortführung wert­voller und bewährter althergebrachter Ideale und Ideen, Sitten und Bräuche, aber Ablehnung unkritischer, gedan­kenloser Traditionspflege.

Unparteiischer

Mensurbeteiligter.

Der Unparteiische wird von den Sekundanten der bei­den Paukanten ausgewählt und mit der Leitung der Mensur beauftragt; er darf keinem der beteiligten Bünde angehören und muß Mensurerfahren sein. Er sorgt für den kommentgemäßen Verlauf der Mensur und entschei­det über Anfragen der Sekundanten und Testanten

Verschiss

Studentischer Verruf

Viritim

Mann für Mann; Einzeln

Vulgo


(lat. Beim Volk), "genannt", mit v. oder v/o abge­kürzt zwischen bürgerlichem Namen und Cou­leurnamen gesetzt, auch Begriff für Couleurname selbst.

Waffenbruder

Teilweise übliche Anrede unter Waffenstudenten, insbe­sondere innerhalb eines Waffenringes (Paukringes).

Waffenring

  1. Örtlicher Zusammenschluß von Bünden verschiedener Verbände mit dem Zweck, gemeinsam Bestimmungsmen­suren zu schlagen; z. T. betreiben Waffenringe auch ge­meinsam Hochschulpolitik.

  2. Örtlicher Zusammenschluß von Alten Herren waffenstudentischer Verbände zur Pflege des Zusammenhalts und der Geselligkeit.

Waffenstudent

Bezeichnung für die Mitglieder waffenstudentischer,

d. h. Bestimmungsmensuren fechtender Korporationen.

Zirkel

Symbol einer Verbindung. Enthält in der Regel die Anfangs­buchstaben des Verbindungsnamens und des Wahlspruchs der Verbindung. Der Zir­kel wird hinter die Unterschrift gesetzt und auf Cou­leurgegenständen verwendet. Im Schreibmaschi­nensatz wird dieser oft mit Z! ersetzt bzw. bei ei­nigen Arten von Verbin­dungen mit einem Kürzel des Verbindungs-namens. Entstand als geheimes Erkennungszeichen der Verbindungen in Zeiten des Verbots.











Die

Literaturquellen

10 Die Literaturquellen


10.1 Die verwendeten Bücher und Zeitschriften